Rümlang

Obstbaumbesitzer frischen ihr Wissen auf

30 Wissbegierige, 3 Obstbäume und 2 Kapazitäten: Im Garten von Silvia Aharon durfte man sich kürzlich in die Kunst des Pfropfens einweihen lassen.

Othmar Kern (auf der Leiter) vom Gartenobstbaum-Verein Bülach demonstriert das Pfropfen eines Obstbaums.

Othmar Kern (auf der Leiter) vom Gartenobstbaum-Verein Bülach demonstriert das Pfropfen eines Obstbaums. Bild: Johanna Bossart

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Pfropfen: Nur wenige beherrschen heute noch diese uralte Kunst des Überlistens der Natur mit dem Zweck, an einem Obstbaum mehrere verschiedene Sorten zu ernten. Dabei ist die Idee genial. Durch das Pfropfen oder Veredeln reift zum Beispiel an einem Boskop-Baum auch die feinsäuerliche Rubinette oder der saftige Jonagold. Weil das gerade in kleinen Hausgärten praktisch sein kann und weil man die Fähigkeit nicht aussterben lassen will, bringt der Gartenobstbaum-Verein Bülach und Umgebung (GOBVB) das Pfropfen jedes Jahr im Frühling unter die Leute.

Dieses Jahr fand das Spektakel im Rümlanger Naturgarten von Silvia Aharon statt und war eine Koproduktion von GOBVB und Bio Terra, der führenden Organisation für den Bio- und Naturgarten in der Schweiz. Silvia Aharon, Vorstandsmitglied von Bio Terra, lernte den Präsidenten des Gartenobstbau-Vereins, Rolf Dietiker, anlässlich einer Pflanzentauschbörse im Herbst kennen. «Da schmiedeten wir den Plan für dieses ‹Pfropfen›. Gerne stelle ich meine Obstbäume für diesen Anlass zur Verfügung», erzählte Silvia Aharon während Haushund Jimmy den Aufmarsch der Wissbegierigen sichtlich genoss.

Sauber und chirurgisch genau

Rolf Dietiker, seit 1995 Präsident des Gartenobstbau-Vereins, nahm einen Boskop-Baum unters Messer. «Das Pfropfen hat auch ein wenig mit Chirurgie zu tun», erklärte er. Sauber, mit einem Messer so scharf wie eine Rasierklinge, muss geschnitten werden, und die Wunde muss akkurat versorgt sein, damit der Baum wie der Zögling überleben.

Das Pfropfen läuft ungefähr so ab: Einem alten Baum wird ein Ast abgesägt. Zwischen Holz und Rinde der Schnittfläche, grösser als ein Fünffrankenstück, aber kleiner als ein Handteller, steckt der Fachmann maximal drei einjährige Triebe der Wunschsorte. Er fixiert das Gefüge, das dann so ungefähr aussieht wie der Greifarm eines Piraten, mit Bast und verschliesst die Wunde mit Baumwachs. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn im Laufe dieser Prozedur, die nicht länger dauert als eine Viertelstunde, musste unglaublich viel beachtet werden. Gepfropft wird bei trockenem Wetter von April bis Mai. Die einjährigen Triebe müssen aber bereits während der Vegetationsruhe beim Winterschnitt gewonnen werden. Den Winter verbringen die Zweiglein dann kalt, dunkel und feucht. «Das ist das A und O», sagte Rolf Dietiker, schaute sich ernst um in der Runde der Gäste und erklomm dann die zehn Sprossen der Leiter. Hier oben in der Baumkrone vollführte der schwindelfreie Bülacher unter genauester Beobachtung der Gäste, die Paarung zwischen Baum und Zweiglein.

In einer anderen Ecke des Gartens pfopfte derweil Obstbauer und Alt- Kantonsrat Othmar Kern vom Bülacher Weiler Nussbaumen einen Kirschbaum. Nach gut einer Stunde machten sich die Gäste, inspiriert vom Erlebten und mit richtig gelagerten Zweiglein fürs Pfropfen, auf den Heimweg. Doch eine Illusion mussten sie begraben: Niemals erntet man Kirschen vom Apfelbaum oder Birnen vom Kirschbaum. Das Pfropfen funktioniert nur zwischen artverwandten Bäumen.

Erstellt: 27.04.2019, 12:39 Uhr

Obstbäume gesucht

Den Gartenobstbau-Verein Bülach und Umgebung (GOBVB) gibt es bereits seit 80 Jahren. Seine 80 Mitglieder zahlen 10 Franken pro Jahr. Angeboten werden diverse Kurse rund um den Gartenobstbau. Der Verein sucht immer wieder Obstbäume, an denen er Winter- und Sommerschnitt sowie das Pfropfen demonstrieren kann. Interessenten dürfen sich bei Rolf Dietiker unter der Telefonnummer 044 860 70 29 melden. www.gobvb.ch. (beb)

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