Otelfingen

Otelfingen kündet Widerstand gegen geplante Aargauer Deponie an

Auf Würenloser Boden an der Gemeindegrenze plant der Aargau eine Aushubdeponie. An einer Information haben sich die Aargauer Behörden und der künftige Deponie­betreiber den Fragen der Otelfinger Bevölkerung gestellt. Für die Gemeinde ist klar: Sie will sich gegen das Vorhaben wehren.

Geplante Aushubdeponie Im Steindler.

Geplante Aushubdeponie Im Steindler. Bild: Quelle: GIS, Grafik: mb

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Wo gebaut wird, fällt Aushub an: sauberes Erdmaterial, das die Bag­ger aus den Baustellen schaufeln. Gelagert wird der Aushub zumeist in alten Kiesgruben. In der Region Baden sind bald alle Kiesgruben aufgefüllt. Nun suchen die Aargauer Behörden drin­gend Standorte für Deponien auf der grünen Wiese. In Würenlos bietet sich eine Senke im Land­wirtschaftsland als idealer Deponiestandort an.

Auf einer Fläche von rund 17 Hektaren will der Aargau Aushubmaterial ab­lagern und während einer Betriebszeit von zehn Jahren zu ei­nem sanften Hügel aufschichten. Ideal ist der Standort für die Region Baden: Die Zufahrt ist optimal, die Häuser von Würenlos weit weg und Einschränkungen etwa bezüglich Landschafts- und Naturschutz bestehen keine.

Staub und Lärm befürchtet

Nicht ganz so ideal erweist sich der Standort Im Steindler hingegen für die Otelfinger: Die Deponie­ ist unmittelbar an der Ge­meindegrenze geplant, die nächs­ten Wohnhäuser kaum 300 Meter entfernt.

Fachleute aus dem Aargau haben am Montagabend das Projekt den Zürcher Nachbarn an einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt. Roland Kuster, Präsident von Baden Regio, dem Planungsverband der 26 Gemeinden rund um Baden, moderierte den Abend. Wie die Reaktionen bei Bekanntwerden der Aar­gauer Pläne erwarten liessen (Artikel rechts), blies den Aar­gauern im Otelfinger Kirchgemeindesaal ein kalter Wind entgegen: Der Gemeinderat will sich gegen die geplante Deponie mit allen Mitteln wehren, wie der Hochbau- und Planungsvorstand Reto Dürler ankündigte. «Wir gehen wenn nötig bis vor Bundes­gericht», polterte auch Willy Laubacher, der ehemalige Gemeindepräsident, der als Hausbesitzer in Sichtweite des Deponiestandorts von den möglichen Immissionen direkt betroffen wäre.

Dass eine Aushubdeponie mit Lärm und Staub verbunden ist, will der künftige Betreiber auch gar nicht leugnen. Urs Meier, Präsident der Grubenbetreiberin De­reba AG in Wettingen, erklärte den knapp 60 Anwesenden, war­um der Kanton Aargau hände­ringend nach Deponiestandorten auf der grünen Wiese sucht: Die Menge an Aushubmaterial übersteigt die Kapazität der Kies­gruben und zwingt die Behörden zu neuen Lösungen. «Die Kies­löcher füllen sich schneller, als wir wollen.»

Der Kiesgrubenbetreiber nennt zwei Ursachen für das Ungleichgewicht: Es wird immer weniger Kies abgebaut, weil rezykliertes Material die mineralischen Baustoffe wie Kies und Sand ersetzen. Zudem fällt durch das verdichtete Bauen mehr Aushubmaterial an. Das Entsorgungsproblem beschäftige auch den Kanton Zürich, sagte Meier und erinnerte die Furttaler: «Denkt daran, der Aushub aus dem Furttal ist bis jetzt in den Kanton Aargau gefahren worden.»

Meier versprach aber, er werde als Betreiber der Deponie Im Steindler einen Betrieb aufziehen, «der so angenehm für die Bevölkerung gestaltet ist, wie es nur geht.» In seiner Firma seien ­lo­kale Leute tätig, die ein Interesse dar­an hätten, mit der lokalen Bevölkerung gut auszukommen. Die Aushubdeponie ist denn auch als wandernde Baustelle geplant, das heisst der grösste Teil der Fläche wird auch während der Laufzeit landwirtschaftlich genutzt. Die Auf­schüttung soll von Ost nach West erfolgen, sodass ein Erdwall an der Grenze zu Otelfingen die Siedlung schützt. «Wir sind erst beim Richtplaneintrag, es gibt noch kein Bauprojekt», stellte Roland Kuster von Baden Regio klar. Bis ein Baugesuch bewilligt werden könnte, dauert es nochmals drei Jahre.

Gemeinderat will handeln

Die ideale Lage der Aushub­deponie aus Sicht der Aargauer leuchtet ein. Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, wie Otelfingen vom Deponiestandort profitieren kann. «Wir sind die Einzigen, die die Belastungen tragen», bringt einer seinen Unmut auf den Punkt. Thomas Gross, ehemaliger Gemeinderat, ärgerte sich dar­über, dass die Gemeinde Otelfingen erst im April einbezogen worden ist. «Wir finden es nicht anständig, dass wir als Gemeinde erst so spät informiert worden sind.» Welche Hand­habe die Otelfinger gegen die Aargauer Deponiepläne haben, ist der Furttaler Behörde noch unklar, wie die Otelfinger Gemeindepräsidentin Barbara Schaffner auf Anfrage­ sagt. Sicher aber sei, dass sich der Gemeinderat gegen die Aushubdeponie Im Steindler wehren wird.

Erstellt: 20.11.2018, 22:24 Uhr

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