Winkel

Noch eine Schulpflegerin hat genug

Der Gemeinderat Winkel muss den Anschluss an die Stiftung Alterszentrum Region Bülach nicht prüfen. Die Einzelinitiative eines Stimmbürgers fand keine Gnade. Neben Sachgeschäften bot die Gemeindeversammlung viele Emotionen und einen unerwarteten Rücktritt.

Die Gemeindeversammlung in Winkel war alles andere als langweilig.

Die Gemeindeversammlung in Winkel war alles andere als langweilig. Bild: mcp

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Die Winkler Gemeindeversammlung endete am Montag mit einer Berg- und Talfahrt der Emotionen. Diese begann mit der Würdigung der Verdienste des zurücktretenden Gemeindepräsidenten Arnold Meyer (SVP). «12 Jahre Gemeinderat, das bedeutet 276 Sitzungen, 3092 Geschäfte, 11 750 Seiten Protokoll und 36 Gemeindeversammlungen», rechnete Nachfolger Marcel Nötzli (SVP) vor. Nach seiner Laudatio erhob sich das Publikum zu einem langen Applaus. «Es tut mir sehr weh, euch zu verlassen. Das Grösste war euer Vertrauen», sagte Meyer, der sich insgesamt 24 Jahre für die Gemeinde engagiert hat, die vergangenen acht Jahre als Präsident.

Demission wegen fehlendem Vertrauen

Um das Thema Vertrauen ging es auch bei einem weiteren Abschied. Dieser kam allerdings völlig unerwartet. Schulpflegerin Esther Baumann (FDP) verkündete ihren Rücktritt. Sie reagierte damit auf die Abwahl des bisherigen Schulpräsidenten Mathias Brunner am Vortag. «Auch ich habe dem Bezirksrat heute mein Rücktrittsgesuch eingereicht.»

Im langen Wahlkampf habe die Kollegialität gelitten. Der bisherige Präsident habe einen super Job gemacht, bloss sei das nicht bei allen angekommen. Sie könne im neuen Gremium keine Verantwortung mehr übernehmen. «Ich habe nicht genügend Vertrauen in die neue Präsidentin», schloss Baumann ihr emotionales Votum. Eininige Anwesende quittierten diese persönliche Stellungnahme mit Missfallensbekundungen, genauso wie die anschliessenden Ausführungen der angegriffenen Claudia Morganti. Andere verliessen den Saal frühzeitig.

Den Anschluss an denNachbarn prüfen

Zu Beginn des Abends waren die Sachgeschäfte im Zentrum gestanden, allen voran die Einzelinitiative von Ueli Schwab. Dieser sagte: «Heute geht es um Menschen, die nicht mehr hier sein können, weil sie pflegebedürftig sind und den Weg in den Breitisaal nicht schaffen.» Pflegebedürftig könne jeder werden – von einem Moment auf den anderen. «Sie entscheiden heute, wie und wo sie Ihr Leben dann gestalten möchten», leitete Schwab die Begründung seiner Initiative zur Pflege- und Wohnsituation im Alter ein. Diese verlangte vom Gemeinderat, den Anschluss an die Stiftung Alterszentrum Region Bülach zu prüfen (der ZU berichtete). Denn, so Schwab: «Heute bekommen Winkler dort nur ein Bett, wenn es Platz hat.»

Winkel ist Trägergemeinde des Kompetenzzentrums Pflege- und Gesundheit (KZU). Dieses führt Zentren in Bassersdorf und Embrach. Das sei alles andere als ideal, findet Schwab: «Versuchen Sie mal, mit dem Bus dorthin zu kommen.» Menschen wollten auch bei Pflegebedürftigkeit in der vertrauten Umgebung bleiben – und das sei nun mal die Region Bülach. Der Gemeinderat solle Alternativen zum KZU prüfen: «Meine Initiative kostet Sie noch nichts, sie soll nur die Auswirkungen eines Anschlusses prüfen.»

Dennoch stellte sich der Gemeinderat gegen die Initiative, wie Christian Erzinger (FDP) ausführte. «Das KZU geniesst einen sehr guten Ruf, und es ist einfacher, wenn die Gemeinde bei der Pflegeversorgung nur einen Ansprechpartner hat.»

