Trockenheit

Regenmangel lässt Grundwasserspiegel sinken

Im Kanton Zürich kann von Dürre keine Rede sein. Wenn es in einer Region knapp wird, hat man immer noch den Zürichsee. Trotzdem macht sich die lang anhaltende Trockenperiode auch hierzulande bemerkbar.

Das Grundwasser stösst beim sogenannten «Goldenen Tor» in Kloten an die Oberfläche .

Das Grundwasser stösst beim sogenannten «Goldenen Tor» in Kloten an die Oberfläche . Bild: Keystone

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In der Schweiz gibt es genug Wasser. Dennoch bedeutet die Trockenheit, die sich dieses Jahr vom Frühling über den Sommer bis in den Herbst hineinzieht, für die Wasserversorgungen eine grosse Herausforderung. «Wir verzeichneten dieses Jahr Spitzenwerte bei den Wasserbezügen», sagt Karl Strickler, Betriebsleiter der Gruppenwasserversorgung Furttal, der 13 Gemeinden im Furttal und im unteren Glattal angehören.

Sie haben sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, um die Wasserversorgung auch in trockenen Zeiten zu gewährleisten.Im Furttal ist die Situation besonders angespannt: Die Region ist kaum mit Grundwasservorkommen gesegnet (siehe Karte) und gleichzeitig gibt es zahlreiche Gemüsebauern, die viel Wasser benötigen. In den vergangenen Monaten gaben auch die Quellen nicht mehr viel her. Bereits im Februar habe man vorsorglich begonnen, grössere Mengen Fremdwasser in die Reservoirs einzuspeisen, sagt Strickler. Dieses stammt aus dem Zürichsee und aus Winterthur, das es aus einem mächtigen Grundwasservorkommen im Tösstal bezieht.

Unterirdische Seen und Wüsten im Unterland (Quelle: Foto: GIS-Browser)

«Wir erhalten stets etwas weniger Niederschlag als zum Beispiel das Oberland», erklärt Strickler. «Wegen der Lägern und dem Altberg geht der Regen häufig an uns vorbei.» Dieses Jahr sei es noch extremer gewesen. Zwischen März und September sei der Grundwasserspiegel um rund 4,5 Meter gesunken – mehr als in anderen trockenen Jahren wie etwa 2003 und 2015. Die Verantwortlichen haben mit den Landwirten ausgehandelt, wer, wann, wie viel Wasser beziehen darf. «Wir konnten die Lieferungen an die Gemeinden zwar stets erfüllen, aber der Aufwand war ausserordentlich», blickt der Betriebsleiter auf die letzten Monate zurück. Meist erhole sich der Grundwasserpegel über den Winter wieder. Doch dieses Jahr ist Strickler besorgt: «Es müsste nun endlich mal wieder so richtig anhaltend regnen.»

Etwas weniger dramatisch tönt es aus Embrach. Bei den beiden Pumpwerken liege der Grundwasserpegel immer noch 15 bis 60 Zentimeter höher als 2003, sagt Wassermeister Reto Meier. Dies könnte aber auch damit zusammenhängen, dass man damals mehr Verluste verzeichnete. Unterdessen sind viele Leitungen saniert worden. Im Vergleich mit dem Bezirk Dielsdorf ist Embrach recht gut mit Grundwasser versorgt. Zudem leitet das Embrachertal Wasser aus Bülach heran, das wiederum über die grossen Reserven im Rafzerfeld versorgt wird. «Wir beziehen bereits vorsorglich Wasser, um unser Grundwasservorkommen zu schonen», erklärt Meier. Zudem müssten die Leitungen immer gut durchgespült werden.

Zürichsee versiegt nicht

Dass der Ausgleich zwischen den Gemeinden gut funktioniert, ist der Koordination des Kantons zu verdanken. «Im Kanton Zürich ist die Trinkwasserversorgung nirgends ein Problem», sagt Kurt Nyffenegger vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft. Kantonsweit stammen etwa 40 Prozent des Trinkwassers aus dem Zürichsee, 20 Prozent von Quellen und 40 Prozent aus dem Grundwasser. Die Pegel der bedeutenden Grundwasservorkommen sinken in der Schweiz selbst nach langen Trockenperioden nur leicht. In anderen Teilen der Welt dagegen verläuft der Prozess kontinuierlich; so zum Beispiel im trockenen Südspanien, wo ein beträchtlicher Teil unseres Gemüses wächst.

Beim unterirdischen Wasser handle es sich meist um träge Systeme, erklärt Nyffenegger. Während kleinere Oberflächengewässer wie etwa Bäche im Sommer schnell austrocknen können, werden die Grundwasservorkommen, die für die Wasserversorgung bedeutend sind, von grossen Flüssen gespeist. «Der Zürichsee ist zudem ein unerschöpfliches Reservoir.»

Brunnen brauchen wenig

Trotzdem haben dieses Jahr diverse Gemeinden in den Bezirken Bülach und Dielsdorf zum Wassersparen aufgerufen. So zum Beispiel Kloten. «Es ist für uns teurer, wenn wir Wasser zukaufen müssen», begründet Markus Peyer von der Industriellen Betrieben Kloten den Appell. Für die Verbraucher ist der Trinkwasserpreis aber stets gleich geblieben. Während Kloten in normalen Jahren nur etwa die Hälfte aus dem Zürichsee bezog, sei der Anteil dieses Jahr auf 65 Prozent gestiegen - Tendenz gegen 70 Prozent, sagt Peyer. Der Sparaufruf an die Bevölkerung habe kaum spürbare Auswirkungen auf den Verbrauch.

In etlichen Gemeinden waren zudem die öffentlichen Brunnen während der grössten Hitze abgestellt. Diese Massnahme sei zwar eher symbolischer Art, sagt Karl Strickler von der Gruppenwasserversorgung Furttal, denn im Vergleich zur Landwirtschaft seien die Mengen bei den Brunnen ziemlich klein. «Doch die Leute würden es nicht verstehen, wenn wir zum Wassersparen aufrufen und bei den Brunnen gleichzeitig rund um die Uhr Wasser aus den Hähnen fliesst.»

Erstellt: 12.10.2018, 17:13 Uhr

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