ZUgespitzt

Sprüche klopfen

In der Kolumne «ZUgespitzt»greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Vor 40 Jahren habe ich in San Francisco für ein paar Dollar ein kurzärmliges Leibchen, besser bekannt unter dem Ausdruck T-Shirt,gekauft. Abgebildet war darauf Uncle Sam in bekannter Art mit dem blau-weissen Sternenzylinder, mit strengem Blick und mit seinem ausgestreckten Zeigefinger. Darunter stand in Englisch geschrieben: «Komm in die Armee, reise mit ihr um die Welt, lerne viele interessante Leute kennen – und töte sie».

Das T-Shirt aus dem pazifistischen Kalifornien habe ich schon lange nicht mehr (es wäre heute auch viel zu klein für mich – und zwar nicht wegen des heissen Waschens). Aber das Stück Stoff ist mir wieder in den Sinn gekommen, als ich vor einiger Zeit am Bahnhof Bülach und kurz danach im CD-Center in Dielsdorf je einen Mann sah, die mich eben an mein Leibchen von damals erinnert haben. Einfach mit umgekehrten Vorzeichen.

Beide waren muskelbepackt und damit ihre Testosteron-Trophäen auch gut in Erscheinung treten konnten, waren die T-Shirts ohne T, will heissen, sie waren ganz ärmellos. Was mich aber in Staunen versetzte, waren die martialischen Sprüche, die sie auf der geschwellten Brust vor sich her trugen. Sie lauteten (aus dem Englischen übersetzt): «Ich schwöre, ich habe nichts Gutes im Sinn» und «Kein Rückzug, keine Kapitulation».

Ich kam ins Grübeln, ob ich ihnen irgendein Kompliment machen sollte – nur so zur Stärkung ihres Selbstvertrauens. Das schien mir dann aber doch zu gewagt, die Folgen waren absehbar. Also liess ich es bleiben und überlegte mir, was ich für eine T-Shirt-Botschaft spazieren tragen würde, wenn ich solche Leibchen überhaupt trüge (ich ziehe lieber Hemden an, kurzärmlige).

Zu Hause kam ich nicht umhin, auf Google nach T-Shirt-Sprüchen zu suchen. Die Auswahl ist gross, die Qualität der Sprüche sehr unterschiedlich.

Nicht tragen würde ich: «T-Shirt-Sprüche sind Scheisse» oder «Wenn niemand perfekt ist, bin ich niemand» oder «Hier grilliert der Chef persönlich».

Tragen würde ich: «Ich führe oft Selbstgespräche, denn ab und zu muss man auch mit einem vernünftigen Menschen reden» oder «Alt bist du erst, wenn du zum Archäologen überwiesen wirst». Das ist doch tröstlich. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.10.2018, 10:47 Uhr

Cyprian Schnoz, Redaktor Zürcher Unterländer

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