Flughafen

Nicht Radio Bremen – aber Rebord kommt an

Am Donnerstag sprach der Chef der Schweizer Armee, Philippe Rebord, am Flughafen über die neue Cyber-RS, über Geldprämien fürs Weitermachen und über die grösste Investition der Armee überhaupt. Er überraschte die rund 100 geladenen Gäste mit Witz und Charme und erntete viel Anerkennung.

Mit vollem Einsatz erklärte der Armeechef Philippe Rebord in Kloten den geladenen Gästen seine Marschrichtung in und mit der Armee.

Mit vollem Einsatz erklärte der Armeechef Philippe Rebord in Kloten den geladenen Gästen seine Marschrichtung in und mit der Armee. Bild: Paco Carrascosa

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Dass Militär und Sicherheitspolitik kein dröges Thema für irgendwelche grummeligen Strategen in verstaubten Büros sein muss, bewies gestern der Chef der Armee. Auf Einladung der Territorialdivision 4, zu deren Einsatzraum nebst sechs Ostschweizer Kantonen auch der Kanton Zürich gehört, sprach Philippe Rebord am Flughafen vor rund 100 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Bildung.

Er stellte sogleich klar, dass er auf die Wirtschaft angewiesen sei, wenn es um die Armee und somit um die Sicherheit des Landes gehe. «Vielen Dank, dass Sie sich engagieren», meinte er eingangs. Denn ohne eine wohlgesinnte Wirtschaft würde es keine Schweizer Armee in ihrer heutigen Milizform geben, rief der höchste Schweizer Militär in Erinnerung.

Dass er «leider nicht ganz wie Radio Bremen» klang, sondern in seinem «eidgenössischen Deutsch» hörbar helvetisch daherkam, nahm ihm niemand übel. Ganz allgemein gab sich der Korpskommandant betont locker. Jedenfalls schien er sich Mühe zu geben, nicht abgehoben zu tönen, denn Sicherheit geht ­alle an – so seine zentrale Botschaft. Ohne diesen «Sockel» der Sicherheit würden Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, ja der ganze Staat nicht mehr funktionieren können, warnte er.

Rebord hat bemerkt, dass die heutige Jugend die Armee gar nicht so negativ sehe, wie manch einer denke. Eine ETH-Studie habe dies erst kürzlich bestätigt.

Junge sehen Armee positiver, als die Väter es taten

«Die Jungen sind heute positiver eingestellt gegenüber der Armee, als die Generation ihrer Väter.» Es solle deshalb ja niemand sagen, früher sei alles besser gewesen. «Ich schätze die Jungen sehr», meinte Rebord, «sie finden auch nicht immer alles gut an der Armee, aber sie bringen heute eine positivere Art der Kritik ein.» Er erinnere sich noch gut an die viel negativere Stimmung zu seinen früheren Dienstzeiten in gewissen Westschweizer Kompanien, erzählte er.

«Die Jungen sind heute positiver eingestellt gegenüber der Armee, als die Generation ihrer Väter.»Philippe Rebord

Die heutigen Herausforderungen bedingen indes ohnehin eine neue Art von Soldaten. So setzt der Armeechef auf «Cyber-Profis» gegen feindselige Internetangriffe und IT-Attacken. Die erste Cyber-RS in Kooperation mit der ETH beginne noch diesen Sommer und dauere 40 Wochen. Ziel sei es, bis in ein paar Jahren deutlich über 200 solcher Fachspezialisten ausgebildet zu haben. Diese Art von Bedrohung abseits von Panzern und Flugzeugen sei real, «das wird immer noch stark unterschätzt». Man sei aber schon daran, alle Führungsnetze zu entkoppeln von den zivilen und baue dazu auch unterirdische Rechenzentren.

Allein für den Bereich Cyberabwehr sei ein Investitionspaket von 3,4 Milliarden Franken geschnürt worden. Um junge Leute künftig bei Laune zu halten und ihnen eine Militärkarriere etwas schmackhafter zu machen, habe der Bundesrat neu auch die Einführung so­genannter Bildungskontos beschlossen. Die hierfür zur Verfügung gestellten 12 Millionen Franken sollen es der Armee erlauben, im Kampf um «die besten Kräfte» nicht zusehen zu müssen, wie junge Leute lieber lukrativere Optionen wählten, als weiterzumachen. Nun gebe es neu eine Ausbildungsgutschrift, von bis zu 11 300 Franken für Einheitskommandanten etwa, und Soldzulagen von monatlich rund 4300 Franken, wenn beispielsweise ein Unteroffizier sich zum Weitermachen entscheide.

«Nicht gegeneinander» – Respekt für Zivildienstler

Dass es heute zudem viel mehr Untaugliche gebe, sei falsch. «Es gibt nicht mehr total Untaugliche wie um 1870.» Dass man sich aber auf dem sogenannten blauen Weg vielleicht zu leicht ausmustern lassen könne, erzürnte den Armeechef. «Ein Junge von 19 oder 20 Jahren hat keine Chance, das System zu bescheissen.» Punkto Zivildienst als Konkurrenz zur Armee zeigte Rebord eher unerwartet, dass er grossen Respekt habe dafür. «Solange sie diesen Dienst leisten, sollten wir das nicht gegeneinander ausspielen.»

Und Rebord zeigte sich auch dann offen und unverkrampft, als es um die zentrale Frage einer neuen Luftverteidigung für acht Milliarden Franken ging. «Es ist der grösste Investitionsblock der Armeegeschichte. Das Volk soll das Recht haben, sich dazu zu äussern.» Er sei sich sicher, dass die Bevölkerung erkenne, dass die Armee eine Luftwaffe brauche. Dass sich die Diskussionen aber nur um Flugzeugtypen drehen, wolle er vermeiden – «bei der Bahn 2000 haben wir ja auch nicht über Lokomotiven abgestimmt.» Es gehe hier vielmehr um einen Grundsatzentscheid für die Zukunft der Armee insgesamt. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.06.2018, 10:44 Uhr

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