Freienstein-Teufen

Reben-Rettung teilweise gelungen

Der April macht was er will. Der überraschende Spätfrost liess unter anderem Weingutbesitzer erzittern, so auch Familie Schwarz aus Freienstein. Sie trotzte dem Frost mit Feuern aus Holzpellets.

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Mindestens die Hälfte ihrer knapp sechs Hektaren Reben haben den Frost der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag nicht überlebt. Das sind mehr als letztes Jahr, als es im Frühling ebenfalls zu Frostnächten kam. Mit Pelltetsfeuern zwischen den Reihen versuchten Winzer Andreas Schwarz, seine Frau Prisca, sein Vater Heinrich und einige Helfer am sehr frühen Donnerstag- und Freitagmorgen einen Teil der Reben des Weinguts Schwarz in Freienstein zu retten.

Eine einfachere, wenn auch nicht gerade billige Abhilfe hätten da Frostkerzen geleistet. Doch wegen des überraschenden Spätfrosts sind sie schweizweit ausverkauft. So versuchte Familie Schwarz mit einer eigenen Methode, die Knospen vor der Kälte zu bewahren.

Wie bereits in der Nacht auf Donnerstag entzündeten sie am Freitagmorgen um 3 Uhr früh 1,2 Tonnen Holzpellets, gemischt mit Lampenöl. Das ergab rund 80 kleinere Feuer. «So entsteht eine konstante Wärme und wir hoffen, dass da etwas zu retten ist», sagte Prisca Schwarz gestern Morgen früh.

«Gestern hatten wir minus 4 Grad Celsius, die Bodentemperatur betrug minus 8 Grad. Wir haben relativ viel verloren, aber die Beheizung der Reben hat doch genützt und deshalb haben wir uns entschieden, heute nochmals aktiv zu werden.» Die heikelste Phase sei zwischen fünf und sechs Uhr, da es dann am kältesten ist. Zudem war der Himmel wolkenlos, was die Kälte noch verstärkte.

Kein Heli im Einsatz

Um die Reben zu retten war ursprünglich auch ein Helikoptereinsatz geplant, der die Luft über den Weinreben verwirbelt und warme Luftmassen nach unten gedrückt hätte. Doch wegen der Wetterlage hätte der Helikopter erst ab einer Höhe von 200 Meter über dem Boden fliegen können. «Was wäre zu hoch, um die Luft zu verwirbeln», sagte Prisca Schwarz.

Andreas Schwarz ist aber überzeugt, dass die Pelletsfeuer genügen werden, um den beheizten Teil der Reben zu retten. «Hier ist der einzige Ort, wo wir noch grüne Triebe haben.» Rundherum seien sämtliche grünen Triebe erfroren. Die Knospen seien wegen des nassen Wetters steifgefroren gewesen, sagte der Winzer.

Schönheit aus Not

Doch auch so einer Situation konnte man Positives abgewinnen. «Es sieht wirklich schön aus», sagte Prisca Schwarz, während die Feuer in kompletter Dunkelheit den Rebberg zu Leuchten bringen. Und so versuchte die Familie die Arbeit mit ein wenig Vergnügen zu verbinden. Da auch die Kinder von Prisca und Andreas Schwarz sowie Kinder von Freunden am Rettungseinsatz teilnehmen wollten, gab es nach Sonnenaufgang eine gebratene Wurst zum frühen Frühstück. «Genug Feuerstellen haben wir ja», scherzte Prisca Schwarz.

Doch nicht nur Kinder genossen den aussergewöhnlichen Anlass. Auch für Vater Heinrich Schwarz, der den Familienbetrieb bis 2004 geführt hatte, war die angewendetet Methode eine Premiere: «Früher benutzten wir Frostmatten, die wir über die Reben hängten», erinnert er sich. Doch da das Weingut heute viel grösser ist, wäre das zu aufwändig. Zudem habe es damals nur etwa alle 20 Jahre Frost gegeben, erzählt Heinrich Schwarz. «Deshalb haben wir die Matten weggeworfen.»

Wein zum Verkauf sollte die Familie aber genug haben. «Wir lagern den Wein bis zu fünf Jahre im Eichenfass, so gibt es einen Vorrat, den man jetzt verwenden kann.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.04.2017, 17:33 Uhr

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