Zugespitzt

Der Jurist in meinem Zimmerbrunnen

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Dieser Daniela Schenker ist wohl jämmerlich langweilig beim Zürcher Unterländer. Aber immerhin versteht man jetzt, weshalb sie oft so nebulöse Artikel schreibt. Was ist schliesslich schon von einer zu erwarten, die esoterische Literatur verfasst? Stellen Sie sich vor: Eines der Bücher trägt den Titel «Sprudelnde Kräfte». Es handelt von der Bedeutung von Zimmerbrunnen im Feng Shui. Noch eine Kostprobe des Schenkerschen Schaffens gefällig? «Kuan Yin: Begleiterin auf dem spirituellen Weg» gibt es im Versandhandel für rund 15 Euro.

Sie kann sich das Bücher schreiben leisten. Immerhin ist ihr Gatte ein schwerreicher Staranwalt und Dealmaker, über den die Wirtschaftspresse in regelmässigen Abständen berichtet. Der vielbeschäftigte Grossverdiener wird froh sein, wenn sich die Frau Gemahlin den Zimmerbrunnen und derem spirituellem Gewinn zuwendet.

Ja und die beiden Töchterchen erst! Eine scheint ja einigermassen normal herausgekommen zu sein, was einen bei diesen Genen doch ziemlich erstaunt. Eine Studentin, auf ein paar Ranglisten von Laufveranstaltungen zu finden. Bei der anderen scheint es schwieriger zu sein. Der haben die gut betuchten Eltern im nahen Ausland ein Tierbestattungsunternehmen gekauft. Wahrscheinlich nach Feng-Shui eingerichtet und mit Kuan Yin als spiritueller Begleiterin für Goldhamsters letzten Weg.

Stopp – genug des Ego-Surfens. So nennt man es, wenn jemand nach dem eigenen Namen googelt – und das tun gemäss einer deutschen Umfrage immerhin 75 Prozent der Internetnutzer. Auch ich erliege der Versuchung alle paar Monate und freue mich dann heimlich an meiner realen Existenz, ganz ohne hässliche Brunnensprinklerei im Wohnzimmer und Jurist im Ehebett. Dass die Tochter ihren Lebensunterhalt nicht mit dem Verbrennen von toten Vierbeinern verdient, ist mir auch recht.

Die meisten von uns müssen halt damit leben, dass sie wenigstens vor Google nicht einmalig und damit verwechselbar sind. Mit der Spur Esoterik, die mir bei einer unsorgfältigen Schnellrecherche anderer anhaftet, komme ich ganz gut zurecht – immer im Wissen, dass es viel schlimmer hätte kommen können – und vor allem, dass meine Person von ziemlich untergeordneter Wichtigkeit ist und deshalb kaum jemand nach meinem Namen googelt – ausser mir selbst.

Erstellt: 12.06.2019, 15:14 Uhr

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