Buchs

Projekt und Landverkauf stossen auf Kritik

Der Gemeinderat plant den Werkhof vom Hang ins Tal zuverlegen. Im selben Neubau will er die Asyl- und Notunterkünfte zusammenziehen. Zur Finanzierung will er Land verkaufen. Am Infoanlass vorgestern wurden die drei Vorhaben heftig diskutiert.

Buchs will in einem Neubau auf dieser Parzelle am Furtbach  den Werkhof, die Not- und Asylwohnungen sowie das Betreibungsamt Furttal unterbringen. Das Projekt kostet rund 7,3 Millionen.

Buchs will in einem Neubau auf dieser Parzelle am Furtbach den Werkhof, die Not- und Asylwohnungen sowie das Betreibungsamt Furttal unterbringen. Das Projekt kostet rund 7,3 Millionen. Bild: Paco Carrascosa

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gemeinde Buchs will ihre Raumprobleme mit einem Schlag lösen. Dazu plant sie einen Neubau am Furtbach für den Werkhof, die Asyl- und Notunterkünfte und das Betreibungsamt Futtal. Ein zweiter Neubau ist beim Schulhaus Zwingert vorgesehen. Dort soll ein Doppelkindergarten mit Sporthalle entstehen. Die Gemeinde will die beiden Bauprojekte mit dem Verkauf eines Grundstücks finanzieren.

Bauvorstand Ruedi Meier hat das Projekt Werkhof und Notunterkünfte am Donnerstag vor rund 80 Interessierten vorgestellt – und damit eine hitzige Diskussion ausgelöst. Ein Kritikpunkt betrifft den Werkhof, den die Gemeinde ins Tal verschieben will, «um den heutigen Standort im Wohngebiet am Südhang schlauer nutzen zu können», wie Meier sagt. Der heutige Werkhof sei veraltet und brauche mehr Platz, betont er.

Aus dem Publikum hiess es, der Gemeinderat solle zuerst mit der Nachbargemeinde Dällikon abklären, ob ein gemeinsamer Werkhof möglich sei, wie das einmal angedacht war. Mehrere Votanten bezweifeln insgesamt die Notwendigkeit eines neuen Standorts. «Man kann den heutigen Werkhof sanieren, das wäre günstiger als ein Neubau», gab einer zu bedenken. Auch die Zukunft des alten Standortes gab Anlass zu Diskussionen.

Gemeindepräsident schweigt

Ebenso zu reden gab der Zusammenzug der Asyl- und Notunterkünfte. «Unser Problem ist, wir haben zu viele Einzimmerwohnungen aber zu wenige Familienwohnungen», begründete Meier den Neubau. Zudem sind die Unterkünfte heute auf mehrere Standorte verteilt, was unpraktisch sei.

Ein besonders heikles Thema ist, dass die Gemeinde auch Wohnungen in einem Gebäude des Gemeindepräsidenten Thomas Vacchelli mietet. Da bestehe ein Interessenskonflikt. Vacchelli konnte am Infoanlass denn auch nur als Zuhörer die Präsentation des Bauvorhabens und die Diskussionen verfolgen. «Mir wurde vom Statthalteramt ein Maulkorb verpasst», erklärt er den Anwesenden. Warum aber die Gemeinde die Mietverträge mit ihm nicht erneuern will und einen Neubau bevorzugt, blieb unklar. «Wir dürfen dazu nichts sagen und Thomas Vacchelli auch nicht», erklärte Meier. Dennoch ergriff Vacchelli nach mehreren Fragen aus dem Publikum das Wort: «Ich will nicht als Sündenbock dastehen, wenn das Stimmvolk den Neubau nicht genehmigt und die Gemeinde teure Container als Notunterkünfte aufstellt», sagt er.

Für den Neubau rechnet die Gemeinde mit Kosten von rund 7,3 Millionen Franken.

Neubau für Kindergarten

Nebst dem Neubau im Tal plant die Gemeinde einen weiteren Neubau beim Schulhaus Zwingert. Hier soll ein Doppelkindergarten mit Sporthalle entstehen. Laut Hochrechnungen werden in Buchs im Schuljahr 2030/2031 7,5 Kindergärten und 21,5 Primarschulklassen benötigt. Das wären ein Kindergarten und vier Schulklassen mehr als heute. Die Berechnungen fussen auf einem langjährigen Geburtendurchschnitt von 70 Babys pro Jahr. Da Buchs mit einer weiterhin wachsenden Bevölkerung rechnet, werde das Szenario wahrscheinlich bereits 2024/2025 Realität, sagte Beat Vogt, Vorsteher des Ressorts Bildung. Die Schulpflege steht darum zeitlich unter Druck und hat sich entschieden, vier Doppelkindergärten zu führen: zwei im Schulhaus Zihl, zwei in der Kindervilla, zwei im Oberdorf und zwei in besagtem Neubau beim Schulhaus Zwingert.

Auch bezüglich den Turnhallen hat die Schulpflege ihre Planung geändert. 2013 hiess es noch, man wolle die beiden Turnhallen beim Schulhaus Zihl abreissen und durch eine Turnhalle ersetzen. Nun aber soll das Schulhaus Zwingert eine Sporthalle bekommen: im selben Neubau wie der Doppelkindergarten. Geplant ist ein 8,5 Meter hohes Gebäude mit einer Sporthalle unten und den Kindergärten oben. Der Neubau wird die Gemeinde knapp 6 Millionen Franken kosten.

Zur Finanzierung der beiden Bauvorhaben will die Gemeinde ein Grundstück gegenüber dem Bahnhof für 7,9 Millionen verkaufen. Ein Votant regte an, das Land im Baurecht abzugeben. «Das würde der Gemeinde jährlich Geld bringen», begründete er und fasst zusammen: «Es ist insgesamt eine unbefriedigende Situation.» Ganz besonders unbefriedigend sei, dass der Gemeinderat darauf verzichte, einen Projektierungskredit vom Stimmvolk genehmigen zu lassen, bevor er die Bauprojekte zur Abstimmung bringe. Gemeinderat Ruedi Meier sieht im einstufigen Vorgehen einen Vorteil: «Sagt das Volk nein, so haben wir kein Geld für die Projektierung verloren.»

Die Urnenabstimmung ist am 25. November vorgesehen. Über den Landverkauf wird die Gemeindeversammlung am 29. November abstimmen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.09.2018, 17:28 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!