Glattfelden

Netzwerk will Frauenanteil in der Exekutive hochtreiben

Das Frauennetzwerk Zürcher Unterland möchte erreichen, dass der Anteil des weiblichen Geschlechts in den Unterländer Exekutiven auf 50 Prozent wächst. Eine erste Veranstaltung zum Thema findet am Dienstag in Glattfelden statt. Dahinter steckt SP-Kantonsrätin Michèle Dünki-Bättig.

Wo sind die Frauen in der Exekutive? Das Frauennetzwerk Zürcher Unterland möchte erreichen, dass der Anteil des weiblichen Geschlechts in den Unterländer Exekutiven wächst.

Wo sind die Frauen in der Exekutive? Das Frauennetzwerk Zürcher Unterland möchte erreichen, dass der Anteil des weiblichen Geschlechts in den Unterländer Exekutiven wächst. Bild: Thommy Weiss

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Was haben Regensdorf, Wasterkingen und Rüdlingen gemeinsam? Der Frauenanteil in der Exekutive dieser Gemeinden beträgt Null. Rüdlingen hatte bei den letzten Wahlen Mühe, alle Sitze zu besetzen – man war froh, dass sich überhaupt jemand gemeldet hat für den Sitz der zurückgetretenen Gemeinderätin.

Aber Regensdorf als eine der grössten Gemeinden im Zürcher Unterland, wie sie sich selber auf ihrer Internetseite vorstellt, müsste viele potenzielle Kandidatinnen bieten.In Rafz findet man eine Frau unter fünf Gemeinderäten, ebenso in Bachs. In Bülach ist es auch eine einzige Frau, hier wären aber immerhin sieben Sitze vorhanden – und bei einer Einwohnerzahl von rund 19 500 und davon 9900 Frauen eine Menge potenzielle Stadträtinnen.

Kloten hebt den Schnitt an: Drei von sieben Mitgliedern der Exekutive sind weiblichen Geschlechts. Genau auf dieses Thema, den Frauenanteil in den Unterländer Exekutiven, hat es das Frauennetzwerk Zürcher Unterland abgesehen. Am Dienstag führt es in Glattfelden eine erste Veranstaltung durch, wo Frauen das Thema diskutieren.

«Wir müssen noch einen weiten Weg gehen»

Wenn Michèle Dünki-Bättig auf den Frauenanteil von Null Prozent im Regensdorfer Gemeinderat angesprochen wird, sagt sie: «Wir müssen noch einen weiten Weg gehen.» Die SP-Kantonsrätin aus Glattfelden will den Frauenanteil in den Unterländer Exekutiven auf 50 Prozent hinauftreiben und hat das Frauennetzwerk ins Leben gerufen, beziehungsweise macht sie dies am nächsten Dienstag am Kick-Off-Anlass.

Dorthin lädt sie Frauen ein, die sich in naher oder ferner Zukunft für ein politisches Amt interessieren. Die 27-Jährige betont, dass im Speziellen auch die bürgerlichen Frauen willkommen sind: «Das Thema ist nicht nur ein linkes Anliegen, der Anlass soll alle Frauen, unabhängig von ihrer politischen Couleur, ansprechen.»

An der Veranstaltung wird Andrea Gisler, Präsidentin der Frauenzentrale Zürich, einen Vortrag zum Thema «Frauen in der Politik: Auf dem Vormarsch oder im Rückschritt?» halten. Danach werden die Frauen in Gruppen diskutieren. «Ich hoffe, es kommen überhaupt so viele Frauen, dass Gruppen gebildet werden können», sagt Dünki-Bättig und lacht. Sie zähle darauf, dass Frauen teilnehmen, die schon politisch aktiv sind sowie politisch interessierte Frauen, die sich zukünftig ein Amt vorstellen können.

