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Können Kinder von der Skischule profitieren?

In vielen Gemeinden sind derzeit Skiferien. Da stellt sich für manche Eltern die Frage: Soll ich mein Kind in die Skischule schicken? Zwei Redaktorinnen kommen auf unterschiedliche Antworten.

Ein Skilehrer instruiert eine Gruppe Kinder.
Ein Skilehrer instruiert eine Gruppe Kinder.
Keystone

Daniela Schenker, Redaktorin

Ja

Es war vor zwei Wochen. Ich sass auf dem Sessellift, als es von unten an meine helmgeschützten Ohren drang: «Talski entlasten, Mia-Sophie, Taaaaaaaalski.» Die etwa vierjährige Mia-Sophie konnte mit diesem väterlichen Befehl wenig anfangen. Irgendwie verständlich – wurde aus dem Talski nach dem Stemmbogen doch plötzlich ein Bergski. Im Falle der Kleinen führte das erst zu einer grobmotorischen Verwirrung, dann zum Sturz und folgerichtig zum verzweifelten Gebrüll.

Ich beneide Eltern, die ihren Kindern das Skifahren selber beibringen wahrlich nicht. Ihr Lohn besteht anfänglich meist aus Schweiss, Gezeter, Frustration und – vielleicht am härtesten – dem Verzicht aufs eigene Skivergnügen. Mal ganz abgesehen davon, dass die wenigsten Eltern über die für diese Sportart erforderliche pädagogische und fachliche Kompetenz verfügen. Der Fahrstil von Mia-Sophies Eltern dürfte sich jedenfalls sicher in keinem Lehrbuch finden und die Reaktion auf den Sturz in keinem Erziehungsratgeber.

Wohlverstanden, ich bin nicht dafür, dass man die Kleinen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Hände von Fachpersonen abschiebt. Aber auf der Piste macht das gleich aus mehreren Gründen Sinn – vor allem für die Jüngsten. Die Skigebiete haben sich mittlerweile bestens auf deren Bedürfnisse eingerichtet: mit gesicherten, für Skischulen reservierten Kinderbereichen und Pisten. Dort schweben die Skizwerge auf «Zauberteppichen» bergan. Ehe es runtergeht, gibt es altersgerechte Tipps und Übungen von geschulten und vor allem geduldigen Lehrpersonen.

Wer es von Anfang an richtig lernt, wird sich sicherer fühlen und so auch mehr Freude am weissen Sport haben. In einer Gruppe von Gleichaltrigen ist der Ansporn grösser, und es macht meist erst noch mehr Spass. Überdies lernen die Mini-Raser Rücksichtnahme und Abstand halten. Ein Skirennen oder eine liebevolle Skilehrerin bleiben zudem oft lange in Erinnerung.

Und während die Kinder in sicherer Obhut sind, können die Eltern ein paar unbeschwerte (und zügige) Abfahrten geniessen, bevor sie die Kleinen in der Skischule abholen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen bleibt immer noch genug Zeit für eine gemeinsame Abfahrt. Dann kann der Ski-Nachwuchs zeigen, welche Fortschritte er unter kompetenter Anleitung gemacht hat – ganz ohne Talski-Didaktik.

Martina Hagenauer, Redaktorin

Nein

Für eine Unterländerin habe ich in meiner Kindheit relativ viel Zeit auf der Skipiste verbracht. Die Ferien im Schnee habe ich immer geliebt, nur nicht die Zeit in der Skischule, die ich halbtags besuchte. Mal abgesehen von meinem allerersten Skirennen überhaupt, bei dem ich vor allen anderen um die Tore raste, habe ich nämlich leider keine guten Erinnerungen an die Skischule. Ich habe mich einfach immer auf den Nachmittag gefreut, denn dann war keine Skischule!

Morgens sind nämlich jeweils keine zehn Minuten vergangen, bis irgendeine Sabrina oder ein Tobias im Schnee lag und somit den Anschluss an die Gruppe verpasst hat. Endlich wieder alle beisammen, musste Klein-Isabell dann sicher noch auf die Toilette und der britische Sprössling Andrew, der eh sprachlich vom Unterricht nicht viel mitbekam, hatte endgültig keine Lust mehr und setzte sich streikend in den Schnee.

Dann fehlte sicher irgendjemandem noch ein Ski oder ein Handschuh und irgendein Körperteil tat irgendjemandem durch einen Sturz immer wahnsinnig fest weh, garantiert. Und ich – ich habe durch das lange Warten im Schnee einfach immer gottsjämmerlich gefroren.

Verstehen sie mich jetzt nicht falsch, ich bin die erste die sagt, dass Kinder richtig Skifahren lernen und nicht rücksichtslos den Hügel runter donnern sollen. Aber müssen es denn so grosse Gruppen sein, die mit ihren Stemmbögen von links nach rechts die ganze Piste blockieren? Ich stelle es mir einfach wahnsinnig schwierig vor, zehn wackelige Knirpse auf einer Piste unter Hunderten anderer Skifahrern zu kontrollieren.

Deshalb plädiere ich für Kleingruppen oder sogar Privatunterricht – was natürlich ins Geld geht. Trotzdem: Ein paar wenige Stunden mit einem guten Privat-Skilehrer bringen sicher mehr als wochenlanges Warten in der Zehnergruppe. Und wenn die Kleinen dann mal die Grundzüge des Skifahrens gelernt haben, können sie auch mit den Eltern an einem wenig befahrenen Hang üben. Denn was neben der richtigen Technik auf der Skipiste fast noch wichtiger ist, und leider auch viele Erwachsene nicht beherrschen, sollten Eltern ihren Kindern sowieso am besten selbst vorleben: Anstand, Rücksicht und eine Portion Gelassenheit.

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