Ausserdem würden immer mehr private Anbieter auf den Markt drängen und vermutlich bald für ein Überangebot sorgen. «Es macht keinen Sinn, in mehr Pflegeplätze zu investieren.» Man verwende das Geld lieber für altersgerechte Angebote in Winkel, so Erzinger. «Die Initiative ist unnötig und zielt in die falsche Richtung», fasste er die Haltung des Gemeinderats zusammen. Unterstützung gab es von Dorfarzt Ueli Girsberger. Der Initiant male schwarz. Die Gemeinde stehe gut da: «Ich habe keine Mühe, meine Patienten unterzubringen.» Die 163 Anwesenden (3,6 Prozent) lehnten die Initiative mit 110:28 Stimmen ab.

«Die Materie war wohl zu komplex», bedauerte Ueli Schwab das Resultat. Man sei offensichtlich der Meinung, Winkel bezahle schon heute genug an die Kreisgemeinden. «Man denkt auch nicht gerne an die Verschlechterung des eigenen Gesundheitszustandes. Und jene, die es betreffe könnten nicht mehr für sich einstehen: «Das muss ich akzeptieren.»

Sechs Prozent pro Klasse >müssen reichen

In der Schulgemeindeversammlung ging es dann um die Unterstützung für die jüngeren Winkler, nämlich um die definitive Einführung von Klassenassistenzen. 5000 Franken pro Jahr und Klasse will die Schulgemeinde dafür investieren. Damit sollen jeweils sechs Stellenprozente ermöglicht werden. «Das Volksschulamt empfiehlt 16,6 Prozent», sagte Schulpflegerin Claudia Morganti (FDP).

Weshalb Winkel mit so wenig auskomme, wollte jemand wissen. Es gäbe Schulen mit weit grösseren Herausforderungen, erklärte Schulpräsident Mathias Brunner. «Wir haben errechnet, dass wir mit sechs Prozent gut fahren.» Die Einführung der Klassenassistenzen kostet die Gemeinde 80 000 Franken im Jahr. Sie wurde ohne Gegenmehr angenommen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.06.2018, 17:30 Uhr

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Weitere Geschäfte

Diese Geschäfte genehmigten die Winkler ohne Gegenmehr:


  • Jahresrechnung 2017 der Politischen Gemeinde: Sie schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 93 000 Franken, bei einem Aufwand von 16,2 Millionen Franken.


  • Jahresrechnung 2017 der Primarschulgemeinde: Sie schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 942 400 Franken bei einem Aufwand von 6,7 Millionen.


  • Totalrevision der Gemeindeordnung zuhanden der Urnenabstimmung

  • Erneuerungswahlen für das Wahlbüro (2014 bis 2018)


  • Personal- und Behördenentschädigungsverordnung der Primarschulgemeinde.

STEUERN

Die Hunderternote der Winkler

Lässt eine Person aus Winkel dem Gemeindesteueramt 100 Franken zukommen, bedient sich erst einmal der Kanton und steckt 54 Franken in die eigene Tasche. Ist jemand Mitglied, bekommt die Kirche 5.40 Franken. Bleiben 40.85 Franken für die Politische Gemeinde Winkel Davon muss sie der Primarschule 16.65 Franken abgeben, die Sekundarschule fordert gut 10.20 Franken.

Es bleiben 14 Franken

Am Ende steht die Politische Gemeinde mit 14 Franken da. Sie wendet davon 2.85 Franken für die Soziale Sicherheit (davon 85 Rappen für Sozialhilfe) und die 2. 85 für die Allgemeine Verwaltung (inklusive Liegenschaften) auf. Für die Gesundheit (inklusive Pflegefinanzierung), für Finanzen und Steuern sowie Verkehr und Nachrichtenübermittlung bleiben je rund 2.20 respektive 2 Franken. Vom Zweifränkler für Finanzen und Steuern fliessen 1.20 Franken in den Finanzausgleich.

Bleiben 1.35 Franken für die öffentliche Sicherheit und 70 Rappen für weiteres.

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