Firmenporträt

Neue Garderobe erobert den Markt im Nu

Was aus einer Partylaune heraus entstand, wird zum Marktrenner. Die Firma Zippsafe AG aus Opfikon revolutioniert mit ihrer Erfindung das Garderoben-System im öffentlichen Raum.

Carlo Loderer, Mitbegründer und CEO von Zippsafe, demonstriert die Funktionsweise des neuen Garderoben-Systems.

Carlo Loderer, Mitbegründer und CEO von Zippsafe, demonstriert die Funktionsweise des neuen Garderoben-Systems. Bild: rce

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«Nicht mit Erfindungen, sondern mit Verbesserungen macht man Vermögen», sagte einst der US-amerikanische Automobilpionier Henry Ford. Carlo Loderer und David Ballagi zeigen, dass es noch besser geht. Sie haben etwas Bestehendes nicht nur verbessert, sondern quasi neu erfunden.

Die beiden haben ein taschenbasiertes Self-Service-Garderoben- und Aufbewahrungssystem für Kleidung und Handgepäck entwickelt. Das System besteht aus Hängetaschen, Zahlencode zum Abschliessen sowie integriertem Alarm und soll im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Das System namens Zippsafe, braucht viel weniger Platz als ein traditioneller Spint, ist mobil und dennoch sicher.

Herkömmliche Lösungennicht praktikabel

Als Maschinenbau-Studenten an der ETH organisierten Loderer und Ballagi Silvesterparties. «Als diese immer grösser wurden, stellte sich die dringende Frage: Wohin mit all den Mänteln, Taschen und anderen Sachen, welche die Partygäste auf und mit sich tragen? Und wer passt auf diese auf?» erzählt Carlo Loderer.

Herkömmliche Garderoben-Lösungen erschienen den beiden Partymachern als wenig praktikabel. «Bediente Garderoben sind personalintensiv, teuer und produzieren Warteschlangen. Schliessfächer sind nicht mobil und beanspruchen viel Platz. Kleiderständer bieten keine Sicherheit. Kurz gesagt: etwas Neues musste her», erklärt Loderer die Geburtsstunde von Zippsafe.

Neben dem Studium gingen Loderer und Ballagi daran, auf Worte Tatsachen folgen zu lassen. Im Rahmen der Vorlesung «New enterprises for engineers» an der ETH Zürich entstand die erste Prototyp-Tasche. «Gleichzeitig haben wir dort nach Leuten gesucht, die bei unserem Projekt mitmachen wollten und konnten», sagt Loderer.

Dazu war den beiden auch schon klar, dass der Korpus mit den Taschen leicht beweglich und in verschiedenen Grössen erhältlich sein musste. Ausserdem betrieben Loderer und Ballagi Marktforschung, um heraus zu finden, ob ihre Idee Anklang finden würde. «Das Echo war enorm. In allen Bereichen des öffentlichen Raums war das Interesse gross. Wir merkten bald, dass wir quasi drauf und dran waren, das Rad im Garderobenmarkt neu zu erfinden.»

Dieses Rad rollte dann von Beginn weg rasend schnell. Im Einkaufszentrum «Westside» in Bern wurde Zippsafe erstmals im grossen Rahmen getestet. Die beiden Jungunternehmer mussten ihre erste Bewährungsprobe bestehen, wie sich Loderer zurückerinnert. «Wegen der nahenden Weihnachtszeit mussten die Systeme prompt gefertigt werden. David und ich arbeiteten drei Wochen lang Tag und Nacht durch und stellten die erste Einheit selber zusammen.»

Das Garderobensystem bestand den Praxistest mit Bravour, die Resonanz von Anbietern und Kundschaft war durchwegs positiv. Parallel zur Testreihe beteiligten sich Loderer und Ballagi mit ihrer Erfindung an Startup-Wettbewerben (siehe Kasten) – mit Erfolg. Zuletzt gewannen die beiden den mit 130 000 Franken dotierten 1. Preis der privaten Initiative «Venture Kick» aus St. Gallen, die seit 2007 schon über 400 Jungfirmen in der Einstiegsphase unterstützt.

