Regensdorf

Pflügen ist seine Leidenschaft

Peter Giger ist einer von zahlreichen Traktorfahrern, die bei Bedarf zur Schneeräumung aufgeboten werden. Er zieht Nachteinsätze vor, weil dann wenig Verkehr herrscht und die Parkplätze in den Industriegebieten leer sind. So war er auch am Donnerstagabend noch unterwegs.

Wenn Schnee fällt, steht Peter Giger bereit. Mit seinem Pflug-Traktor fährt er immer die gleiche Tour im Regensdorfer Industriegebiet. In diesem Winter stand der 54-Jährige erst dreimal im Einsatz.

Wenn Schnee fällt, steht Peter Giger bereit. Mit seinem Pflug-Traktor fährt er immer die gleiche Tour im Regensdorfer Industriegebiet. In diesem Winter stand der 54-Jährige erst dreimal im Einsatz. Bild: Balz Murer

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Das Unterland ist weiss. Am Donnerstag hat es schier ununterbrochen geschneit. Wie üblich, wenn Flocken vom Himmel fallen, hiess es für Autofahrer und Fussgänger: Achtung, Rutschgefahr. Damit die Anzahl Unfälle und Stürze möglichst klein bleibt, sind Leute wie Peter Giger auf den Unterländer Strassen und Firmengeländen unterwegs. «Ich pflügte am Donnerstag zwischen 11 und 14 Uhr und dann am Abend ab 20 Uhr nochmals.» Zu dieser Uhrzeit haben die meisten Leute Feierabend und die Firmenparkplätze sind grösstenteils autofrei.

Dies erleichtert die Arbeit von Giger.In der Scheune des Regensdorfer Bauern Philipp Ogg stehen im Winter acht Traktoren bereit, die mit einem Schneepflug ausgerüstet sind. Mit einem dieser Fahrzeuge ist Peter Giger unterwegs, sobald er per Anruf zu einem Einsatz aufgeboten wird. «Der Ablauf vom Handyalarm bis zum Start ist Routine», sagt Giger. Seit bald 20 Jahren ist der 54-Jährige mit dem Räumungsfahrzeug unterwegs, wenn der Schnee im Unterland liegen bleibt. Diese Saison ist er erst dreimal ausgerückt.

«Der grösste Einsatz war jener im Dezember. Es gab zwar immer wieder kleine Pausen, aber da waren wir mehrere Stunden im Einsatz.»Peter Giger

Das erste Mal am 16. Dezember, um 4 Uhr. An diesem Tag waren die Strassen und Plätze schneebedeckt. Der zweite Einsatz fand am 5. Januar tagsüber statt. «Da hatte meine Frau Geburtstag.» Giger hat seine Pflicht natürlich trotzdem erfüllt. Und am Donnerstag wurde er nun zum dritten Mal in diesem Winter aufgeboten. «Der grösste Einsatz war jener im Dezember. Es gab zwar immer wieder kleine Pausen, aber da waren wir mehrere Stunden im Einsatz.»

Flexibilität ist wichtig

Ursprünglich ist Peter Giger gelernter Bauer. Er hat bei Philipp Oggs Vater, Urs Ogg, ab und zu ausgeholfen. Schon damals gehörte das Fahren mit dem Schneepflug zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Jetzt sind die Einsätze straff organisiert. Ogg schliesst mit den Kunden Verträge für die Schneeräumung ab. Auch die Gemeinde gehört zuseinen Auftraggebern. Für jeden Traktor gibt es einen zugeteilten Fahrer, der für ein speziellesGebiet zuständig ist, das er nach einem vorgegebenen Plan abfährt. «Schwierig wird es, wenn plötzlich ein Fahrer ausfällt.»

Als selbstständig Erwerbender ist Peter Giger sehr flexibel und fast immer verfügbar. «Ausser, wenn ich in den Ferien bin. Aber dann melde ich mich vorher ab.» Manchmal müssen auch seine Kunden Verständnis haben, wenn er einen Termin verschiebt, weil es geschneit hat. Für seinen Einsatz bei der Schneeräumung erhält er Entschädigungen gemäss Aufwand und für den Pikettdienst.

Immer die gleiche Tour

Giger fährt immer die gleiche Tour im Regensdorfer Industriegebiet, wo sich auch Hotels befinden. «Wir erbringen eine Serviceleistung. Es ist wichtig, möglichst schnell zu arbeiten.» Trotzdem ist grösste Sorgfalt geboten, damit keine fremden Fahrzeuge beschädigt werden, aber auch um den Pflug nicht in ein unter dem Schnee verstecktes Hindernis zu rammen.

«Wenn es im Gebiet bauliche Veränderungen gegeben hat, besichtigen wir die neue Situation im Sommer,»Peter Giger

«Wenn es im Gebiet bauliche Veränderungen gegeben hat, besichtigen wir die neue Situation im Sommer», erklärt er. Heikel seien auch Schwellen, Dolendeckel oder Bordsteinkanten. Um den Pflug, der breiter ist als der Traktor, besser bedienen zu können, sind beide Enden mit einer Fahne gekennzeichnet. Das ist eine Orientierungshilfe für den Fahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer. Trotzdem hat er den Pflug einmal an einem Strassenrand beschädigt. «Das hat mich sehr geärgert.»

Geduld ist gefragt

Manchmal gebe es auch Reklamationen wegen des Lärms oder weil die Schneehaufen einen Teil der Parkplätze eines Betriebs zudecken. «Ich kann den Schnee nur vorwärtsschieben, andere Möglichkeiten gibt es nicht.» Der Schneeräumungsprofi appelliert an die Verkehrsteilnehmenden, geduldig zu sein und sich den Verhältnissen anzupassen. «Wir können nicht überall gleichzeitig sein.» Er fährt mit Scheinwerfer- und Drehlicht. Das hindere manche Autofahrer aber nicht daran, zu drängeln oder den Vortritt zu erzwingen.

Aus dem Konzept bringen lässt er sich deswegen nicht. Vielmehr ist er auch zur Stelle, wenn zum Beispiel ein Auto von der Strasse abgekommen ist und ohne fremde Hilfe nicht mehr zurück kann. In Ausnahmefällen pflügt er sogar Privatgrundstücke, die auf seiner Tour liegen. «Wenn ich sehe, dass die Leute versuchen, mit Schaufeln den Schnee von ihren Grundstücken zu entfernen und doch nicht vorwärtskommen, drehe ich eben eine Zusatzrunde.» Voller Vorfreude wartet er auf seinen nächsten Einsatz und behält die Wetter-App auf seinem Handy im Auge, ganz nach dem Motto «Allzeit bereit». (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.01.2019, 17:28 Uhr

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