Ratgeber Recht

Private Strafanzeigen gegen Verkehrsteilnehmer

Ein Lenker, der zu schnell fährt oder ein Velofahrer, der bei Rot nicht anhält – es gäbe viele Gelegenheiten Verkehrsteilnehmer anzuzeigen. Doch wann ist dies tatsächlich sinnvoll?

Hinter dem Steuer stösst man immer wieder auf andere Verkehrsteilnehmer, die sich mutmasslich nicht an die Regeln halten.

Hinter dem Steuer stösst man immer wieder auf andere Verkehrsteilnehmer, die sich mutmasslich nicht an die Regeln halten. Bild: Archiv ZU

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frage eines Ratsuchenden: Immer wieder fallen rücksichtslose Verkehrsteilnehmer unangenehm auf. Kann ich zum Beispiel Raser anzeigen, wenn ich zweifelsfrei ihre Nummer gemerkt habe?

Experten-Antwort*: Grundsätzlich darf jede Person, die eine Straftat beobachtet, Strafanzeige erstatten (Art. 301 StPO). Der Anzeigeerstatter kann am Strafverfahren aber nur teilnehmen, wenn er durch die Straftat selber geschädigt wurde. Das ist bei Verkehrsdelikten üblicherweise nicht der Fall, solange damit nicht eine Körperverletzung, Sachbeschädigung oder dergleichen verbunden ist. Auf Anfrage wird ihm lediglich mitgeteilt, ob überhaupt ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Ob und wie der Verzeigte bestraft wurde, erfährt er nicht. Er muss aber damit rechnen, von der Polizei, Staatsanwaltschaft und in Ausnahmefällen auch vom Gericht als Zeuge befragt zu werden.

Mit und ohne weitere Zeugen wird es beweistechnisch schwierig, zu erstellen, wer überhaupt das Fahrzeug gelenkt hat und wie sich das fragliche Fahrmanöver exakt zugetragen hat. Die Frage der «dash cams» lasse ich aussen vor, weise aber darauf hin, dass die Zulässigkeit solcher Videoaufnahmen an sich und im Speziellen als Beweismittel im Strafverfahren noch sehr umstritten ist.

Nach meiner Erfahrung werden andere Verkehrsteilnehmer meist dann angezeigt, wenn sich zuvor eine Auseinandersetzung ereignet hat. In solchen Fällen läuft der Anzeigeerstatter zudem Gefahr, mit Gegenbeschuldigungen konfrontiert zu werden und kurz darauf selber zum Beschuldigten im eigenen Strafverfahren zu werden.

Ich rate deshalb von privaten Strafanzeigen aufgrund mutmasslicher Verkehrsdelikte ab. Anders sieht es aus, wenn man z.B. auf einen offensichtlich betrunkenen Automobilisten trifft, der den Verkehr gefährdet und so rasch als möglich gestoppt werden muss.

Andreas Sutter, lic. iur. ist Rechtsanwalt.

In Zusammenarbeit mit professionellen Rechtsberatungen und Behörden beantwortet Peter Trösch Ihre Fragen aus dem Alltag rund ums Auto. Anfragen sind zu richten an: ptroesch@landbote.ch. ()

Erstellt: 17.11.2015, 14:46 Uhr

Artikel zum Thema

Mit einem ausländischen Auto in der Schweiz fahren

Ratgeber Recht Reisenden ist es erlaubt auf hiesigen Strassen ausländische Fahrzeuge zu benutzen. Gilt dies auch für Schweizer, die das Auto eines ausländischen Freundes benutzen wollen? Ein Beitrag von Rechtsanwalt Daniel Leiser*. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Newsletter

Die Woche in der Region.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles