Sonnenenergie

Privatpersonen verleihen der Fotovoltaik Aufschwung

Die Sonne scheint fast überall, aber für die Stromerzeugung wird sie je nach Gemeinde verschieden stark genutzt. Wo viele Anlagen bestehen, haben meist engagierte Private die Hand im Spiel.

In einem Bachser Quartier haben sich Hausbesitzer gegenseitig mit der Begeisterung für Solarstrom angesteckt.

In einem Bachser Quartier haben sich Hausbesitzer gegenseitig mit der Begeisterung für Solarstrom angesteckt. Bild: Sibylle Meier (Archiv)

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In Sachen Solarstrom ist Bülach Siegerin im Unterland. Von den Gemeinden, zu denen Angaben erhältlich waren, kann die Bezirkshauptstadt sowohl die meisten Solaranlagen als auch die grösste Leistung ausweisen: Die 75 Anlagen erbringen insgesamt eine Leistung von 1503 kWp (Kilowattpeak - Erklärung siehe Tabelle). Zusammen erzeugen sie also in einem durchschnittlichen Jahr rund 1,5 Gigawattstunden Strom – genug für über 400 durchschnittliche Vierpersonenhaushalte mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden.

Das Tamedia-Datenteam hat für den ganzen Kanton Angaben über Sonnenstrom zusammengetragen, wobei die Zahlen nicht in allen Gemeinden verfügbar waren. Ganz genaue Aussagen können deshalb nicht gemacht werden. Dennoch lassen die Daten den Schluss zu, dass es heute rund 3,5 mal so viele Anlagen gibt als noch 2012. Die installierte Leistung hat sich in dieser Zeitspanne etwa vervierfacht.

Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen spielt die Fotovoltaik eine bedeutende Rolle. Während etwa der Bau von Windrädern oft durch heftigen Widerstand behindert wird und die Geothermie diverse Rückschläge erlitten hat, ist die Technologie für den Sonnenstrom bereits vorhanden und jahrelang erprobt. Die Preise sind zudem stark gesunken: Innert sieben Jahren haben sich die Kosten für eine Neuanschaffung halbiert; gleichzeitig ist die Effizienz gestiegen.

Begeisterunggreift im Quartier um sich

Dass Bülach als grösste Stadt im Unterland solarstrommässig an der Spitze steht, mag nicht weiter verwundern. Betrachtet man hingegen die Anlagen im Vergleich zur Bevölkerungsdichte, mag Bülach nicht mehr mithalten. In diesem Punkt schneiden kantonal gesehen die kleinen Landgemeinden Dättlikon, Knonau und Waltalingen am besten ab, dicht gefolgt von Bachs.

In der kleinsten Unterländer Gemeinde sind in einem einzigen Jahr zehn neue Anlagen entstanden. «An der Blumenwiesenstrasse steckten sich die Anwohner gegenseitig mit der Begeisterung für Fotovoltaik an», sagt Gemeindeschreiberin Andrea Jakob. Ein Hausbesitzer nach dem anderen montierte vor zwei Jahren Solarzellen auf dem Dach; somit konnten sie beim Lieferanten von einem Rabatt profitieren. In Bachs sind somit etwa 8 Prozent aller Gebäude mit einer Solaranlage bestückt; Bachs hält in diesem Bereich den Rekord im Unterland und liegt im gesamten Kanton auf Rang 4.

Angesichts ihrer lediglich gut 3000 Einwohnern ist eine andere ländliche Gemeinde im Bezirk Dielsdorf ebenfalls gut im Rennen: In Steinmaur sind es hauptsächlich die Anlagen auf den Gebäuden des Landwirtschaftsbetriebs Müller, die für einen üppigen Ertrag sorgen. In Dielsdorf selber dagegen liefert die letztes Jahre gebaute Anlage auf den Gebäuden der Pferderennbahn den Löwenanteil des Solarstroms.

Genossenschaften ermöglichen gute Preise

Einen beachtlichen Sprung vorwärts hat zudem Eglisau gemacht. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich die Leistung dort verzwanzigfacht. Die Gemeinde selber hat zwei grössere Anlagen auf dem Feuerwehr- und dem Werkgebäude errichtet; weitere grössere sind auf landwirtschaftlichen Gebäuden entstanden. Vorantreiberin der Fotovoltaik ist in Eglisau die Genossenschaft 3E, welche geeignete Dachflächen ausfindig macht, die Finanzierung neuer Anlagen durch Darlehen ermöglicht sowie Interessierte mit ihrem Knowhow unterstützt.

Solargenossenschaften, die es bereits in diversen Regionen gibt, holen bei den Anbietern oft auch günstigere Preise heraus und legen bei der Installation selber Hand an. Bei der letztes Jahr in Dinhard gegründeten Energiewendegenossenschaft Region Winterthur kostet eine Anlage nur noch rund 10 000 statt bis zu 25 000 Franken.

Wenige grosse statt viele kleine

Punkto Fotovoltaik steht auch Rümlang recht gut da. Spielte die Technologie vor fünf Jahren noch eine marginale Rolle, so wurden unterdessen 21 Anlagen mit einer gesamthaften Leistung von gut 1400 kWp installiert. Das habe vor allem mit dem hohen Anteil an Industrie und den dortigen grossen Dachflächen zu tun, sagt Martin Zünd vom Elektrizitätswerk Rümlang. «Es gibt einige sehr grosse Anlagen auf unserem Gemeindegebiet.» Rund 400 kWp habe zudem die Gemeinde selber installiert: etwa auf dem Hallenbad und dem Schulhaus Rümelbach.

Auch Regensdorf steht mit einer Leistung von gut 1350 kWp vergleichsweise gut da. Noch nicht eingerechnet ist hier der Ertrag, welche die neue Anlage der Entsorgungsfirma Röllin künftig einbringen wird. Mit einer Fläche von 4 300 Quadratmetern wird sie künftig alleine über 200 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen können. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.08.2018, 17:14 Uhr

Auf die Tabelle klicken, um sie zu vergrössern.

Wenige Treibhausgase

Eine Solaranlage produziert nicht nur Strom, sondern benötigt auch Energie für die Herstellung. Dennoch sieht die Gesamtenergiebilanz positiv aus: Bei einer Lebensdauer von rund 30 Jahren sollte eine Anlage die investierte Energie in 1,5 bis 2,2 Jahren wieder hereingeholt haben. Mit einer modernen Anlage betragen die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom etwa 42 Gramm. Zum Vergleich: Der europäische Strommix kommt auf 466 Gramm.

Während Fotovoltaik dank Förderung heute rentiert, ist die Solarthermie - also die Herstellung von Warmwasser - etwas ins Hintertreffen geraten, bei einer kleinen Dachfläche aber immer noch eine Option.asö

Fördergelder

Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) will der Bund die erneuerbaren Energien fördern. Weil der Fördertopf aber begrenzt ist und sich hohe Pendenzen angesammelt haben, verliert die KEV für Hausbesitzer an Bedeutung. «Für Neuanlagen ist ein Eintritt in das Einspeisevergütungssystem kaum mehr möglich», schreiben die EKZ auf ihrer Website.

Empfohlen wird stattdessen, eine Einmalvergütung für kleine Fotovoltaikanlagen (Kleiv) zu beantragen. Dieses Vorgehen wählen auch die angefragten privaten Solarunternehmer. Die Vergütung könne zwischen einem Viertel und einem Drittel der Anlagenkosten betragen, die Wartezeit beträgt rund zwei Jahre. mig

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