Milizarbeit

Nichts für Zuschauer-Bürger

2019 ist das Jahr der Milizarbeit. Feuerwehrmann Christian Meier aus Niederhasli ist täglich mit den Vor- und Nachteilen konfrontiert.

In der Garderobe der Feuerwehr Niederhasli ist Christian Meier in seinem Element.

In der Garderobe der Feuerwehr Niederhasli ist Christian Meier in seinem Element. Bild: Johanna Bossart

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist still im Feuerwehrgebäude Niederhasli. Kommandant Christian Meier geht durch die Fahrzeughalle und die Garderobe, inspiziert Geräte und das Tenü seiner Mannschaft. Zehn Einsätze fuhr die Feuerwehr Niederhasli dieses Jahr bereits. «Letztes Jahr waren es insgesamt 98», sagt Meier. Über 40 Jahre seines Lebens hat er der Feuerwehr verschrieben, seit 2012 präsidiert er den kantonalen Feuerwehrverband. In dieser Zeit hat Meier die Feuerwehr von jeder Seite und auf jeder Ebene gesehen - und was für eine Rolle sie in der Gemeinde spielt.

Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) hat 2019 zum Jahr der Milizarbeit erklärt. Obwohl das Milizsystem auf Gemeindebene das Fundament der Schweizer Politik bildet, droht es, zu erodieren. 2017 gaben ungefähr die Hälfte der Gemeinden an, nicht genügend Teilnehmende für die Gemeindeexekutive zu finden.

«Wer freiwillig in der Feuerwehr tätig sein will, ist motiviert und engagiert»Christian Meier, Präsident Kantonaler Feuerwehrverband Zürich

Letztes Jahr sprach sich Andreas Müller, Projektleiter Milizpolitik beim SGV, in einem Gastkommentar bei der NZZ über die Krise des Milizsystems aus: «Jeder möchte von der Milizarbeit profitieren, aber immer weniger Bürger sind bereit, ihren Teil Gut beizutragen», schreibt er. Mit verschiedenen Aktionen will der SGV nun diesem Trend entgegenwirken: Einerseits will man dazu beitragen, dass die Milizarbeit wieder an Ansehen gewinnt. Auf politischer Ebene verfolgt man Reformen, welche die Milizarbeit für die Zukunft stärken sollen.

Für die Zukunft

Im Zentrum dabei steht die Zusammenarbeit mit den Behörden, der Wirtschaft und auch den öffentlichen Organisationen. Die Feuerwehr ist das Beispiel par excellence: Mehr als 98 Prozent der Feuerwehrleute in der Schweiz sind Milizangehörige. Schweizweit sind das über 80 000, davon 7000 im Kanton Zürich. Dass ein solches System funktioniert, grenzt fast an ein Wunder. Dahinter steckt viel Vorbereitungsarbeit. «Zehn Mann in zehn Minuten vor Ort», beschreibt Meier einen Feuerwehreinsatz, nicht ohne Stolz. «Wir sind das am schnellsten ausrückende Organ in den Gemeinden».

An Feuerwehrangehörigen fehlt es in Niederhasli nicht, meint Meier. «Trotzdem müssen wir ständig dranbleiben und Jugendliche und Erwachsene dazu motivieren, mitzumachen.» Das ist nicht immer ganz einfach. Hier sind jedoch auch die Vorteile des Milizsystems deutlich zu beobachten: Wer den ersten Schritt wagt und bereits bei der Jugendfeuerwehr einsteigt, macht meist den Übergang zur regulären Feuerwehr. «Wer freiwillig in der Feuerwehr tätig sein will, ist motiviert und engagiert», sagt er. Dass im Jahr der Milizarbeit der Schweizerische Feuerwehrverband nun auch das 150-jährige Bestehen feiert, ist ein glücklicher Zufall. Am 30. und 31. August öffnen rund 700 Feuerwehrdepots in der ganzen Schweiz der Öffentlichkeit ihre Türen, so auch in Niederhasli und anderen Gemeinden der Region.

Wenig Ansehen

Die mangelnde Wertschätzung in der Öffentlichkeit sieht auch Meier mit Bedauern: «Viele wissen sehr wenig über das Milizsystem», sagt er. «Es kann manchmal frustrierend sein, wenn Anwohner kein Verständnis für unsere Übungen haben», meint Meier. Fast alle Angehörigen der Feuerwehr gehen dieser Tätigkeit ehrenamtlich nach und üben tagsüber einen regulären Beruf aus.

In Niederhasli sind lediglich ein Stabsoffizier und ein Materialwart im Teilzeitpensum eingestellt. Das hat zur Folge, dass die Übungen zur späten Abendstunde und mit etwas Lärm stattfinden müssen, oft zum Ärgernis der Bevölkerung. Davon beirren lässt sich Meier jedoch nicht. «Wenn wir ausrücken, gibt es eine Lösung», betont er. «Und wenn wir kommen, darf es nicht schlimmer werden.»

Erstellt: 13.05.2019, 18:21 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben