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Nach tödlicher Kollision mit Velo wird Autofahrer von Gericht freigesprochen

Vor drei Jahren kam es in Regensdorf zu einer folgenschweren Kollision zwischen einem Auto und einem Velofahrer. Der Lenker des Kleinbusses musste sich nun Bezirksgericht verantworten. Die Angehörigen des Opfers wollten, dass er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wird.

Mit diesem Auto kollidierte ein 77-jähriger Velofahrer. Er erlag seinen Verletzungen zehn Tage später im Spital.
Mit diesem Auto kollidierte ein 77-jähriger Velofahrer. Er erlag seinen Verletzungen zehn Tage später im Spital.
kapo

Im letzten Jahr verunfallten in der Schweiz 3374 Velofahrer. 24 von ihnen verloren dabei ihr Leben. Am schwerwiegendsten sind die Folgen meist dann, wenn ein Fahrradfahrer mit einem Auto zusammenstösst. Gerade in der jetztigen Jahreszeit, in der sehr viele Velos auf den Strassen unterwegs sind, ist bei allen Verkehrsteilnehmern besonders hohe Konzentration gefragt.

Wie schnell ein Unglück passieren kann, zeigt ein Unfall im August 2014. Auf der Landstrasse zwischen Weiningen und Regensdorf kollidierte damals ein Kleinbus mit einem Fahrrad. Der 77-jährige Velofahrer erlag einige Tage später im Spital seinen schweren Kopfverletzungen.

Sohn und Tochter des Opfers liessen nicht locker

Wenn ein Auto und ein Velo in einen Unfall verwickelt sind, verletzt sich meist nur die Person auf dem Fahrrad. Die Autolenker haben hingegen auf dem juristischen Weg oftmals die schlechteren Karten. So muss ein konkretes Fehlverhalten des Velofahrers als erwiesen herausstellen, damit es nicht zu einer Verurteilung des Autofahrers kommt.

Im angesprochenen Fall in Regensdorf beabsichtigte der damals 66-jährige Lenker des Kleinbusses den vor ihm befindlichen Velofahrer zu überholen. Dazu bremste er von den erlaubten 80 auf 40 Kilometer pro Stunde herunter. Noch bevor der Beschuldigte das Fahrrad überholen konnte, machte der 77-jährige Velofahrer plötzlich einen Schwenker in Richtung Strassenmitte.

Trotz eingeleiteter Vollbremsung und einem versuchten Ausweichmanöver auf die Gegenfahrbahn, kam es zu einer Streifkollision. Bei dieser stürzte der Velofahrer so unglücklich zu Boden, dass er sich zahlreiche schwere Kopfverletzungen zuzog. Diese führten 10 Tage nach dem Unfall zum Tod des 77-jährigen Schweizers.

Der «Zürcher Unterländer» weiss: Staatsanwältin Brigitte Eisenring wollte das anschliessende Verfahren gegen den Lenker des Kleinbusses einstellen. Doch der Sohn und die Tochter des Opfers liessen nicht locker. Sie setzten einen Rechtsanwalt, in Person von Philip Stolkin, auf den Fall an.

Innerhalb eines halben Jahres Vater und Mutter verloren

So kam es gestern am Bezirksgericht Dielsdorf doch noch zu einer Verhandlung. Der Straftatbestand lautete fahrlässige Tötung. Zudem forderte Stolkin eine Genugtuung in der Höhe von je 20 000 Franken für die Tochter und den Sohn des Opfers. Er arumentierte dabei wie folgt: «Sechs Monate vor diesem Unfall ist bereits die Mutter meiner Mandanten gestorben. Wer in so kurzer Zeit beide Elternteile verliert ist am Boden zerstört und hat keine Lebensfreude mehr.» Deshalb sei die Tochter danach auf psychologische Hilfe angewiesen gewesen.

Im Bezug auf den Unfall ist Philip Stolkin der Meinung, dass der Beschuldigte mehr Rücksicht auf den Velofahrer hätte nehmen müssen. «Das Opfer war bereits 77 Jahre alt und auf dem Fahrrad der klar schwächere Verkehrsteilnehmer.» Zudem sei für ihn nicht bewiesen, dass es wirklich einen plötzlichen Schwenker in Richtung Strassenmitte gegeben habe.

Das sah Guy Reich, Verteidiger des Beschuldigten, anders. Er verlas eine Zeugenaussage, die etwa eine Stunde nach dem Unfall protokolliert wurde. Eine Frau, die den Unfall beobachtet hat sagte damals aus: «Der Velofahrer hat jemandem zugewunken und hat dabei in Richtung Strassenmitte geschwenkt.» Direkt an der Unfallstelle befindet sich der Parkplatz der Tennisanlage Harlachen. Von dort sei der Velofahrer zuerst auch auf die Strasse eingebogen.

Weiter sagte Reich: «Es ist wichtig, dass man auf die anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht nimmt. Aber mit einem plötzlichen Schwenker konnte mein Mandant nicht rechnen.»

«Unfall nicht vermeidbar» — Freispruch von Richter

Bezirksrichter Marc Gmünder musste ein Urteil fällen. Er entschied sich für einen Freispruch. Die Entschädigungsforderungen verwies er auf den Zivilweg.

«Der Beschuldigte hat den Velofahrer noch gar nicht überholt, sondern das Manöver erst eingeleitet. Nach dem unerwarteten Schwenker des Fahrrades, war die Kollision nicht mehr zu vermeiden», begründete der Richter sein Urteil. Weiter erschienen ihm die Aussagen der Zeugin, die kurz nach dem Unfall befragt wurde, glaubwürdig und er fügte an: «Irgendetwas muss ja geschehen sein, dass der Autolenler eine Vollbremsung eingeleitet hat.»

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