Rovaniemi

Per Los zum Joulupukki an den Polarkreis

Über hundert glückliche Gewinner konnten letztes Wochenende, pünktlich zum ersten Advent, nach Lappland reisen. Bereits zum zweiten Mal hat die Swiss den Event «LXmas» durchgeführt. Die Familie Keller aus Buchs gehört ebenfalls zu den Siegern, nachdem sie ein hartes Jahr hinter sich hat.

Auf Kurzbesuch beim Samichlaus am Polarkreis.
Video: Dennis Andrew Frasch /mcp

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Es wird geschwitzt am Check-In 1 des Flughafens Zürich. Und das um 5.30 Uhr morgens bei Aussentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Eine lange Schlange aufgeregt miteinander schwatzender Leute in viel zu warmen Jacken wartet darauf, ihr Gepäck abgeben zu können. Alle 120 Passagiere des Fluges «LXmas» haben dasselbe Ziel: den Weihnachtsmann besuchen. Und zwar in Finnland. Genauer gesagt in Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands und gemunkelter Heimatort des alten Mannes mit dem langen, weissen Bart.

Unter ihnen sind auch Andreas und Eveline Keller aus Buchs sowie ihre beiden Kinder Jessica und Janic. Sie haben an einer Verlosung teilgenommen und wurden aus einem Topf mit über 25 000 Teilnehmern gezogen, nun dürfen sie ein Wochenende in der Hauptstadt Finnisch-Lapplands verbringen. «Ich habe noch nie etwas gewonnen», sagt Eveline Keller. Eigentlich hätte sie auch dieses Mal nicht gewonnen. «Ich habe zuerst unter meinem Namen teilgenommen und dann sicherheitshalber auch noch unter dem meines Mannes. Der hat dann schliesslich gewonnen».

Jingle-Bells-Schlaufe

Nach knapp vier Stunden und kurz bevor das Flugzeug in Rovaniemi landet, durchbricht es die graue Wolkendecke und ein Meer aus Grün kommt zum Vorschein. Tannenbäume soweit das Auge reicht. Leider kein Schnee. Es ist bereits fast dunkel, obwohl die Uhr erst 12.30 Uhr anzeigt. Am Gepäckband steht eine Gruppe junger Animateure eines Reisebüros, verkleidet als Elfen.

Abwechselnd stimmen sie «Jingle Bells» oder «We Wish You a Merry Christmas» an. Die Werbeplakate preisen einem Wellness-Winterzauber und Weihnachtsdörfer wie im Märchen an. Der achtjährige Janic kann es kaum erwarten, den Weihnachtsmann zu treffen. Kurzzeitig habe er den Glauben an ihn verloren, «doch dann habe ich ein Youtube-Video gesehen, in dem er mit seinen Rentieren davonfliegt».

Nachdem alle ihr Gepäck gefunden haben, geht es zu den Bussen. Erster Stopp: Materiallager, um schneetaugliche Bekleidung abzuholen. Der Tourguide erklärt übers Bordmikrofon, dass der Nikolaus vor 300 Jahren in Rovaniemi geboren wurde und gemeinsam mit Frau Nikolaus im Santa Claus Village lebt. Janic freuts.

Im riesigen Ausstattungslager angekommen, stimmt ein Mitarbeiter «Rudolph The Red-Nosed Reindeer» an. Auf die Frage, ob ihm das mit der Zeit nicht auf die Nerven gehe, sagt er nicht unironisch: «Das ganze Jahr Weihnachten! Wie toll ist das?»

Arktisches Disney-Land

Die Lappland-tauglichen Overalls geschultert geht es anschliessend zum «Hotel Santa Claus». Mittlerweile ist es zappenduster und es hat sogar zu schneien begonnen. Zusammen mit dem Wind sind es gefühlte minus 20 Grad. Auf dem Weg in die Stadt überquert man den Kemijoki-Fluss, der von Osten her um Rovaniemi fliesst und dort auf den Fluss Ounasjoki trifft. Beide sind zugefroren. Nach 15 Minuten hält der Bus vor dem Hotel. Doch bevor es ins Bett geht, stehen noch Rentierschlitten- und Snowmobilfahren an.

