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Ist es sinnvoll, im Internet einzukaufen?

Manor schliesst per Ende April seine Filiale in Bachenbülach. Das Geschäft konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Verantwortlich dafür ist auch der blühende Onlinehandel. Soll man im Internet einkaufen oder nicht?

Rund um die Uhr einkaufen: Onlineshopping macht es möglich.
Rund um die Uhr einkaufen: Onlineshopping macht es möglich.
Pixabay

Fabian Boller, Blattmacher/Redaktor

Ja

So ein Einkaufsbummel durch die Stadt oder das Glattzentrum ist eigentlich gar nicht so schlecht. Leider bleibt mir dies aus Zeitmangel oft vergönnt. Deshalb bin ich froh, wenn ich meine Einkäufe über das Internet erledigen kann.

Ein grosser Vorteil des Online-Shopping ist ausserdem die Preistransparenz. Sokann ich innert Minuten abklären, wo ich ein Produkt am günstigsten bekomme – ohne dazu sieben Läden zuFuss oder gar mit dem Auto abklappern zu müssen.

Die Katze im Sack kaufe ich im Internet ebenfalls nicht. Dank zahlreichen Produktbewertungen von meinen Vorkäufern kann ich mich bis ins kleinste Detail über Stärken und Schwächen meines gewünschten Artikels informieren und meinen Kaufentscheid darauf abstützen. Im Laden wurde mir leider viel zu oft von inkompetenten Verkäufern versucht, ein Produkt aufzuschwatzen und am Ende noch eine Garantieverlängerung anzudrehen. Detailierte Fragen zum Artikel wurden oft ausweichend beantwortet. Insgesamt fühle ich mich als Konsument im Internet mündiger als im Verkaufslokal.

Auch in Sachen Umwelt muss ich mir beim Einkaufen über das Internet nicht unbedingt etwas vorwerfen lassen. Denn wenn ich bei einem Versandhaus gleich mehrere Artikel miteinander bestelle, ist das unter dem Strich umweltschonender, als wenn ich mit dem Auto mehrere Läden besuchen muss. Klar könnte ich auch das Fahrrad oder den öffentlichen Verkehr nehmen, doch den neuen Kaffeevollautomaten kann ich so nicht nachhause transportieren.

Das lokale Gewerbe unterstütze ich trotzdem, nämlich dort, wo das Online-Shopping keinen Sinn macht. Meine Patisserie kaufe ich im Ort, das Velo meines Sohnes lasse ich vom lokalen Velomech reparieren und den Braten besorge ich beim Metzger um die Ecke. Auch Kleider probiere ich lieber an undkaufe sie im Laden.

Das einheimische Gewerbe hat also durchaus eine Chance, gegen den Onlinehandel zu bestehen. Zum Beispiel eben in dem es Produkte und Dienstleistungen anbietet, die über das Internet nicht erhältlich sind. Mit etwas Innovation und Kreativität kann so dem Internet Paroli geboten werden. Wer aber einfach an seinem alt gebackenen Geschäftsmodell festhält, wird es in Zukunft schwierig haben.

Andrea Söldi, Redaktionelle Mitarbeiterin und freie Journalistin

Nein

Zugegeben: Hin und wieder bestelle auch ich mittlerweile etwas online. Ich habe festgestellt, dass das Mittel für meine Kontaktlinsen im Internet deutlich günstiger zu haben ist, als bei meinem Optiker. Doch ein leicht schlechtes Gewissen befällt mich jeweils schon, wenn er mich nach der Linsenkontrolle fragt, ob ich noch ein Pflegemittel brauche, und ich verneine. Dem kleinen, sympathischen Geschäft mit der persönlichen Bedienung entgeht so eine Einnahmequelle.

Doch abgesehen von einigen Ausnahmen bin ich immer noch eine grosse Verfechterin des direkten Einkaufs. Ob Kleider, Schuhe, Esswaren oder Alltagsgegenstände – ich will die Dinge ansehen, spüren und anprobieren, bevor ich sie kaufe. Bei komplizierteren Abwägungen – etwa für eine Kaffeemaschine oder einen Staubsauger – bin ich froh um eine Beratung. Funktioniert das Gerät nicht einwandfrei, möchte ich es ins Geschäft zurückbringen können. Häufig kann einem das Verkaufspersonal dann auch mit einem Tipp weiterhelfen.

Doch mit dem Onlinehandel verschwinden Geschäfte immer mehr. Unsere Innenstädte veröden zusehends und kompetentes Verkaufspersonal ist nicht mehr gefragt. Trotz Gefahr, für eine altmodische Nostalgikerin gehalten zu werden: Ich halte dies für einen Verlust.

Ganz zu schweigen von den Bergen an Verpackungsmaterial, welche die Pakete hinterlassen. 148 Millionen Pakete hat allein die Post letztes Jahr transportiert. Das sind 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Onlinehandel wächst rasant. Die Möglichkeit, so einfach vom Sofa oder Bus aus alle denkbaren Dinge ins Haus zu bestellen, heizt die Konsumlust kräftig an. Über 50 Prozent der Ware wird wieder zurückgesendet. Doch davon kann nicht alles wieder verkauft werden. Wie viel davon im Abfall landet, wollen die Versandhäuser nicht in Zahlen bekannt geben. Sie werden ihre guten Gründe dafür haben.

Damit das Geschäft dennoch rentiert, wird bei den Zulieferern und Mitarbeitenden gespart. Die Arbeitsbedingungen bei Online-Versandhäusern wie Amazon oder Zalando sind bekanntlich prekär.

Ich kann verstehen, wenn sich Menschen in abgelegenen Bergtälern das Einkaufen über Online-Shopping erleichtern. Als Bewohnerin eines städtischen Umfelds mit einer Vielfalt an Läden möchte ich aber nicht zu dieser unseligen Entwicklung beitragen.

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