Anfangs 2017 erfolgte der eigentliche Markteintritt mit dem neuen Garderoben- und Aufbewahrungssystem – und wieder ging es schnell. Zippsafe hat bereits acht Standorte in der Schweiz und einen in Frankreich in Einkaufszentren und Büros. Unter den Einkaufszentrumkunden ist mit der Migros einer der Detailhandelsriesen schon auf den Zug gestiegen. Zudem laufen diverse Projekte in weiteren Shoppingzentren, Flughäfen, Spitäler, Kinos, und Hotels. Als nächstes startet das Hotel Radisson Blu im Mai mit einem Pilotprojekt.

Alternative Ideenund zusätzliche Gadgets

«Für Co-Working Spaces (Bürogemeinschaften) ist unser System ebenfalls ideal. Es dient dort vielfach nicht nur als Garderobe, sondern auch als Trennelement für Raumunterteilung. Zudem wird dessen Rückseite im Sitzungszimmer zum Beispiel als Whiteboard verwendet.» Dazu können die Garderobenelemente auch mit Gadgets wie Ladestationen für Mobiltelefone, Tablets und Laptops oder Info-Bildschirmen bestückt werden.

Loderer und Ballagi beliessen es nicht beim Erfinden. Sie schenkten auch der Weiterentwicklung und Vermarktung ihres Produkts von Beginn weg die nötige Aufmerksamkeit. Das zahlte sich ebenfalls aus. Relativ rasch wurden Investoren gefunden, im Verwaltungsrat der inzwischen gegründeten Aktiengesellschaft sitzen namhafte Leute wie Jonathan Grahm,früherer CCO a.I. des Onlinshops «siroop.ch», Stefan Portmann, ehemaliger Mitbesitzer des Modehauses Schild oder Yves von Ballmoos, früherer Inhaber des Einrichtungshauses Zingg-Lamprecht. Als Beirat fungiert unter anderen Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer.

Ansonsten hält Zippsafe die Firmenstruktur klein. Die Hängetaschen werden in David Ballagis zweiter Heimat Ungarn hergestellt, die Blechummantelung stammt von der Firma Hakama in Bättwil BL, wo auch die Montage zum fertigen Produkt erfolgt. In den vier kleinen Zippsafe-Büroräumen in Opfikon arbeiten schon neun Mitarbeitende an Entwicklung, Optimierung, Vertrieb und Marketing.

Carlo Loderer und David Ballagi sind rührige Jungunternehmer – und immer noch Studenten. «Meine Masterarbeit habe ich geschrieben, das Diplom hole ich aber erst im Juni ab», sagt Loderer stellvertretend. Und die beiden Stadtberner hat nicht der Zufall zusammengeführt. «Wir kennen uns seit der Kindheit und haben schon damals gemeinsam gebastelt, eine Baumhütte gebaut oder Töffli frisiert.»

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Erstellt: 05.05.2017, 15:58 Uhr

Infobox

www.zippsafe.ch

START-UP

Start-up-Unternehmen oder Start-ups sind Firmen, die eine innovative Geschäfts- oder Problemlösungsidee haben, die junge oder neue Märkte schafft und bedient. Die Finanzierung erfolgt vielfach nicht über Bankredite, sondern durch Finanzierungsformen wie Venture- oder Seedkapital (ausserbörsliche Beteiligungen) und Crowdfunding (Geldspenden von vielen Benutzern im Internet). Viele Start-ups sind online-, software- oder technologiebasiert und verfolgen das Ziel, schnell zu wachsen und einen hohen Wert zu erreichen. Beispiele für Firmen, die als Start-up begonnen haben, sind Google, Facebook, eBay, Amazon, Tesla Motors, Skype, Zalando. Auch das unlängst gegründete digitale Online-Magazin «Republik» finanziet sich über Crowdfunding. Quelle: Wikipedia

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