Mantrailer

Nur Übung macht den Schnüffelmeister

Maintrailer sind friedliche Personenspürhunde. Vier von ihnen trainierten letzte Woche mit ihren Hundeführern von der Kantons- und Stadtpolizei Zürich im Klotener Hardwald. Sie propten für den Ernstfall – der dann auch prompt eintraf.

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Qira schnüffelt aufgeregt den Waldboden ab. Plötzlich legt sie zügig los. Sie hat die Spur des Vermissten aufgenommen. Ort des Geschehens ist die Klotener Waldhütte Schluefweg, wo sich an diesem frühen Morgen zwei Kantonspolizisten und zwei Stadtpolizisten mit ihren friedliche Personenspürhunden, sogenannte Mantrailer, zum Training eingefunden haben.

«Die Korps trainieren nicht nur miteinander, sondern sie helfen sich auch im Ernstfall gegenseitig aus», erklärt Jean Vollenweider, Leiter des Diensthundezentrums der Kantonspolizei Zürich. Er wird sich gleich von Qira ungesehen im Wald im Unterholz verstecken, rund rund 600 Meter von der Hütte entfernt.

Riesenleistung der Vierbeiner

Qiras Hundeführer, Daniel Gärtner, wartet derweil mit seiner Hannoverschen Schweisshündin bevor er sie eine Abgangsrunde laufen lässt. Das heisst, Qira schnüffelt im Radius von rund vier Metern beim vermuteten Abgangsort des Vermissten den Boden ab. «Wir setzen dem Hund so einen Schlüsselreiz», erklärt Gärtner. «So weiss der Hund, was auf ihn zukommt.» Dann stülpt er ihr einen Plastiksack mit einem persönlichen Gegenstand des Vermissten – in diesem Fall ein Taschentuch – über die Nase und lässt sie einige Sekunden darin riechen. Mit dem Befehl «Such» startet die Hündin.

Qira besteht ihre Aufgabe mit Bravour. Beeindruckend, denn der Waldboden wimmelt nur so von Fremdgerüchen: Jogger, Spaziergänger mit ihren Hunden und Forstmaschinen. Diese Gerüche heisst es für Qira von der gelaufenen Spur, der sogenannten Bodenverletzung, zu unterscheiden. Als sie in die Nähe von Jean Vollenweider kommt, erschnüffelt sie in der Luft dessen Individualgeruch und findet diesen ohne Probleme. Die Freude ist gross und die Streichwurst als Belohnung lecker.

Die Nasenarbeit der Hunde wird regelmässig gebraucht

Die Mantrailer der Kantonspolizei Zürich werden drei bis viermal pro Woche zu einem Ernstfall gerufen. Dabei handelt es sich beispielsweise um weggelaufene Kinder, oder um demente oder suizidale Personen. Für solche Ernstfälle kann die Kapo auf vier Mantrailer zurückgreifen und zwei stehen kurz vor der Einsatzfähigkeitsprüfung.

Auch nach der zweijährigen Ausbildung wird viel geübt. «Wir trainieren zwei Tage pro Woche während der Dienstzeit und dann noch viel privat zuhause», erklärt Vollenweider. Auch sein Schäferhundrüde Voli darf heute eine Fährte aufnehmen. Jetzt ist Daniel Gärtner dran – er läuft durchs Wohnquartier. Die Spurensuche bei diesen heissen Temperaturen und auf dem Asphalt ist für den Hund sehr anspruchsvoll. Die Geruchsmoleküle verflüchtigen sich schneller und die Hundenase wird vom heissen Asphalt arg beansprucht. Für Voli ist das kein Problem, er legt los wie eine Rakete – Laufschritt ist angesagt.

Wichtig sei, sagt Vollenweider, dass den Hunden ihr eigenes Lauftempo gelassen wird. «Nur bei Richtungsänderungen lassen wir die Schleppleine locker und geben dem Hund Zeit, sich zu orientieren.» Dabei sei das «Lesen» des Hundes sehr anspruchsvoll. Was will er einem mitteilen? Deshalb ist Vollenweider froh, möglichst wenig Informationen zum Verhalten eines Vermissten zu erhalten, damit er den Hund nicht unbewusst beeinflusst.

Vom Trainingzum Ernstfalleinsatz

Und dann kommt ein Telefonanruf. Qira wird gebraucht. Sie muss einen älteren Mann suchen. Er ist seit dem Vorabend abgängig. Die Hundin kann den Geruch der gesuchten Person noch Tage danach wahrnehmen. Daniel Gärtner wird an den Wohnort des Vermissten fahren und einen persönlichen Gegenstand von diesem sichern. «Diesen Gegenstand darf niemand sonst berührt haben. Am liebsten sind uns Kissenanzüge oder Schuheinlagen», erklärt Gärtner.

Nicht immer findet ein Mantrailer die vermisste Person direkt. «Oft liefert er uns aber Hinweise und führt uns an Bahnhöfe oder Bushaltestellen», erläutert Jean Vollenweider. «Durch weitere polizeiliche Ermittlungen, zum Beispiel durch Videoaufzeichnungen, können wir dann feststellen, wo die vermisste Person ein- und ausgestiegen ist.» Dies helfe bei der nachträglichen Suche und führe meist zum Erfolg. Der Erfolg beim Training aber, der ist den Hunden gewiss.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.08.2018, 16:31 Uhr

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