Nürensdorf/Zürich

«Nicht nur eine Party, sondern eine Demonstration für Friede und Liebe»

Der 36-jährige Nürensdorfer Alois Gisler ist seit elf Jahren mit seinem Love-Mobile One Nation an der Street Parade unterwegs.

Das Love-Mobile One Nation gehört mit seinen 36 Metern Länge zu einem der grössten der Parade.

Das Love-Mobile One Nation gehört mit seinen 36 Metern Länge zu einem der grössten der Parade. Bild: PD

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Alois Gisler, was verbindet Sie mit der grössten Technoparty der Welt?
Das ist relativ simpel: Als DJ mit einer Neigung zur elektronischen Musik zieht mich ihre magische Energie geradezu an. Das Spezielle an der Parade ist für mich ihr Hintergrund. Es ist nicht nur eine Party, sondern eine Demonstra­tion für Friede, Liebe, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz.

Wie viel ist von diesen fünf Grundsätzen der Street Parade noch zu spüren?
Natürlich sind diese nicht allen Besuchern bewusst; doch das war wohl auch bei der ersten Parade 1992 nicht der Fall. Wenn aber nur schon 20 oder 30 Prozent der Teilnehmenden – also ungefähr 300 000 Leute – diese verstanden haben, finde ich das beachtlich. Ich persönlich spüre diese Grundsätze dann, wenn ich sehe, wie Leute von der ganzen Welt zusammenkommen und friedlich miteinander feiern, ohne grosse Zwischenfälle und Konflikte.

Wie hat sich die Szene der Elek­tromusik in der Zeit verändert?
Die Szene hat sich besonders in den letzten zehn Jahren sehr verändert: Die Anhängerschaft der elektronischen Musik ist durch einzelne grosse Stars wie David Guetta stark gewachsen. Heute sind es nicht mehr Bon Jovi oder Bryan Adams, die das Hallenstadion füllen, sondern Electroacts. Dazu beigetragen haben auch neue Dienste wie Spotify, welche die Verbreitung der Musik vereinfachen, und der technische Fortschritt. Im Gegensatz zu ­früher ist die Flexibilität der DJs auch immer wichtiger geworden. Dies ist ein grosses Plus für mich – ich habe so viele Aufträge wie schon lange nicht mehr.

Träumen Sie von einem weltweiten Durchbruch als DJ?
Ich setze mir meine Ziele realistisch, betreibe aber einen bedeutend höheren Arbeitsaufwand, als es für diese notwendig wäre. Ich arbeite also für höhere Ziele. Der weltweite Durchbruch wäre eines dieser höheren Ziele, aber ganz bestimmt nicht realistisch. Internationale Bekanntheit zu erlangen, ist heutzutage Glückssache. Man kann tolle Lieder machen und diese noch so gut promoten – es gibt einfach so viele Lieder, dass die Chance, dass ­deines global bekannt wird, sehr klein ist.

Wie viel Zeit investieren Sie neben Ihrer DJ-Tätigkeit in das Love-Mobile?
Für mich als Hauptorganisator ist der Aufwand sehr gross; alles in allem wende ich wohl zwei Monate Arbeitszeit auf für die Organisation, den Auf- und Abbau und die Durchführung.

Weshalb nehmen Sie diesen ­riesigen organisatorischen ­Aufwand auf sich?
Meine Absicht ist es bestimmt nicht, einen Gewinn zu erzielen – das Love-Mobile ist ein Null­summenspiel. Der Grund für mein Engagement ist einerseits die Parade selber, die klar mein jährliches DJ-Highlight ist, und andererseits unser tolles Bauteam. Im Verlauf der Jahre sind wir eine grosse Familie geworden. Nur durch dieses Mitein­ander funktioniert das Ganze und motiviert jedes Mal aufs Neue.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.08.2018, 17:45 Uhr

Zur Person

Alois Gisler

Alois Gislers Karriere als DJ begann in jungen Jahren, als er in einem Club in Brunnen SZ erstmals auflegen durfte, da ein Kollege von ihm in der Geschäfts­leitung war. «Ich war gerade mal 15 Jahre alt, Gäste wurden hingegen erst ab 21 Jahren eingelassen – das war schon sehr speziell.» Die Electronic Dance Music zog ihn immer mehr in ihren Bann, und er konnte fast jedes Wochenende in Clubs auflegen.
Nach einer halbjährigen Pause mit 22 Jahren aufgrund eines Nervenzusammenbruchs zog es ihn in den Vibes-Club in Bassersdorf. So kam er ins Zürcher Unterland und zog nach Nürensdorf. Mittlerweile kann der Electro-DJ seit seinem 22. Lebensjahr von seiner Tätigkeit leben und macht auch eigene Musikproduktionen. dah

«Eine Schnapsidee»

Die Geschichte des Love-Mobiles One Nation

Bei einem Bier mit dem damaligen Inhaber des Vibes-Clubs Bassersdorf kam Alois Gisler 2008 auf die «Schnapsidee», sich mit einem Love-Mobile an der Street Parade anzumelden. Die beiden schickten ein Konzept an den Verein Street Parade, das darauf vom Love-Mobile-Rat zugelassen wurde.
Dieses Gremium entscheidet jedes Jahr wieder aufs Neue, welche Gefährte an der Parade teilnehmen dürfen. Im ersten Jahr schrieben Gisler und der Vibes-Club noch knapp 15 000 Franken Minus. Erst im vierten Jahr konnte die Finanzierung durch einen neuen Partner, den Schweizer DJ Mr. Da-Nos, gewährleistet werden.
Auch wenn der Vibes-Club im Jahr 2011 zuging, wurde das Gefährt Jahr um Jahr grösser. Nachdem auch der nächste Mitver­anstalter, der Beach-Club aus Hinwil, von der Bildfläche verschwand, sind neu XworkX Event- & Artist-Management und The Pirates aus Hinwil dazugekommen. Mittlerweile hat das Love-Mobile eine Länge von 36 Metern, eine Soundanlage mit über 600 000 Watt Leistung, 2 Bars, 2 Toiletten und ein Team von 70 bis 80 Leuten, die an ­seiner Entstehung beteiligt sind. «Die knapp 30 Personen des Bauteams nehmen jeweils bezahlte Ferien, um noch intensiver zu arbeiten, als dass sie es vermutlich in ihrem Arbeitsalltag tun», sagt Gisler. «Während insgesamt 4 Tagen investieren wir wohl über 50 Stunden, um den Wagen auf- und abzubauen.»
Während der Parade steht für Gisler nicht nur das Feiern, sondern auch die Sicherheit im Vordergrund. «Auf dem Wagen und besonders auf der Strasse um das Love-Mobile herum sind bei uns 25 Sicherheitskräfte im Einsatz. Das sind zwei bis vier Personen mehr, als der Verein Street Parade den Gefährten ­vorschreibt.»
Um den Alkoholkonsum der Gäste unter Kontrolle zu haben, verlangt One Nation einen Betrag von 3 beziehungsweise 6 Franken für alkoholische Getränke. «Im ersten Jahr schenkten wir alkoholische Getränke noch gratis aus. Dies führte aber dazu, dass viele Besucher hamsterten und Gästen auf der Strasse unsere Getränke reichten oder im Übermass tranken. Wasser und Süssgetränke können aber nach wie vor gratis bezogen werden.» dah

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