Dielsdorf

Parteiloser verhindert stille Richterwahl

Am 10. Februar wird ein Ersatz für den zurücktretenden Bezirksrichter Andreas Bleuler (SVP) gewählt. Zwei Juristen, die sich in Dielsdorf auskennen, kandidieren.

In Dielsdorf wird ein neuer Bezirksrichter gesucht - und am 10. Februar dann auch gefunden (Symbolbild).

In Dielsdorf wird ein neuer Bezirksrichter gesucht - und am 10. Februar dann auch gefunden (Symbolbild). Bild: Keystone

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Viel hat nicht gefehlt und die Nachfolge des bisherigen Bezirksrichters Andreas Bleuler (SVP) in Dielsdorf wäre durch eine stille Wahl bestimmt worden. Nur ein Kandidat, der parteilose Patrick Blumer, stellt sich nebst Christian Büchi (SVP) für das Amt zur Verfügung. Deshalb müssen die Stimmberechtigten des Bezirks Dielsdorf nun am 10. Februar an der Urne darüber befinden, wer in der laufenden Legislaturperiode bis 2020 als Ersatz für Bleuler fungieren wird.

Von allen grossen Parteien unterstützt

Christian Büchi darf man als Favoriten in dieser Wahl bezeichnen. Der 48-Jährige wurde von der SVP für Bleulers Sitz nominiert, seine Kandidatur wird aber nicht nur von seiner eigenen Partei, sondern auch von SP, GLP, EVP, BDP, CVP, GLP, FDP und EDU unterstützt. Kurzum: Er geniesst den Segen der interparteilichen Konferenz. Büchi selbst schätzt die Unterstützung der Parteien: «Sie zeigt zumindest, dass meine Kandidatur evaluiert und für gut befunden wurde.» Er möchte seine Parteizugehörigkeit aber nicht überschätzt wissen. «Es gehört zur Transparenz, dass ich darüber natürlich informiere. Doch die richterliche Unabhängigkeit ist ein verfassungsmässiges Recht. Ein Bezirksrichter ist nur dem Gesetz verpflichtet, nicht der Gesinnung eines Parteibüchleins.»

«Die richterliche Unabhängigkeit ist ein verfassungsmässiges Recht.»


Christian Büchi, 
auf die Frage, inwiefern seine
Parteizugehörigkeit bei der Wahl eine Rolle spielt.

Der 48-jährige Vater dreier Kinder lebt in Regensdorf-Watt. Nachdem er in seinem ersten Bildungsgang im Detailhandel tätig war, hat er später die Erwachsenenmatura absolviert, danach Rechtswissenschaften studiert und das Anwaltspatent gemacht. Das Bezirksgericht Dielsdorf kennt er bestens: In den ersten vier Jahren seiner juristischen Laufbahn hat er dort seine ersten praktischen Erfahrungen gesammelt. Seit 2011 ist er in Dielsdorf auch nebenamtlicher Ersatzrichter. Hauptberuflich arbeitet Büchi aber als Gerichtsschreiber am Zürcher Obergericht. Seine Freizeit verbringt er vor allem mit seiner Familie. «Meine Kinder sind in einem Alter, wo sie viele Hobbies haben. Ich begleite sie dabei gerne.» Selber spielt er des Öfteren Badminton und ist daneben «begeisterter Passivfussballer».

Kandidatur auf eigene Faust

Ohne Unterstützung der Parteien tritt Büchis Herausforderer Patrick Blumer an. Der Parteilose hatte vor kurzem für Schlagzeilen gesorgt, weil er unerlaubt Plakate aufgestellt hat – ausgerechnet auf Land, welches einem SVP-Mitglied gehört. Blumer hatte sich dafür entschuldigt und beteuert, es handle sich um Versehen.

Ob ihm sein Malheur geschadet hat, wird sich weisen. Vielleicht hat es ihm auch Aufmerksamkeit verschafft. Blumer ist 32 Jahre alt und wohnt in Winterthur. Trotzdem kennt auch er das Bezirksgericht Dielsdorf bestens: Seit sieben Jahren arbeitet er schon dort, zuerst als Auditor, seit 2013 als Gerichtsschreiber. «Seit 2014 bin ich regelmässig Schlichtungsvorsitzender in Miet- und Pachtsachen. Dabei habe ich gelernt Prozesse zu leiten.» Dass er keiner Partei zugehört – seine Gesinnung würde er als bürgerlich-liberal bezeichnen -, sieht er als nicht als Nachteil. «Die Wahl ans Bezirksgericht ist keine politische. Es zählen andere Faktoren.»

«Die Wahl ans
Bezirksgericht ist keine politische.
Es zählen andere Faktoren.»


Patrick Blumer, 
zur Frage, ob er als Parteiloser bei der Wahl im Nachteil sei.

Ist Blumer nicht am Gericht, bekocht er seine Verlobte oder lässt sich von ihr bekochen. Zudem treibt er gerne Sport, auch mit den Kollegen des Bezirksgerichts, etwa in der dortigen Unihockey- oder Vita-Parcours-Gruppe. Und Blumer reist gerne. «Ich nehme lieber weniger oft Ferien und dafür gleich ein paar Wochen. Um dann Zeit zu haben, andere Kulturen richtig kennenzulernen und zu spüren.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 31.01.2019, 20:08 Uhr

Patrick Blumer (parteilos) (Bild: zvg)

Christian Büchi (SVP) (Bild: zvg)

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