Schule

Noch keine Jokertage an Gymnasien

Vor mehr als einem Jahr hat der Kantonsrat beschlossen, dass künftig auch die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien Jokertage haben sollen. Die Umsetzung lässt auf sich warten.

In den Zürcher Gymnasien werden die Jokertage voraussichtlich erst im Schuljahr 2020/21 eingeführt.

In den Zürcher Gymnasien werden die Jokertage voraussichtlich erst im Schuljahr 2020/21 eingeführt. Bild: Keystone

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Bei den Schülerinnen und Schülern der Primar- und Sekundarschulen im Kanton Zürich sind sie gerade in der Ferienzeit hoch im Kurs: die zwei Jokertage pro Jahr, mit denen sie dem Unterricht unkompliziert fernbleiben können. Benutzt werden sie etwa, um einen Tag früher in die Ferien zu fliegen. Die vor über zehn Jahren eingeführte Regelung soll unter anderem den Aufwand für Dispensationsgesuche senken.

Entwurf liegt vor

Im April 2018 hat der Zürcher Kantonsrat beschlossen, das in der Volksschule bewährte System künftig auch in den Gymnasien anzuwenden. Der Regierungsrat hat sich dagegen ausgesprochen. Zur Umsetzung muss unter anderem die Mittelschulverordnung angepasst werden, was in die Kompetenz des Regierungsrates fällt. Für eine Inkraftsetzung bereits auf das Schuljahr 2018/19 war die Zeit zu knapp.

Aber auch im kommenden Schuljahr, das nach den Sommerferien beginnt, werden die Gymischüler im Kanton Zürich noch keine Jokertage bekommen. Die Inkraftsetzung erfolgt voraussichtlich erst im Schuljahr 2020/21, wie die Bildungsdirektion auf Anfrage mitteilt. «Gesetzliche Anpassungen benötigen Zeit», sagt Niklaus Schatzmann, Amtschef des Mittelschul- und Berufsbildungsamts. Im vorliegenden Fall brauche es für eine gelungene Umsetzung die Expertise und Mitarbeit der Schulen. «Es liegt aktuell ein Entwurf der Regelungen vor, der von einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet worden ist.» Dieser gehe nun in den nächsten Tagen in eine Anhörung bei der Zürcher Schulleiterkonferenz.

Details noch offen

Tatsächlich lässt der Kantonsratsbeschluss die Details offen. So ist beispielsweise die Anzahl der Jokertage nicht festgelegt. Auch der Umgang mit Prüfungen oder Schulanlässen, die aufgrund von Jokertagen verpasst werden könnten, muss geregelt werden. Trotzdem scheint ein Zeitbedarf von über zwei Jahren zur Inkraftsetzung einer Regelung, die es auf einer anderen Schulstufe längst gibt, grosszügig bemessen.

Dass es auch schneller gehen kann, zeigt ein Quervergleich mit einer ganz anderen Gesetzesänderung: der kantonalen Umsetzung der Steuerreform und AHV-Finanzierung (Staf). 60 Seiten dick ist die Vorlage dazu, welche die Änderungen am Steuergesetz und weiteren kantonalen Gesetzen enthält. Das Thema ist komplex und wurde von Regierung und Parlament mit hoher Priorität behandelt. Der Umfang der Vorarbeiten dürfte enorm gewesen sein. Am 1. April 2019 hat der Kantonsrat zugestimmt, am 1. September findet die Volksabstimmung statt, und am 1. Januar 2020 sollen die Änderungen in Kraft treten. Das träge politische System der Schweiz kann also auch agil sein, wenn es sein muss.

2015 eingereicht

Die Einführung von Jokertagen an den Gymis geht auf eine Einzelinitiative von Beat Brunner zurück. Brunner ist Geschichtslehrer an der Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach und hat den Vorstoss 2015 gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einer Klasse erarbeitet. «Die Schülerinnen und Schüler haben mittlerweile die Matur gemacht», sagt Brunner auf Anfrage. Dass sie von der Änderung wohl nicht selber profitieren können werden, war von Anfang an klar. «Trotzdem war die lange Dauer auch etwas frustrierend für sie.» Dass nun auch noch die Umsetzung einige Zeit beansprucht, nimmt Brunner gelassen hin. «Es ging vor allem darum, zu zeigen, dass man in unserem politischen System etwas bewirken kann, wenn man aktiv wird.»

Erstellt: 05.07.2019, 17:18 Uhr

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