Kloten

Notrufzentrale greift auf Freiwillige zurück

In der Einsatzzentrale von Schutz und Rettung Zürich arbeiten neu nicht nur Profis, sondern in seltenen Fällen auch Angehörige von Milizfeuerwehren aus dem Unterland.

In der Einsatzleitzentrale am Flughafen Zürich laufen alle Notrufe auf die Nummern 144 und 118 im Kanton Zürich zusammen.

In der Einsatzleitzentrale am Flughafen Zürich laufen alle Notrufe auf die Nummern 144 und 118 im Kanton Zürich zusammen. Bild: Paco Carrascosa

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Wenn irgendwo im Kanton Zürich die Nummer 144 gewählt wird, wird der Anruf an den Flughafen Zürich durchgestellt. Die Einsatzleitzentrale (ELZ) von Schutz und Rettung Zürich befindet sich im Operation Center gegenüber dem Parkhaus 6, in einem grossen Raum voller Monitore, der ursprünglich von der Flugsicherungsgesellschaft Skyguide genutzt wurde.

Dort laufen alle Notrufe für die Sanität und die Feuerwehr zusammen. «Sie werden von sogenannten Calltakern entgegengenommen», erklärte Stefan Zweidler von Schutz und Rettung Zürich gestern während einer Medienführung in der Zentrale. Die Calltaker nehmen die Informationen aus dem Notruf auf und übergeben anschliessend die Entsendung der Einsatzkräfte an die Disposition. Bis zu 1900 Anrufe in einer Stunde muss die Zentrale abwickeln können.

Vorteil Einsatzbereitschaft

Die Mitarbeitenden in der ELZ sind ausgebildete Profis. 9 bis 12 Stunden dauert eine Schicht, tagsüber sind mindestens 12 Mitarbeitende vor Ort, nachts mindestens 5. Seit ein paar Monaten gibt es aber eine Neuerung in der ELZ, die es so in der Schweiz sonst nirgends gibt: Zu den Profis gesellen sich in Ausnahmefällen auch Angehörige der Milizfeuerwehren Kloten, Altbach, Bassersdorf und Embrachertal. Sie werden dann aufgeboten, wenn die Anzahl an Anrufen auf die Nummer 118 massiv in die Höhe zu schnellen droht. Etwa wenn ein aussergewöhnlich starkes Unwetter den ganzen Kanton heimsucht, so wie es etwa Sturm «Uwe» im Februar dieses Jahres getan hatte.

Die Kooperation geht eigentlich auf den Bau des Dienstleistungszentrums «The Circle» zurück, führte Patrick Steiner, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Kloten aus. «Der Circle steht auf Klotener Boden. Das warf die Fragen auf, ob Schutz und Rettung Zürich mit der Berufsfeuerwehr am Flughafen Zürich oder die Stützpunktfeuerwehr Kloten für die Gebäude zuständig wären.» Die Gespräche zwischen den Feuerwehren seien sehr offen und konstruktiv gewesen – so sehr, dass die beiden Brandbekämpfungsorganisationen auch in anderen Bereichen zusammenarbeiten wollten. Im Sommer vergangenen Jahres wurde dann das Projekt «ELZ-Support» initialisiert.

Die Idee: Ausgesuchte Angehörige der Milizifeuerwehren sollten dazu ausgebildet werden, in einem Ernstfall Notrufe auf die Nummer 118 entgegennehmen zu können. Und zwar dann, wenn die ELZ nur spärlich bestückt ist, also in der Nacht und an Wochenenden. Die Idee ist nicht, dass die Milizionäre die Hauptlast der Anrufe entgegennehmen, sondern aushelfen können, wenn sehr viele Einsätze erwartet werden. «Die Vorteile sind ganz klar die Einsatzbereitschaft. Die Angehörigen unserer Feuerwehren leben in den Gemeinden rund um den Flughafen. Beim ersten Einsatz waren vier Personen in weniger als 8 Minuten nach dem Auslösen des Aufgebots im Operation Center eingetroffen», erklärte Steiner. Die Mitarbeitenden von Schutz und Rettung Zürich wohnen hingegen auch beispielsweise in der Ostschweiz. Dann kann es rund eine Stunde dauern, bis sie im Notfall in der Einsatzzentrale eintreffen.

«Eine einmalige Chance»

18 Angehörige aus der Milizfeuerwehr wurden für die Unterstützungseinsätze in der ELZ geschult. Eine von ihnen ist Alexandra Müller aus Rorbas. Die 36-Jährige hat seit ihrer Ausbildung bereits zweimal ausgeholfen.

Alexandra Müller von der Feuerwehr Embrachertal ist eine von 18 Miliz-Feuerwehrangehörigen, die in der Einsatzzentrale von Schutz und Rettung Zürich Anrufe auf die Nummer 118 entgenehmen können und dürfen.

«Für mich war am Anfang natürlich alles sehr neu. Aber es ist eine einmalige Chance, die es so sonst nirgends gibt», sagte sie zu ihrer Motivation. Patrick Steiner von der Stützpunktfeuerwehr hofft, dass das Projekt eine «Strahlwirkung» besitzt und ähnliche Kooperationen animiert. Einen ersten Erfolg gab es bereits: Die Swiss Re prämierte das Projekt mit dem auf 10000 Franken dotierten Milizpreis.

Patrick Steiner, Kommandant der Stützpunktfeuer Kloten (links), Alexandra Müller von der Feuerwehr Embrachertal und Stefan Zweidler von Schutz und Rettung Zürich sind stolz auf den mit 10000 Franken dotierten Milizpreis der Swiss Re.

Erstellt: 10.09.2019, 17:09 Uhr

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