Regensdorf

Uni stellt Kindern knifflige Aufgaben

Im Rahmen von «kids@science» entdecken derzeit Primarschülerinnen und -schüler das Unileben. Die beiden Regensdorfer Noah Brundia und Tommi Tellenbach lernen dabei, Codes zu knacken, ein Computerspiel zu erstellen und Roboter zu programmieren.

Der 12-jährige Noah Brundia (Mitte) sucht einen Fehler in einem Code, den er geschrieben hat.

Der 12-jährige Noah Brundia (Mitte) sucht einen Fehler in einem Code, den er geschrieben hat. Bild: Sharon Saameli

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Universität Basel, Departement für Mathematik. Im Empfang des verwinkelten Gebäudes stehen ein gutes Dutzend Jungen aus der ganzen Deutschschweiz, zwischen 10 und 13 Jahre alt und aufgeregt plaudernd. Den Jugendlichen stehen dieser Tage die Türen der Universität offen: Sie sehen ins Geschehen von Forschungslabors, brüten über Zahlensystemen, bauen ein Spektrometer, um Licht genauer zu untersuchen oder entdecken per Mikroskop die eigene DNS.

Mathematik, Informatik, Physik und Nanowissenschaften oder Biologie: Im Programm «kids@science» stehen Fächer, die als zukunftsträchtig gelten und neugierigen Nachwuchs in die akademische Welt mobilisieren. Anbieter ist Schweizer Jugend forscht. Letzte Woche waren 36 Mädchen aus der ganzen Deutschschweiz am Start, diese Woche ist den Jungen gewidmet. Dass dabei das an der Schule gelernte Wissen herausgefordert wird, steht fest.

1 plus 1 macht 0

So findet sich der Elfjährige Tommi Tellenbach, der sonst die Primarschule Regensdorf besucht, in einem Crashkurs in Codierung und Verschlüsselung wieder. «Die Zahl 99 stellt man im Binärsystem als 1100011 dar», erklärt der Mathematik-Doktorand und Workshopleiter Marc Schmidlin. Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division: 1 plus 1 macht 0, 0 minus 1 macht 1 Rest 1. Die Jungs runzeln die Stirn, während sie über ihren Rechnungen sitzen. «Aber unser Gehirn explodiert ja nicht so einfach», meint Tommi. Nach einigen Knoten und Seufzern ist die Rechnung dann endlich geschafft.

Schmidlin gönnt dem Trio einen kurzen Moment des Stolzes, dann bringt er mit dem Fünfersystem den nächsten Hammer. Die anderen Mathematikkurse sind nicht einfacher: Im zweiten setzen sich die Jungen mit der Messung und Beschreibung von Symmetrien auseinander, im dritten mit Berechnungen der Wahrscheinlichkeit, ein Spiel zu gewinnen. Tommi nimmt zum ersten Mal am Programm teil, kommentiert es als spannend.

Tommi Tellenbach, 11-jährig (zweiter von links), brütet mit Hilfe von Marc Schmidlin (links) über dem Binärsystem (Foto: Sharon Saameli).

Allerdings wisse er noch nicht, inwiefern das Programm seine Berufswahl dereist beeinflussen werde. Er weiss jedenfalls von einem studierenden Kollegen, dass die Ausfallquote im Mathematik-Studium an der ETH bei rund 30 Prozent liegt. «Und Du kannst jedes Jahr rausfliegen. Das könnte schwierig werden», meint er. «Aber ins Gymnasium will ich auf jeden Fall.»

Fokus beim Programmieren

Gleichzeitig sitzt Noah Brundia, 12 Jahre und ebenfalls aus Regensdorf, vor einem Computer und haut Codes in die Tasten, um eine kleine Schildkröte in Bewegung zu setzen und sie ein Motiv zeichnen zu lassen. Die Codes hat er am Morgen gelernt. «Mit der Programmiersprache Logo geht das», sagt Masterstudent und Kursleiter Silvan Heller. «Dass Informatiker faul sind, bringe ich den Kindern jeweils als Erstes bei», holt er aus. Das bedeutet, dass sich Codes immer abkürzen lassen: Soll etwa die Schildkröte 100 Schritte gehen, schreibt Noah statt «forward 100» einfach «fwd 100».

Mit der Comicfigur Deadpool hat er sich das grösste Motiv ausgewählt. Selbst als der Kursleiter zu einer Pause motivieren will, schweigt der 12-Jährige einen Moment, murmelt dann: «Ja… vielleicht», und schreibt eine Viertelstunde lang stumm weiter. Sein Kollege haut ihn an: «Du weisst schon, dass du den ganzen Code auf einer Zeile schreiben kannst?» – «Ja, aber mir ist es lieber, jeden Befehl auf einer Zeile zu haben.» Dabei handle es sich bereits um die grossen Diskussionen, die unter Informatikern geführt wird, kommentiert Heller schmunzelnd.

Tags darauf lernen die Jungen spielerisch, ein Computergame zu programmieren – und im nächsten Workshop bringen sie einem Lego-Roboter bei, einen Hindernisparcours zu überwinden. Auch Noah ist zum ersten Mal an der Universität. «Informatik interessiert mich sowieso», begründet er seine Fächerwahl – und ist bereits gespannt, was die Akademie sonst noch zu bieten hat. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 30.01.2018, 16:56 Uhr

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