Oberglatt

Oberglatt spricht sich gegen Container-Kindergarten aus

Die Gemeindeversammlung wies den vom Gemeinderat vorgeschlagenen Doppelkindergarten zurück. Die Behörden müssen nun ein neues Projekt ausarbeiten – und kurzfristig Schulraum mieten.

Der Kindergarten im Dickloo muss ersetzt werden - die  «Palazzo»-Container kommen dafür nicht infrage, fand die Gemeindeversammlung.

Der Kindergarten im Dickloo muss ersetzt werden - die «Palazzo»-Container kommen dafür nicht infrage, fand die Gemeindeversammlung. Bild: Paco Carrascosa

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Zu kalt, zu hohe Fenster, nicht zweckmässig – schade für die Kinder. Das Urteil einiger an der Gemeindeversammlung Anwesender zum geplanten Doppelkindergarten war deutlich. Dabei war der Gemeinderat davon überzeugt gewesen, mit dem «Palazzo»-Container die ideale, weil kostengünstige und schnell umsetzbare Lösung gefunden zu haben: Für 763000 Franken wollte der Oberglatter Gemeinderat den bereits bestehenden Container zum Doppelkindergarten umfunktionieren. Ein Neubau hätte gemäss Kostenschätzung über 1,5 Millionen Franken gekostet; die Gemeinde steht jedoch unter Spardruck. Ausserdem muss der «Palazzo»-Container aufgrund der befristeten Baubewilligung spätestens 2020 vom Primarschulareal verschwinden.

An der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend wollten eine Mehrheit der anwesenden Stimmberechtigten (3 Prozent) davon nichts wissen: Der Container, der einst von der Primarschule für das Fach Handarbeit angeschafft wurde und jetzt nicht mehr gebraucht wird, sei «völlig ungeeignet» für einen Kindergarten.

Der Gemeinderat muss jetzt nochmal über die Bücher. Den demokratischen Entscheid respektiere der Gemeinderat selbstredend, hält Gemeindepräsident Roger Rauper fest. «Frustrierend ist es trotzdem, weil die Behörden mehrere Jahre am Projekt gearbeitet hat. Und Schulraum brauchen wir nach wie vor», sagt er. «Unsere Alternativen sind nun, entweder kurzfristig Schulraum zu mieten oder eigene Liegenschaften umzufunktionieren, damit sie pädagogischen Ansprüchen genügen.» Die Miete eines Kindergartens würde um die 50000 Franken pro Jahr kosten – sie wäre aber keine langfristige Lösung. 2020 braucht Oberglatt einen Kindergarten, 2021 einen weiteren.

«Völlig ungeeignet»

Es brodelte jedoch schon vor der Gemeindeversammlung: Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) empfahl den Stimmberechtigten, die Variante zurückzuweisen. «Wir bekamen das Geschäft sehr spät zu Gesicht – und die an der Gemeindeversammlung gezeigten Pläne erst an der GV selbst», sagte RPK-Präsident Jürg Dambach. Nachdem die Weisung verschickt worden war, hatten sich Gemeinde und RPK jedoch nochmals getroffen und die Wogen geglättet.

Der Stimmbevölkerung reichte dies nicht. «Der Container ist für einen Kindergarten völlig ungeeignet», hielt ein Votant fest. Die Beleuchtung durch Neonröhren, die fehlende Fussbodenheizung für die am Boden spielenden Kinder, die zu hohen Fenster, aus denen Kinder nicht rausschauen können: All das spreche gegen die Pläne des Gemeinderats.

Ein weiterer Anwesender schilderte, dass das Dickloo (ein Holzbau, der einst als Kindergarten genutzt wurde und dem «Palazzo» Platz machen sollte) als Freizeitgebäude errichtet worden war, nicht als Kindergarten. Er schlug vor, das Gebäude in seinen ursprünglichen Zweck zurückzuführen; für den Kindergarten müsse eine andere Lösung her. «Ich will nicht, dass ein Grosskind von mir dort in den Kindergarten muss – nur weil es billiger ist und eilt. Es geht um unsere Kinder», meldete sich eine Anwesende.

«Die Aussage, der Gemeinderat sei nicht transparent, weise ich zurück. Wir waren inZeitnot.»Roger Rauper
Gemeindepräsident von Oberglatt

Besonders frustriert zeigten sich einige über die Kommunikation zwischen Gemeinderat und RPK. «Wieso gebt ihr diese Pläne nicht an die RPK weiter, wo sie doch eine Empfehlung dazu abgeben muss? Hat das System?», fragte ein unzufriedener Votant. Gemeindepräsident Roger Rauper nahm dazu Stellung: «Die Aussage, der Gemeinderat sei nicht transparent, weise ich entschieden zurück. Wir waren in diesem Geschäft in Zeitnot, und mir war vollkommen klar, dass die RPK für ein solches Geschäft mehr Zeit gebraucht hätte.» Zum Vorwurf, die RPK habe die Baupläne erst an der Gemeindeversammlung selbst zu sehen bekommen, könne er sich hingegen nicht äussern.

In den Augen der Gemeinderätin Nalan Seifeddini, Ressortvorsteherin Bildung, bot die Versammlung eine «spannende Diskussion». «Die Anwesenden haben uns einen klaren Auftrag gegeben. Unsere erste Priorität ist nun, auf August einen Kindergarten zu organisieren – und mittelfristig ein neues Projekt zu präsentieren.» In diesem Aspekt stehe der Gemeinderat aber erst am Anfang. Er wird die Thematik in der Gemeinderatssitzung kommenden Dienstag wieder aufgreifen.

Budget genehmigt

Demgegenüber friedlich gingen die anderen Traktanden über die Bühne. Budget und Steuerfuss wurden diskussionslos und mit offensichtlichem Mehr gutgeheissen. Oberglatt wird im Jahr 2020 mit einem Aufwand von 46,6 Millionen und einem Ertrag von knapp 47 Millionen Franken rechnen, was einen Ertragsüberschuss von rund 360000 Franken ergibt. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 74 Prozent, der Steuerfuss – wie schon im Vorjahr – bei 102 Prozent.

Auch dem Vorschlag, wie die ZKB-Jubiläumsdividende verwendet werden soll, wurde mit deutlichem Mehr zugestimmt. Oberglatt bildet zu deren Verwendung drei neue Sonderrechnungen: Die Rechnung «Schule und Sport» wird mit 40000 Franken die Durchführung der Skilager unterstützen. «Bedürftige Kinder und Jugendliche», ebenfalls mit 40000 Franken vermehrt, unterstützt Kinder und Jugendliche in schwachen wirtschaftlichen Verhältnissen – aber erst, wenn der bestehende Waisen- und Studienfonds aufgelöst wurde. Zuletzt wird die Sonderrechnung «Begegnungszonen» mit schätzungsweise 135000 Franken geäufnet; total rechnet der Gemeinderat mit 215000 Franken aus der Jubiläumsdividende. Die Sonderrechnung könnte zum Einsatz kommen, wenn die Gemeinde etwa eine Skatebahn, öffentlich zugängliche Fitnessgeräte oder eine Feuerstelle einrichten will – Dinge also, die im üblichen Gemeindebudget keinen Platz haben.

Erstellt: 05.12.2019, 17:46 Uhr

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