ZUgespitzt

So gewinnt man keinen Differenzler!

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In drei Monaten beginnt wieder die «Donnschtig-Jass»-Saison am Fernseher. Schon jetzt ist bekannt, dass das Unterland auch dieses Jahr nicht mitspielt. Es mag damit zu tun haben, dass sich keine Gemeinde um eine Teilnahme beworben hat. Vielleicht aber liegt der Grund auch darin, dass die Unterländer besonders schlecht im Schätzen sind.

Beim «Donnschtig-Jass» wird der Differenzler gespielt: Jeder der vier Jasser schätzt aufgrund seines Blatts die Anzahl Punkte, die er machen wird. Die Punktsumme, um die er von seiner Ansage abweicht, ist seine Differenz. Wer die geringste Differenz hat, gewinnt.

Für die Gemeinden heisst der Differenzler Finanzhaushalt: Das Budget wird «angesagt», die Jahresrechnung wird «gemacht» – und die Differenz? Sagen wir mal so: Die Unterländer würden die Runde 2018 kaum gewinnen: Bülach, angesagt –1,5 Millionen, gemacht 4,1 Millionen, Differenz 5,6 Millionen. Opfikon, angesagt 0,4 Millionen, gemacht 10,8 Millionen, Differenz 10,4 Millionen. Kloten, angesagt 0,7 Millionen, gemacht 24,5 Millionen, Differenz 23,8 Millionen.

Die Region übertrifft sich einmal mehr mit Abschlüssen, die «besser sind als budgetiert». Das Problem: Tatsächlich hat die Rechnung mehr mit dem Differenzler-Jass zu tun, als einen Politiker zuweilen glauben machen wollen. Budgets sind nicht dazu da, möglichst pessimistisch aufgestellt zu werden, bloss damit man bei der Präsentation der Rechnung mit Worten wie «besser», «übertroffen» oder «erfreulich» operieren kann. Verfehlt ist verfehlt, ob nach oben hin oder nach unten!

Die öffentliche Hand ist keine Aktiengesellschaft, die Dividenden ausschütten könnte. Stattdessen ist der mittelfristige Ausgleich Pflicht: Als Summe der Erfolgsrechnungen mehrerer Rechnungs- und Planjahre muss eine Null stehen. Und grosse Abweichungen vom Budget im einen Jahr haben immer Folgen für die Finanzplanung der nächsten Jahre.

Es bleibt zu hoffen, dass die Gemeinderatssitzungen oder Gemeindeversammlungen im Juni den Finanzvorstehern die richtigen Fragen stellen. Wie das Dorf Grundstückgewinnsteuern schätzt, ob Investitionen verschoben wurden – oder wie viel Optimismus ins Budget 2020 einfliessen wird. Und vielleicht richtet jemand die Anfrage an die Exekutive, ob man sich als Gemeinde für den «Donnschtig-Jass 2020» bewerben möchte. Laut SRF ist eine Kandidatur noch bis zum 15. September 2019 möglich.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.04.2019, 11:16 Uhr

Florian Schaer, Redaktor ZU

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.