Die Nationalrätin und Klotener Stadträtin Priska Seiler Graf (SP) sowie Alt Kantonsrätin Gabriela Winkler (FDP) haben laut Dünki-Bättig ihre Unterstützung für zukünftige Veranstaltungen des Netzwerks zugesichert. Am kommenden Dienstag seien sie aber verhindert. Ob das Netzwerk als Interessensgemeinschaft betrieben wird oder in Zukunft zu einem Verein wird, weiss die Glattfelderin noch nicht. Zunächst will sie abwarten, wie gross das Interesse ist.

Dass die Erhöhung des Frauenanteils in der Unterländer Exekutiven auf 50 Prozent ein ambitioniertes Ziel ist, ist Dünki-Bättig bewusst. Der Anlass soll eine Aktivierung sein, wie die Glattfelderin sagt. Es gehe zunächst einmal darum, die Bedürfnisse und Brennpunkte zu ermitteln. Der Aufhänger für die Veranstaltung sind die Kommunalwahlen im kommenden Jahr. Dass das Netzwerk aber schon einen grossen Effekt auf diese haben wird, glaubt sie nicht. «Dafür sind wir zu spät dran.»

Es soll aber der Anfang der Aufbauarbeit sein. Dünki-Bättig kann sich vorstellen, dass in einer nächsten Veranstaltung das Thema Auftrittskompetenzen in Angriff genommen wird. «Wir könnten Workshops anbieten, um die Auftrittskompetenzen zu stärken und zu üben, wie man sich am besten verkauft.» Es gehe darum, das Selbstbewusstsein der Frauen aufzubauen. Denn laut Dünki-Bättig leiden Frauen oft am «Hochstapler-Syndrom»: Sie warteten darauf, dass sie bei einem Fehler ertappt würden. «Die Männer tun dies weniger stark», sagt sie.

Max Walter würde (mehr) Frauen begrüssen

Dass in einer grossen Gemeinde wie Regensdorf keine Frauen im Gemeinderat sitzen, erklärt Dünki-Bättig auch mit den Parteien: «Sie wären in der Verantwortung, Frauen zu unterstützen.» Sie müssten laut der Kantonsrätin auch interessiert daran sein, 50 Prozent ihrer Bevölkerung zu repräsentieren. «Ich möchte damit aber nicht sagen, dass Männer die Frauen nicht gut vertreten können.» Jedoch bringe die Frau eine andere Sichtweise in die Themen.

Die letzte Aussage macht auch Max Walter (SVP), Gemeindepräsident von Regensdorf: «Ich habe es immer sehr geschätzt, wenn zumindest noch eine Frau im Rat sass. Der weibliche Aspekt bringt immer auch neue Sichtweisen ein, was sehr wertvoll sein kann.» Die Qualität habe ohne Frau zwar nicht gelitten, aber an die Führung der Sitzung stelle die jetzige Situation andere Herausforderungen.

Laut Walter hatten im Regensdorfer Gemeinderat seit den 80er-Jahren bis 2014 eine bis vier Frauen im Gemeinderat Einsitz. «Warum sich nun keine Frauen mehr gemeldet haben, entzieht sich meiner Kenntnis, aber im Moment sind offenbar keine valablen Kandidatinnen in den Parteien vorhanden, die auch bereit wären, den Zeitaufwand auf sich zu nehmen.»

Das Thema Frauen ist laut Walter permanent präsent, bei fast allen Parteien. «Ich persönlich hoffe, dass es bei den Wahlen 2022 wieder eine Frau wagt, in den Ring zu steigen.» Bei den Wahlen 2018 werde es eher schwierig, weil der Rat mit dem Präsidium der Primarschulpflege ergänzt werde und nur ein Ratsmitglied nicht mehr antrete.

«Da die Bürger aber, so wie ich das einschätze, mit dem derzeitigen Rat sehr zufrieden sind, hätte eine Neukandidatur es wohl eher schwierig.»

Erstellt: 30.06.2017, 16:16 Uhr

Michèle Dünki-Bättig

Infobox

Der erste Anlassdes Frauennetzwerks Zürcher Unterland findet am Dienstag, 4. Juli von 19 bis ca. 21.30 Uhr im Kulturzentrum Glattfelden am Chilenweg 3 statt. Informationen unter www.frauennetzwerkblog.wordpress.com.

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