Am nächsten Tag geht es dann endlich zum «Joulupukki», wie die Finnen den Weihnachtsmann nennen. Der Tourguide hat es schon erwähnt: Er lebt im Santa Claus Village. Dieses kann man sich wie ein arktisches Disney-Land vorstellen. Ohne Achterbahnen, dafür mit Huskyschlittenfahrten. Um den Weihnachts-Magistrat persönlich zu treffen, muss man anstehen. Bis zu drei Stunden.

Die Kellers haben Glück, es geht nur 20 Minuten. Während sie in der Schlange stehen, erzählt Andreas Keller, dass diese Reise wahrhaftig ein kleines Weihnachtswunder ist. «Meiner Frau wurde im September gekündigt. Seit gestern ist sie offiziell arbeitslos». Eveline Keller fügt hinzu: «Ich werde den Weihnachtsmann nach einem neuen Job fragen müssen». Dank dieser Reise könnten sie jedoch ein eigentlich schlechtes Jahr trotzdem noch guter Dinge abschliessen.

Die Schlange vor Kellers wird derweil kürzer. Am Ende begrüsst eine etwas genervt wirkende Elfe mit einer Zipfelmütze, die anstatt Zipfel ein Geweih hat, die Besucher. «Where do you come from?», fragt sie die Gäste als erstes, um ihnen je nach Antwort eines oder zwei Wörter auf Italienisch oder Chinesisch vorzutragen. Janic wird zunehmends nervöser, warten ist nicht sein Ding. Dann ist es soweit: In einem festlich dekoriertem Raum sitzt der Joulupukki höchstpersönlich, um sich von seinen Elfen-Helfern mit den weitgereisten Besuchern fotografieren zu lassen. Nach zwei Minuten ist es bereits vorbei. Um ein Foto reicher und 45 Euro ärmer geht es auch schon bald zurück zum Flughafen und damit in die (noch) schneefreie Schweiz.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.12.2018, 17:51 Uhr

Weihnachts- und Studentenstadt Rovaniemi

Rovaniemi ist die Hauptstadt der nordfinnischen Landschaft Lappland und liegt am äussersten Rand des Polarkreises. Dementsprechend dunkel ist es während den Wintermonaten: Nur in den Mittagsstunden dämmert es kurz am Himmel, ansonsten prägt die Dunkelheit das Stadtbild. Auch bezüglich der Temperaturen ist Rovaniemi im Winter gewöhnungsbedürftig. Werte von minus 40 Grad sind keine Seltenheit. 200 Tage dauert der Winter und an genauso vielen Tagen kann man bei guten Bedingungen die Aurora Borealis, wie man das Polarlicht in Fachkreisen nennt, sehen.

Rund 60 000 Personen leben in Rovaniemi, darunter auch viele Studenten, die in der Universität Lappland zur Schule gehen. Zum Vergleich: 200 000 Rentiere sind ebenfalls in der Stadt zuhause. Besichtigt man Rovaniemi zum ersten Mal, wird man feststellen, dass es keine historische Altstadt oder zumindest urchige Holzhäuschen gibt. Die meisten Gebäude sind ziemlich neu und im Stil der Nachkriegsmoderne gehalten. Der Grund dafür ist simpel: Rovaniemi wurde 1944 im Lapplandkrieg komplett von der deutschen Wehrmacht zerstört. Ab 1952 wurde die Stadt dann wieder neu aufgebaut. Den Grundriss dafür entwarf der berühmte finnische Architekt Alvar Aalto gemeinsam mit zwei Kollegen. Lustiges Detail: Der Grundriss hat die Form eines Rentiergeweihs.

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