Kloten

Millionen-Deal um Wäldchen droht zu platzen

Neue Verzögerungen lassen Kloten um ein sehr lukratives Geschäft bangen. Kann bei der Werft nicht bald ein Parkhaus gebaut werden, gibts keine Millionen für ein sonst wertloses Waldstück.

An der Balsberg-Haltestelle (li.) plant der Flughafen das Parkhaus P10. Hier befindet sich heute das Oberhau-Wäldchen.Visualisierung: Flughafen Zürich

An der Balsberg-Haltestelle (li.) plant der Flughafen das Parkhaus P10. Hier befindet sich heute das Oberhau-Wäldchen.Visualisierung: Flughafen Zürich

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Der immer länger werdende juristische Weg zu einem neuen Parkhaus für Passagiere und Mitarbeiter des Flughafens lässt die Verantwortlichen der Stadt Kloten zittern. Kann der neue 10-stöckige Komplex mit der Bezeichnung P10 nämlich nicht gebaut werden, geht der Flughafenstadt ein Vermögen durch die Lappen. Ganze 12,3 Millionen Franken ist das kleine Wäldchen im Gebiet Oberhau zwischen Autobahn, Glattalbahn und den Hangars nämlich wert – aber nur, wenn dort bis Ende 2020 alle Formalitäten geregelt sind.

Das heisst, bis in 13 Monaten muss ein bewilligtes Baugesuch für das Parkhausprojekt mit rund 3000 zusätzlichen Abstellplätzen vorliegen. Sonst ist der Vertrag hinfällig. So ist es in einem Vertrag zwischen der Stadt und dem Flughafen festgehalten. Das Klotener Parlament hatte den Oberhau-Deal der Stadtregierung bereits vor sechs Jahren ohne Gegenstimme gutgeheissen.

Eigentlich sollte das P10 längst stehen. Doch Einsprachen und aktuell ein Urteil des Bundesgerichts lassen die Zeit knapp werden. Neuste Wendung: Der Flughafen muss bei der obligatorischen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) auch bestehende Parkplätze von privaten Anbietern einbeziehen, welche die Autos ihrer Kundschaft ausserhalb der offiziellen Parkhäuser abstellen und am Flughafen nur einen Kundenschalter haben.

Das Gebiet Oberhau (rot) liegt direkt hinter den Hangars bei der Werft. Landseitig ist es durch die S-Bahn wie auch die Trams der Linie 10 und 12 an der Haltestelle Balsberg erschlossen. Es liegt im Flughafenperimeter und ist deshalb auch schon als «teuerstes Wäldchen Europas» bezeichnet worden.

Aus der städtischen Bauabteilung heisst es, durch das Urteil aus Lausanne habe sich für die Stadt inhaltlich nichts geändert. Die Stadt könne keinen Einfluss nehmen auf das Gelingen des Projektes, da es sich um eine Flughafenanlage im Zuständigkeitsbereich des Bundes handelt. Abteilungsleiter Marc Osterwalder betont: «Der Ball liegt in Bern.»

«Wir brauchen das P10»

Flughafensprecherin Sonja Zöchling findet die neuerliche Verzögerung «natürlich unschön». «Aber es ändert nichts an unseren Absichten.» Der Flughafen sei weiterhin an diesem Parkhaus interessiert. «Wir brauchen es und gehen davon aus, dass es gebaut wird.» Schliesslich sei der Bau eines neuen Parkhauses nicht grundsätzlich infrage gestellt worden, sondern nur die Berechnung der Parkplatzzahl im Zusammenhang mit der obligatorischen UVP, die der Flughafen im Rahmen des Bewilligungsverfahrens vornehmen lassen muss. Das Waldstück bei der Tram- und S-Bahn-Haltestelle Balsberg liegt noch innerhalb des Flughafenperimeters und so sei auch das projektierte Parkhaus P10 bereits vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bewilligt worden, erklärt die Flughafensprecherin.

«Wir werden jetzt eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung machen und die Off-Airport-Parkplätze beider Valetparking-Anbieter einbeziehen.» Dabei handelt es sich um die konzessionierten Unternehmen Airportparking.ch und Autobahnhof Sprenger. Deren Parkplatzzahl wurde in den bisherigen Berechnungen für das Baugesuch nicht einbezogen, was vom Bundesgericht nun aber explizit so verlangt wird.

Notfalls Verträge anpassen

Wie lange es dauern wird, eine neue UVP durchzuführen, könnte am Ende vor allem für die Stadt Kloten eine wichtige Rolle spielen. Denn der Waldverkauf im Oberhau für die vereinbarten 12,3 Millionen Franken kann nur abgewickelt werden, wenn bis Ende 2020 ein rechtskräftiges Baugesuch für das Parkhaus vorliegt. Zöchling meint zur UVP: «Es ist schwierig abzuschätzen, wie lange dies dauern wird. Wir werden aber mit der Stadt Kloten das weitere Vorgehen zu besprechen.» Dass der Waldverkauf nun platzen könnte, mag Zöchling nicht weiter kommentieren. So lange das Interesse des Flughafens am Bau des Parkhauses besteht, dürfte das Oberhau-Wäldchen aber weiterhin eines der teuersten Forstgebiete in der Umgebung bleiben.

Aus dem Klotener Stadthaus heisst es vom zuständigen Abteilungsleiter vielsagend: «Verträge können im gegenseitigen Einvernehmen angepasst und somit auch verlängert werden.»

Erstellt: 19.11.2019, 19:00 Uhr

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