Verkehrsüberwachung

Nordring live – und auf Band

Auf der Zürcher Nordumfahrung werden nebst Fahrspuren auch Bildspuren erweitert. Zum Milliardenprojekt gehören nicht nur eine zusätzliche Tunnelröhre sowie eine Überdeckung, sondern auch eine lückenlose Bildabdeckung. Das nützt der Kapo und der Staatsanwaltschaft.

Neue Kameras überwachen den Verkehr auf dem Nordring.

Neue Kameras überwachen den Verkehr auf dem Nordring. Bild: Balz Murer

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Seit wenigen Wochen ergiesst sich der ganze Verkehr am Nordring über die bereits erneuerte und verbreiterte Fahrbahnhälfte. Während ennet der alten Mittelleitplanke die andere Autobahnhälfte nun ebenfalls saniert und um eine Spur erweitert wird, stechen am Rand der fertiggebauten Strassenseite neue Kameramasten ins Auge. Denn am Nordring sind zuletzt dutzende brandneuer Überwachungskameras montiert worden.

Der Eindruck von «Big Brother» auf der Autobahn täuscht nicht, wie Stefan Hauser, Sprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra), bestätigt. Handle es sich doch um eine «flächendeckende Verkehrsbeobachtung». Dazu sind zwischen dem Stelzentunnel und dem Gubrist auf rund sechs Kilometern zwei Arten von Kameras platziert worden.

Temposteuerung durch eine «dynamische Signalisation»

Der erste Kameratyp deckt sämtliche Fahrbahnen ab. Dies ermögliche nebst einer lückenlosen Übersicht über die aktuelle Verkehrssituation bei Bedarf auch geeignete Verkehrslenkungs-Massnahmen zu treffen. Denn die Nutzer des Systems sind nicht Bundesbeamte, sondern Kantonspolizisten. Die unzähligen Nordringbilder werden nämlich gemäss Astra unter anderem in die Verkehrsleitzentrale der Kapo nach Zürich übermittelt. Der regionale Standort liegt über dem Lettenportal des Milchbucktunnels, während sich die nationale Verkehrsleitzentrale im luzernischen Emmen befindet.

Von den Verkehrsleitstellen aus wird man künftig beispielsweise eine «dynamische Signalisation» zur Reduktion der Geschwindigkeit oder die Schaltung von Hinweisen auf den über der Fahrbahn montierten Wechseltextanzeigen veranlassen können. Andererseits können auf Basis der neu gewonnenen Bildinformationen vom Nordring bei einem Unfall oder Fahrzeugbrand die Blaulichtorganisationen der Feuerwehr, Polizei und Sanität zielgerichtet zum Ort des Geschehens geleitet werden, erklärt der Sprecher des Astra.

Die Pannenstreifen sind speziell im Fokus

Der zweite Typ der neu installierten Kameras decke hingegen ausschliesslich die Pannenstreifen ab. Dieses Bildsystem diene der gezielten Erfassung von Objekten, etwa Fahrzeugen oder verlorener Ladungen in diesem speziellen Bereich. Dass man hier besonders genau hinschaut, kommt nicht von Ungefähr. Das sei notwendig, heisst es vom Astra, weil im Rahmen des Ausbauprojekts auf dem Nordring eine sogenannte Pannenstreifenbewirtschaftung vorgesehen ist.

Das bedeutet, dass der bislang nicht für den normalen Verkehrsfluss genutzte Fahrstreifen am Rand der Autobahn ebenfalls bei Bedarf freigeschaltet werden kann. Die Pannenstreifen entlang der A1 zwischen Glattbrugg und dem Gubristtunnel würden von der Verkehrsleitzentrale aus freigegeben. Die Automobilisten erkennen den Status einer Fahrspur durch die entsprechende Signalisation, die man beim Astra auch «Chrüzlistich» nennt.

Sie zeigt, wie auch andernorts schon längst in Betrieb, an einem Balken über der Fahrbahn entweder ein rotes Kreuz oder einen grünen Pfeil an. Im «Ereignisfall» könne ein Pannenstreifen somit gezielt für Fahrzeuge freigegeben werden. Eine solche Freigabe zur temporären Befahrbarkeit dürfe aber natürlich nur dann erfolgen, wenn sichergestellt werden könne, dass der Pannenstreifen auch tatsächlich frei ist. «Hierfür liefert der besagte zweite Kamera-Typ die notwendigen visuellen Informationen», sagt Astra-Sprecher Hauser.

Totale Überwachung oder sinnvolle Aufklärung?

Momentan zwängen sich die weit über 100 000 Fahrzeuge täglich auf je zwei Spuren durch die Grossbaustelle in Richtung Flughafen und in Richtung Bern. Müssen nun alle damit rechnen, dass ihre Fahrt auf dem Nordring aufgezeichnet wird? Ja und nein, heisst es seitens Bund. Die Kennzeichen würden vom Überwachungssystem nämlich nicht automatisch erfasst. Aber die flächendeckend vorhandenen Bilder des Verkehrsstroms würden allenfalls zur Unfallaufklärung beigezogen, räumt der Astra-Sprecher ein. Grundsätzlich sieht zwar nur die Kapo die Bilder.

Aber die Aufnahmen können dereinst auch von der Staatsanwaltschaft beigezogen werden, bestätigt das Astra. «Dabei werden die einschlägigen Datenschutzvorgaben für Videoüberwachung im öffentlichen Raum punkto Zugänglichkeit und Speicherung vollumfänglich eingehalten», sagt Astra-Sprecher Hauser. Werden die Autofahrer dereinstflächendeckend mit solchen Videoanlagen überwacht werden? «Eine pauschale Antwort in Bezug auf das gesamte Nationalstrassennetz ist nicht möglich», meint Hauser.

Die Anzahl und Art der in einem Autobahnabschnitt montierten Kameras hänge von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise von der Höhe der Verkehrsbelastung, vom vorgesehenen Ausrüstungsgrad der Strecke oder auch von einer allfälligen Pannenstreifenumnutzung und -bewirtschaftung ab.

Auf der Flughafenautobahn hats auch neue Kameras

Grundsätzlich gilt gemäss Astra bei Verkehrskameras: Diese Linsen können der Kantonspolizei gleichsam «ein permanentes Auge» draussen vor Ort sein und liefern damit wichtige Informationen im Sinne der Verkehrsbeobachtung und -lenkung.

Die Entwicklung hin zu mehr Verkehrsüberwachungskameras ist auch andernorts in der Region bereits feststellbar. Auf der Flughafenautobahn A51 – die als Ausnahme im hiesigen Autobahnnetz nicht dem Bund, sondern dem Kanton untersteht – prangen seit dem vergangenen Sommer auch Kameras. Wie Baudirektionssprecher Thomas Maag bestätigt, sind im Zuge der Sanierung dieser kantonalen Autobahn zwischen dem Flughafen und Bülach bei den Ausfahrten Kloten-Nord, Bülach-Süd, Bülach-West und Bülach-Nord je zwei Überwachungskameras installiert worden.

Die Bilder werden ebenfalls an die Verkehrsleitzentrale der Kapo übermittelt. Im Boden sind nun zudem «automatische Stauwarner» verlegt worden. Dank der Kamerabilder könnten die Kapo-Beamten in der Verkehrsleitzentrale überprüfen, ob die Sensoren auch wirklich richtig funktionieren, erklärt Maag. Und so sehe man auch gleich, ob der Verkehr entsprechend rollt oder eben nicht. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.11.2018, 17:52 Uhr

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