Regensdorf

Nach 15 Jahren ist Schluss mit dem Kafi Meier

Das Kafi von Ejorike Meier an der Watterstrasse 41 ist für immer geschlossen. Die Regensdorfer Wirtin hat die Einrichtung und die Dekoration geräumt. Während zweier Tage bot sie alles zum Verkauf an.

Ejorike Meier hat ihr Kafi immer wieder neu dekoriert - zum Beispiel mit nostalgischen Schildern wie diesem.

Ejorike Meier hat ihr Kafi immer wieder neu dekoriert - zum Beispiel mit nostalgischen Schildern wie diesem. Bild: Paco Carrascosa

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Nach der Schliessung des Kafi Meier Ende August bot die Wirtin Ejorike Meier nun das gesamte Inventar zum Verkauf. Das Lokal im Regensdorfer Dorfkern füllte sich mit ehemaligen Stammgästen und Schnäppchenjägern. Zwei Frauen schlenderten den Tischen entlang und begutachteten all die Dinge, die den Betrieb des Restaurants möglich machten.

Ani Ziegler ist erst kürzlich nach Regensdorf gezogen und hat vom Kafi Meier erfahren, als dieses schon geschlossen war. Sie hat ihre Freundin Lucie Sidler aus Zürich zum Ausverkauf mitgebracht, und gemeinsam suchen sie nach Schnäppchen. «Eigentlich brauche ich gar nichts», sagt Ziegler.

Michaufschäumer für die Tochter

Dennoch betrachtet sie den Steamer mit Zubehör für 2300 Franken, den Kühlschrank für 900 Franken, Zuckerdosen für 2.50. Bei einem Milchaufschäumer greift sie schliesslich zu. «Den kaufe ich für meine Tochter», sagt sie, und Ejorike Meier verpackt das metallene Gerät zum Mitnehmen.

Neben all den praktischen Gegenständen stapeln sich Dekorationsmaterial und Kuriositäten auf und unter den Tischen. «Ich habe das Kafi immer wieder neu dekoriert und den Fenster- und Tischschmuck der Jahreszeit angepasst», sagt die Wirtin aus Dällikon und weist mit der Hand auf die Kisten voller künstlicher Blumen, Arrangements mit Herbstblättern und Gestecken mit goldenen Sternen.

Ejorike Meier (rechts) kassiert die Einkäufe von Ani Ziegler (Mitte) und Lucie Sidler. Foto: Paco Carrascosa

Ein Korb mit einem fussballgrossen Huhn hat die Aufmerksamkeit der Frauen geweckt. Als Geschenk für ihren Enkel sei das hübsche Huhn genau richtig, sagt Ziegler. Ejorike Meier zeigt den beiden Frauen, dass im Federvieh noch mehr steckt: Sie steckt den Finger ins Hinterteil – und das Huhn beginnt laut zu gackern – und Meier herzhaft zu lachen. «Während der Osterzeit konnten wir das Gegacker nicht mehr hören.»

Rückläufiger Umsatz

Mit Wehmut zwar und doch erleichtert blickt Meier durch das Lokal an der Watterstrasse, wo sie vor kurzem noch Gäste bewirtet hatte. Während 15 Jahren hat sie das Kafi Meier geführt. Dort hat sie unzählige Leute kennengelernt und ihnen morgens Kaffee und Gipfeli, mittags ein Menü oder später ein Feierabendbier serviert. Für Meier ist mit der Aufgabe ihres Restaurants eine schöne aber anstrengende Zeit zu Ende gegangen.

«Nun werde ich zuerst einmal nichts tun und mir Zeit fürs Privatleben nehmen.»Ejorike Meier, Wirtin Kafi Meier

Als vor eineinhalb Jahren eine Verlängerung des Mietvertrags anstand, war für sie klar: «Nochmals fünf Jahre, das hätte ich nicht durchgestanden.» Gesundheitlich nicht, und auch finanziell wäre es schwierig geworden. Die ersten zehn Jahre seit der Eröffnung seien gut gelaufen, seit fünf Jahren aber sei der Umsatz zurückgegangen. Als mögliche Gründe sieht sie die Einführung des Rauchverbots und der Parkuhren neben dem Lokal. Dazu kommt: Jüngere Gäste hätten das Kafi Meier kaum besucht.

Täglich ab 5 Uhr im Einsatz

Trotz der Unterstützung ihres Ehemanns Rolf, der beruflich zwar nicht im Kafi engagiert war, ihr aber dennoch stets zur Seite gestanden sei, trotz der Hilfe des Personals, für Ejorike Meier wurde der Restaurantbetrieb zu viel: Jeden Morgen um 5 Uhr das Lokal aufschliessen, die Kaffeemaschine starten und Frühstück vorbereiten, um 6 Uhr die ersten Gäste begrüssen und um 7 Uhr abends die letzten verabschieden - das hinterlässt Spuren.

Und wie geht es weiter für Ejorike Meier? «Nun werde ich zuerst einmal nichts tun und mir Zeit fürs Privatleben nehmen», sagt sie mit fester Stimme. In einem Jahr vielleicht werde sie wieder eine Arbeitsstelle suchen. «Aber sicher nicht mehr im Gastgewerbe.» Dennoch sei sie dankbar für die 15 Jahre. «Ich konnte meinen Traum leben.»

Erstellt: 09.09.2019, 17:34 Uhr

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