Bassersdorf

Rasen mähen ohne Lärm und Gestank

In einem Kurs haben 20 Personen ein altes Handwerk gründlich kennengelernt. Gras schneiden mit der Sense schont Kleinlebewesen und die Ohren der Nachbarn.

Jürg von Känel (rechts), Inhaber der Sensewerkstatt in Mammern, führt in die Kunst des ökologischen Mähens sein.

Jürg von Känel (rechts), Inhaber der Sensewerkstatt in Mammern, führt in die Kunst des ökologischen Mähens sein. Bild: Paco Carrascosa

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Wer kennt sie nicht, die wöchentlichen Lärmorgien in der Nachbarschaft? Mit lauten, benzinbetriebenen Trimmern und Mähmaschinen wird der Rasen bodennah geschnitten. Aber es gibt auch eine umweltfreundlichere Methode, Wiesen und Borde im Garten zu pflegen.

Im Bauerngut der Familie Ueli Brunner am Äntschberg organisierte der Bassersdorfer Johannes Graf einen Kurs, in dem der richtige und sichere Umgang mit einer Sense geübt werden konnte. Graf war früher Lehrer in Opfikon und absolvierte ein Nachstudium in Umweltwissenschaft.

Den Umgang mit der Sense lernten die am Kurs teilnehmenden Frauen und Männer von Jürg Von Känel aus Mammern am Bodensee. Er arbeitet dort 60 Prozent im Werkhof der Gemeinde und 40 Prozent betreibt er seine Sensewerkstatt und leitet Kurse.

Noch im vorletzten Jahrhundert schnitten die Bauern Gras und Getreide ausschliesslich mit Sensen. Dann folgten mechanische Balkenmäher, zuerst noch von Pferden gezogen. Heute sind Kreiselmäher im Einsatz. Die sind zwar äusserst rationell, aber sie verletzten in der Setzzeit oft junge Rehe. Vorsichtige Landwirte suchen deshalb vor dem Mähen die Grasflächen mit einer Drohne ab.

Tipps für die Sicherheit

Sensen sind bei falscher Handhabung gefährliche Instrumente. Nicht umsonst wird der Tod durch einen Sensemann dargestellt, der meist die Sense falsch über die Schulter trägt. Die Kursteilnehmenden lernten den sicheren Umgang mit den Mähgeräten.

Wichtig ist eine individuelle Anpassung des Holzteils, des Horb, an die Körpergrössen und Links- oder Rechtshändigkeit der Benutzer. Von Känel machte auch darauf aufmerksam, dass die Holzteile je nach Einsatzgebiet anders gebogen sind. Dadurch eignen sie sich eher für ebene oder steile Gelände.

«Medienberichte zu Umweltthemen haben die Menschen sensibilisiert, Gärten naturnaher zu gestalten und zu pflegen.»Johannes Graf

Beim Mähen mit der Sense erübrigt sich der Besuch eines Fitnessstudios. Ausserdem werden Kleinlebewesen werden geschont. Senseblätter, Von Känel bezieht sie aus Österreich, wo sie in 19 verschiedenen Arbeitsgängen hergestellt werden, überdauern lärmige Trimmer mehrfach.

Die Familie von Monica Kohler besitzt im Tessin ein Rustico. Sie freute sich: «Jetzt mähen wir dort die Wiese umweltschonend und nicht mehr mit dem lärmigen Trimmer.»

Dominik Escher pflegte seinen Garten schon bisher mit der Sense, er besuchte den Kurs um zu kontrollieren, ob er alles richtig macht.

Die Technik des Schärfens

Nach einem Imbiss in der Scheune von Ueli Brunner war Dengeln angesagt. Mit dem Hammer wird dabei die Schneideseite des Senseblattes dünn geklopft. Auch das Schärfen mit dem Wetzstein wurde geübt. Von Känel riet, immer ein Pflaster bei sich zu haben, denn ein kleiner Schnitt in den Daumen sei bei aller Vorsicht nicht auszuschliessen.

Johannes Graf ist vom grossen Zuspruch für den Kurs überrascht: «Gut, wir haben bessere Werbung gemacht. Aber vor allem haben die Medienberichte zu Umweltthemen die Menschen sensibilisiert, Gärten naturnaher zu gestalten und zu pflegen.» Finanziell unterstützten die Gemeinde, der Naturschutzverein und der Waldbesitzerverein den Kurs.

Erstellt: 12.05.2019, 17:10 Uhr

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