ZUgespitzt

Es ist noch lange nicht Frauentag

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Der internationale Aktionstag namens Frauentag, der am 8. März begangen wird, will die Forderung nach der Gleichberechtigung der Frauen ins Bewusstsein heben – im 21. Jahrhundert begleitet von muttertaghaften Gefälligkeiten (Blumen und Schokolade) und Marketinglügen (Strümpfe und BHs zum halben Preis).

Faktisch sind wir noch sehr, sehr weit von einem richtigen Frauentag entfernt. Ja, mancherorts finden Demonstrationen statt, Frauengruppen treffen sich zu teils feministischen Lesungen oder auch zum interkulturellen Buffetplausch. Damit sind wir aber noch nirgends. Eine nicht so freundliche Erinnerung:

Frauentag wird dann sein, wenn keine Frau mehr vergewaltigt, genötigt oder bedroht wird. Und auch, wenn keiner Frau nach einer Vergewaltigung die Schuld gegeben wird («lauf halt nicht so rum»).

Der Frauentag wird jener Tag sein, an dem Frauen tatsächlich für dieselbe Arbeit denselben Lohn erhalten und unbezahlte Haus- und Pflegearbeit von allen gleichermassen getragen wird. Wenn Mädchen und Frauen nicht mehr ihr Leben lang eingetrichtert bekommen, dass sie brav sein sollen, wenn sie berechtigerweise wütend sind.

Den Frauentag rufe ich dann aus, wenn «Pussy» nicht mehr als Schimpfwort für Verweichlichung und Schwäche gebraucht wird, und wenn es überhaupt keine Schimpfwörter mehr für Genitalien gibt. Wenn geschlechterneutrale Sprache als Selbstverständlichkeit gilt und nicht mehr als «Zensur der Meinungsfreiheit».

Den Frauentag nenne ich jenen Tag, an dem das reichste Land der Welt im «Global Gender Gap Report» des WEF nicht mehr auf dem 20. Rang landet. Bis dahin bleibt viel zu tun. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.03.2019, 18:15 Uhr

Sharon Saameli, Redaktorin ZU

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