Pro & Contra

Ist es richtig, dass die Bahnhöfe künftig rauchfrei werden?

Ab dem kommenden Dienstag werden alle Schweizer Bahnhöfe etappenweise rauchfrei. Nur noch in ausgewiesenen Raucherzonen darf dann auf den Perrons gequalmt werden.

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Ja

Vor ein paar Tagen wartete ich am Bahnhof Oberglatt auf den Zug. Auf einer Sitzbank sass ein rauchender Zeitgenosse und es windete mir dauernd den Qualm seiner Zigarette ins Gesicht. Wo ich mich auch hinstellte, es gab kein Entkommen. Damit soll nun endlich Schluss sein, und das ist gut so. Die Schweizer Bahnhöfe werden ab nächster Woche sukzessive rauchfrei.

Passivrauchen im Freien ist wohl nicht besonders gesundheitsgefährdend, unangenehm ist es aber allemal. Es ist einfach unangebracht, die Mitmenschen mit Zigarettenrauch zu belästigen. Besonders wenn diese zu den Stosszeiten auf den engen Perrons kaum ausweichen können.

Als Vater eines kleines Sohnes stören mich ausserdem die vielen Zigaretten, die im Gedränge an den Haltestellen stets auf Kopfhöhe der Kinder am Glimmen sind. Durch eine kleine Unachtsamkeit könnte das schnell ins Auge gehen. Ausserdem animieren die vielen sichtbaren Zigaretten im öffentlichen Raum die Kinder zum Nachahmen.

Und dann gibt es auch noch einen ganz praktischen Grund, dass Rauchen an den Bahnhöfen zu verbieten: den Abfall. Das Reinigen der mit Stummeln übersäten Gleise und Bahnsteige kostet die SBB jedes Jahr Millionen von Franken.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis unsere Bahnhöfe rauchfrei werden. Die Raucherabteile in den Zügen sind längst Vergangenheit, unsere Flughäfen sind rauchfrei, ganz zu schweigen von den Flugzeugen, und auch in den Gängen der Universitäten darf nicht mehr gequalmt werden. Weshalb die Bahnperrons so lange verschont blieben, ist mir ein Rätsel.

Dass innerhalb von markierten Zonen an den Bahnhöfen weiterhin geschlotet werden darf, mag ich den Rauchern gönnen. Ich würde mich allerdings nicht gerne freiwillig so als Süchtigen vor den anderen Passagieren ausstellen lassen.

Wer es heute nicht schafft, das Rauchen aufzugeben, muss damit leben, dass er mit seiner Sucht immer weiter von der Gesellschaft ausgegrenzt wird. Irgendwann wird das Rauchen möglicherweise ganz aus dem öffentlichen Raum verschwinden.

Bis ich allerdings in den Genuss eines rauchfreien Bahnhofs Oberglatt komme, muss ich mich noch etwas gedulden. Erst bis Mitte 2020 sollen alle Stationen qualmfrei sein.

Nein

Nun ist es also so weit: Am 4. Juni machen die SBB die Bahnhöfe Burgdorf, Lyssach, Hindelbank und Schönbühl rauchfrei – teilweise zumindest. Das Rauchverbot unter freiem Himmel in der Schweiz ist nicht mehr aufzuhalten. Absurd! Rauchverbote im Freien sind überflüssig.

Die Hexenjagd gegen Raucher wird nun also von den Innen- in die Aussenbereiche verlegt. Verbannte man die Glimmstängel im Kanton Zürich vor neun Jahren (richtigerweise) aus den Restaurants, sind nun die Bahnhofperrons an der Reihe. Auch ich als Raucher nervte mich vor 2010 daran, wenn im Innern eines Restaurants am Nachbartisch jemand den Glimmstängel anzündete, während ich noch am Essen war. Im Gartenrestaurant störte und stört es mich hingegen kein bisschen. Der Rauch im Freien ist so schnell verflogen, dass nur sehr intolerante Wesen wirklich Furcht davor haben, am Passivrauchen zu verelenden. Das Argument des Nichtraucherschutzes ist also sehr dürftig.

Die SBB argumentieren auch damit, dass die grosse Menschendichte auf den Perrons zu «potenziell heiklen Situationen mit Zigaretten und Kunden in deren Umfeld in Bezug auf Kleider, Haare und Haut» ergebe. Sicherheit geht vor, das verstehe ich. Ich wage aber zu bezweifeln, dass sich die Anzahl der durch brennende Zigaretten versengten Frisuren oder Gucci-Deuxpièces und Nadelstreifenanzüge wegen der immer immenser werdenden Pendlerströme explosionsartig vervielfacht hat. Ausserdem gibt es noch weitere «potenziell heikle Situationen» auf den Perrons. Soll ich nun ein Verbot für Café-to-go-Becher oder Glaces fordern?

Fakt ist: In den letzten Jahren ist das Rauchen immer mehr eingeschränkt worden. Ich wehre mich dagegen, dass mich schon wieder jemand bevormunden will, dass mir erneut gesagt wird: «Du und deine Qualmerei sind in unserer Gesellschaft nicht erwünscht.» Rauchen mag wohl kein Menschenrecht sein, Nichtrauchen aber auch nicht.

Zum Schluss noch einen Appell an alle Raucher: Werft die Kippe in den Aschenbecher! Davon hat es nun wirklich genug auf den Perrons. Stummel im Gleisbett sind widerlich! Ob das Rauchverbot dagegen allerdings hilft, bleibt offen. Schliesslich werden die Bahnhöfe nicht ganz rauchfrei. Geplant sind speziell markierte Raucherbereiche. Der nächste Konflikt zeichnet sich also bereits ab.

Erstellt: 31.05.2019, 16:41 Uhr

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