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Politik muss vorbildlich vorgelebt werden

Was braucht es, damit sich Leute trotz gestiegener Anforderungen noch in der Gemeindepolitik einsetzen? Darüber sprachen der Ökonom Reto Steiner und vier Gäste aus der Politik an der Podiumsdiskussion zum Thema «Das Milizsystem als Scharnier einer funktionierenden Gesellschaft».

Doris Fiala (Nationalrätin), Moderatorin Brigitte Wildi, Thomas Vacchelli (Gemeindepräsident Buchs), Marcel Rauschenbach (Gemeinderat Buchs), Barbara Franzen (Kantonsrätin) sowie Referent Reto Steiner (von links) diskutierten über das Schweizer Milizsystem in der Politik.
Doris Fiala (Nationalrätin), Moderatorin Brigitte Wildi, Thomas Vacchelli (Gemeindepräsident Buchs), Marcel Rauschenbach (Gemeinderat Buchs), Barbara Franzen (Kantonsrätin) sowie Referent Reto Steiner (von links) diskutierten über das Schweizer Milizsystem in der Politik.
Urs Brunner

Bevor die geladenen Gäste über das Milizsystem in der Schweiz diskutierten, lieferte Reto Steiner, Direktor der School of Management and Law ZHAW, wissenschaftliche Inputs zum Thema. In seinem knapp einstündigen Referat ging er am Donners-tagabend folgenden Fragen nach: Wie geht es den Schweizer Gemeinden? Wie steht es um das Milizsystem und wie kann sichergestellt werden, dass dieses eine Zukunft hat?

Den Schweizer Gemeinden – sie gehören durchschnittlich zu den Kleinsten in Europa – geht es gemäss wissenschaftlichen Erhebungen gut: Finanziell läuft es im internationalen Vergleich ausgezeichnet und die Identifikation mit der Gemeinde ist noch immer hoch. Dennoch gibt es aber Herausforderungen: «Je kleiner die Gemeinde, desto schwieriger ist es, die politischen Ämter zu besetzen», nannte Steiner eine davon. Zwar stehe die Bevölkerung hinter dem Milizsystem als solches, doch viele seien gehemmt, sich aktiv daran zu beteiligen und ein Amt zu übernehmen.

Dies sei nicht zuletzt auf die gestiegenen Anforderungen zurückzuführen: Immer mehrt Individualisierung, die höhere Gewichtung der Work-Life-Balance und der Anstieg der hauptberuflichen Belastung auf der einen Seite, die Zunahme der Komplexität in der Arbeit als Gemeindepolitiker sowie die Professionalisierung der Verwaltung auf der anderen.

Männer sindklar in der Mehrzahl

Trotz dieser Hindernisse gebe es noch immer zahlreiche Personen – landesweit 93 000 – die sich in der Kommunalpolitik engagieren. «In der Regel sind es sind es ältere Männer», sagte Steiner und zeigte auf den Buchser Gemeindepräsidenten Thomas Vacchelli und seinen Ratskollegen Marcel Rauschenbach. Dies sorgte bei den rund 15 Personen im Publikum für Lacher.

«Wir müssen die Jugend abholen, wo sie sich aktiv einbringen kann, und nicht langweile Staatskundebücher wälzen.»

Barbara Franzen (FDP-Kantonsrätin)

«75 Prozent aller Gemeinderäte sind männlich und durchschnittlich 51 Jahre alt. Mehr als 80 Prozent sind verheiratet und haben Kinder. Rund die Hälfte wohnt schon mehr als 20 Jahre in der Gemeinde, Dreiviertel sind in einem Verein und 40 Prozent sind parteilos», zählte Steiner die Fakten auf. «Sie sind also wirklich der Prototyp eines Schweizer Kommunalpolitikers», sagte der Wissenschaftler zum parteilosen Gemeindepräsidenten und Ur-Buchser.

Volksnah und unkompliziert auftreten

Moderatorin Brigitte Wildi, Mitglied vom Überparteilichen Wahlforum Buchs (ÜWF), das den Anlass organisierte, eröffnete die Diskussion. Sie wollte von den Gästen wissen, wie sie die eigenen Nachkommen und die Jugend allgemein zum politischen Engagement motivieren wollen.

Barbara Franzen, FDP-Kantonsrätin und Präsidentin der Schule Wehntal, sagte, es sei wichtig, Politik erlebbar zu machen: «Wir müssen die Jugend abholen, wo sie sich aktiv einbringen kann, und nicht langweile Staatskundebücher wälzen.» Der Buchser Gemeindepräsident Thomas Vacchelli sagte, Politiker könnten mit einem bürgernahen Auftreten etwas bewirken: «Ich versuche beispielsweise an der Jungbürgerfeier zu zeigen, dass ein Gemeindepräsident auch unkompliziert und lässig sein kann.»

Die von Reto Steiner im Referat genannten gestiegenen Anforderungen an Personen in kommunalen Ämtern waren auch den Diskutierenden ein Anliegen: «Ich sehe bei vielen Jugendlichen, dass sie in der Ausbildung und im Beruf stark gefordert sind. Deswegen erwarte ich gar nicht, dass 20-Jährige im Gemeinderat sitzen», brachte sich Franzen ein. «Auch die Gruppe von 30- bis 40-Jährigen ist oft mit kleinen Kindern und Karriere beschäftigt und hat keine Zeit für ein Amt, das die durchschnittlich acht Stunden wöchentlich in Anspruch nimmt», ergänzte Steiner.

FDP-Nationalrätin Doris Fiala ist sich dieser Schwierigkeit ebenfalls bewusst: «In der heutigen Lebensführung hat die Politik vielleicht weniger Platz. Es ist aber ganz wichtig, dass wir Vorbilder haben, die Freude an ihrer politischen Arbeit haben und diese so auch anderen schmackhaft machen.»

Wildi sah die anwesenden Politikerinnen und Politiker als solche: «Wir haben zwar ein Problem damit, Leute für die Ämter zu rekrutieren, doch mit Menschen wie euch als Vorbilder können wir das lösen», sagte die Moderatorin zum Schluss.

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