Embrach

Naturjuwel stösst auf breites Interesse

Das Public ­Viewing aus der Embracher Fledermauskolonie war ­tatsächlich ein Publikumshit: Der grosse Platz vor der ­reformierten Kirche war voll besetzt.

Die Leute kamen in Scharen,?um die mit Infrarotkameras gefilmten Fledermäuse zu sehen.

Die Leute kamen in Scharen,?um die mit Infrarotkameras gefilmten Fledermäuse zu sehen. Bild: Leo Wyden

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Gefährliche Blutsauger mit spitzen Zähnen, Dämonen mit Flügeln – den Fledermäusen haftet auch heute noch teilweise ein negatives Image an. Davon war am Samstagabend auf dem Embracher Kirchplatz aber nichts zu spüren. Hunderte von Fledermausinteressierten, einige davon ausgerüstet mit Feldstechern, fanden sich schon lange vor der ersten Liveschaltung um 21.15 Uhr ein, um eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen zu geniessen. Auch zahlreiche Kinder waren gekommen, um mit ihren Eltern die Fledermäuse zu beobachten.

Kennen und schützen

«Wir sind überzeugt, dass die Menschen schützen, was sie ­kennen», formuliert Karin Safi-Widmer das Ziel des Public ­Viewings. Die kantonale Fledermausschutz-Beauftragte führte zusammen mit Marcel Fierz von der Stiftung Fledermausschutz durch den Abend und versorgte die Zuschauerinnen und Zuschauer mit zahlreichen Fakten zu den Grossen Mausohren. Die Weibchen dieser Fledermausart beziehen seit mehreren Jahrzehnten jeden Frühling Quartier in den luftigen Höhen der Embracher Kirche, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Die typischen Dachstockfledermäuse finden in einem Kirchturm wie in Embrach ideale Bedingungen: Die grosse Dachkonstruktion mit zahlreichen Balken bietet ideale Möglichkeiten, um kopfüber zu hängen. Ausserdem ist der Ort vor Zugluft geschützt und für die ­natürlichen Feinde wie Katzen, Marder oder Falken schwer erreichbar.

Die ersten Livebilder, welche die im Dachstock installierten Infrarotkameras lieferten, zeigten, wie die Weibchen und ihre Jungtiere dicht zusammen an den Balken hängen. Mit einer eindrücklichen Spannweite von bis zu 43 Zentimetern gehören die Grossen Mausohren zu den grössten der rund 30 einheimischen Fledermausarten. Sie können über 20 Jahre alt werden.

Im Embracher Kirchturm befindet sich die grösste der ins­gesamt zehn Wochenstubenko­lonien des Grossen Mausohrs im Kanton Zürich. «Wir möchten Ihnen bewusst machen, was für ein Naturjuwel sich hier befindet», erklärte Karin Safi-Widmer dem Publikum. Nadine Grolimund, seit 2002 lokale Wochenstuben-Betreuerin, hat diesen Frühling knapp 300 Fledermausweibchen gezählt. Etwa jedes dritte Tier habe im Juni ein Junges zur Welt gebracht. Die Männchen halten sich an anderen Orten auf.

Mit Einbruch der Dunkelheit wurden die Muttertiere munter und verliessen nach einigen Flugübungen durch ein Loch in der Mauer den Kirchturm, um in Bodennähe nach Käfern, Grillen oder Mücken zu jagen. Noch etwa bis im Oktober bewohnen die Fledermausweibchen ihre Embracher Wochenstube. Danach beziehen sie an einem kühlen Ort ihr Quartier für den Winterschlaf.

Erstellt: 10.07.2016, 19:31 Uhr

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