Flughafen

Problem mit nächtlichen Abflügen bleibt weiterhin bestehen

Aktuelle Zahlen zeigen, dass in diesem Sommer weniger Abflüge nach 22 Uhr erfolgt sind. Die siebenstündige Nachtruhe konnte im Juli und August allerdings nie eingehalten werden.

Auch diesen Sommer rollten täglich Flieger nach 23 Uhr zum Start. Foto: keystone/Archiv

Auch diesen Sommer rollten täglich Flieger nach 23 Uhr zum Start. Foto: keystone/Archiv

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Wenn um 22 Uhr im rechtlichen Sinne die erste Stunde der Nacht anbricht, ist am Flughafen noch lange nicht Betriebsschluss. In diesem Sommer ist die Anzahl der späten Abflüge während der Nachstunden – also nach 22 Uhr bis zum tatsächlichen Feierabend – zurückgegangen.

Nimmt man die Sommerferienmonate Juli und August zusammen, so beträgt die Abnahme vom vergangenen zu diesem Jahr rund 7,2 Prozent. Das sind 184 Flüge weniger, die zwischen 22 Uhr und 1 Uhr nachts abgewickelt wurden. Diese Zahlen stammen von der Schweizer Flugüberwachungsfirma Skyguide und betreffen hauptsächlich die Linien- sowie die Charterflüge.

Nur bedingte Freude

Besonders interessant ist der Blick auf die Zeit nach dem offiziellen Betriebsschluss um 23 Uhr. Denn bis 23 Uhr dauert in Kloten der planmässige Flugbetrieb. Wenn tagsüber allerdings Verspätungen entstanden sind, die bis zum offiziellen Betriebsschluss nicht abgebaut werden konnten, dann dürfen diese Flüge auch noch bis 23.30 Uhr abgewickelt werden. Das ist in den letzten Jahren immer öfters passiert, was für entsprechenden Ärger in der Region gesorgt hat. So dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) im Juli 2018 veranlasst hatte die Zahl der Landungen und Starts am späteren Abend auf dem aktuellen Stand einzufrieren.

Das hat nun dazu geführt, dass die nächtlichen Abflüge etwas weniger zahlreich geworden sind. Ob die Verspätungen auch immer bis genau eine halbe Stunde vor Mitternacht abgebaut sind, lässt sich jedoch nicht genau eruieren anhand dieser Zahlen. Denn die Skyguidestatistik fasst die Zahl der Abflüge jeweils nur gebündelt für eine ganze Stunde zusammen.

Betrachtet man da die Stunde von 23 Uhr bis Mitternacht, so sind im ganzen Monat Juli 2019 total 239 Flieger gestartet in dieser Zeit. Das sind 48 Starts weniger als zur selben Zeit im Juli des Vorjahres (-16,7%). Im zweiten Sommerferienmonat August starteten heuer 222 Flieger in der Stunde vor Mitternacht, das waren 53 weniger als im August 2018 (-19,3%).

Über diesen Rückgang mag sich Thomas Hardegger nur bedingt freuen. Als Präsident des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ) ärgerte er sich, dass im Juli und August noch immer 465 Flüge nach 23 Uhr und damit zu spät gestartet sind. Tausende Menschen einer ganze Region würden somit während der gesetzlich zugesicherten Nachtruhe belärmt, obwohl sich die Bevölkerung an der Urne einst für eine 7-stündige Nachtruhe ausgesprochen hatte. «Der Flugbetrieb muss um 23 Uhr beendet sein», fordert er.

Keine neuen Slots vergeben

Hardeggers Feststellung, dass der Betriebsschluss um 23 Uhr von der Flughafenbetreibergesellschaft nicht nur «fast nie» eingehalten werde, sondern an keinem einzigen Tag des vergangenen Sommers, verdeutlicht das tägliche Verspätungsproblem in Kloten. Deshalb wird die andere Forderung des SP-Nationalrats und alt-Gemeindepräsidenten von Rümlang noch eine ganze Weile aktuell bleiben: Zusätzliche Flüge dürfen nicht bewilligt werden, so lange ein Betriebsschluss um 23 Uhr nicht «der Normalfall» sei.

Sechs zusätzliche Slots nach 22 Uhr, welche der Flughafen zuletzt noch angeregt hatte, wurden bislang übrigens tatsächlich nicht besetzt. Das Vergabeverfahren durch die zuständige Koordinationsstelle ist abgebrochen worden. Seitens der Airlines scheint man ganz offensichtlich auch mehr an einer pünktlichen Abwicklung der Flüge interessiert zu sein, als an zusätzlichen Fliegern, die im Endeffekt noch mehr Verspätungen und noch länger Lärm verursachen würden.

Erstellt: 10.09.2019, 19:38 Uhr

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