Obergericht

Obergericht spricht Fluglotsen nach Beinahe-Crash schuldig

Ein Fluglotse von Skyguide wurde am Mittwoch vom Obergericht wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs verurteilt. Vor zwei Jahren noch hatte das Bezirks­gericht Bülach den 36-jährigen freigesprochen. Darauf hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Das Zürcher Obergericht hat das Urteil des Bezirksgerichts Bülach umgeworfen.

Das Zürcher Obergericht hat das Urteil des Bezirksgerichts Bülach umgeworfen. Bild: Flavio Zwahlen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Beschuldigte stand wie versteinert im Gerichtssaal, als der Richter am Mittwoch Nachmittag das Urteil eröffnete: «Wir sprechen Sie schuldig der fahrlässigen Störung des öffentlichen Verkehrs. Bestraft werden Sie mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 210 Franken.» Danach setzte sich der 36-Jährige hin, nahm die Brille ab und rieb seine Augen während mehreren Sekunden. Er weiss, dass dieses Urteil Konsequenzen auf seine berufliche Zukunft haben könnte. Nach dem Vorfall im Jahr 2011, der zur Anklage geführt hat, war der Fluglotse für die Arbeit bei Skyguide gesperrt. Vor einem Monat trat er die Ausbildung aber erneut an – in einer abgespeckten Version. Ob er diese trotz Schuldspruch beenden kann, steht noch nicht fest.Wie immer, wenn sich ein Fluglotse vor Gericht verantworten muss, waren auch am Mittwoch dutzende Arbeitskollegen des Beschuldigten im Gerichtssaal anwesend. Die Begründung des Schuldspruchs sorgte bei ihnen für Unverständnis. Der Richter musste die Gäste zwischenzeitlich gar zur Ruhe bitten.

Sorgfaltspflicht verletzt

Der Richter begründete das Urteil: «Das Risiko einer Kollision der beiden Flugzeuge war gross.» Nur durch Zufall und besonnenem Handeln von Drittpersonen sei Schlimmeres verhindert worden. «Für die Passagiere hat eine konkrete Gefahr bestanden. Zudem hat der Beschuldigte seine Sorgfaltspflicht verletzt.» Er habe als Flugverkehrsleiter dafür zu sorgen, dass einem startenden Flugzeug keine andere Maschine in die Quere komme, sagte der Richter weiter. Der Skyguide-Mitarbeiter hatte im März 2011 zwei Swiss-Maschinen mit insgesamt über 260 Menschen an Bord kurz nacheinander die Start-Erlaubnis erteilt – allerdings auf sich kreuzenden Pisten.

Damit folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hat gegen das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, welches vor zwei Jahren gefällt wurde, Berufung eingelegt. Damals wurde der Lotse freigesprochen. Mit der Begründung: Der Mann kann nicht für etwas verurteilt werden, das gar nicht passiert ist. Nun hat die Verteidigung ebenfalls die Möglichkeit, Berufung einzulegen. Bis das Urteil rechtskräftig ist, kann es noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Langwieriges Verfahren

Im Verfahren gegen den Fluglotsen von Skyguide kam es immer wieder zu Verzögerungen. Seit dem Vorfall sind bereits über sieben Jahre vergangen. «Dieser Umstand, sowie das hohe Arbeitspensum des Beschuldigten an jenem Tag, wirken sich strafmindernd aus», erklärte der Richter. Fahrlässige Störung des öffentlichen Verkehrs kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Der 36-Jährige kommt mit einer bedingten Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren davon. Das heisst: Begeht er in den nächsten 24 Monaten keine weiteren Straftaten, muss er nichts bezahlen und der Eintrag im Strafregister wird wieder gelöscht.

Erstellt: 12.12.2018, 17:59 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.