Regensdorf

Regensdorf bereitet Senevita einen kühlen Empfang

In Buchs nimmt im nächsten Jahr ein Senevita-Seniorenzentrum mit Wohnungen und Pflegeplätzen den Betrieb auf – mit Unterstützung der Gemeinde. In Regensdorf soll ab 2019 ein ebensolches gebaut werden – was dort auf heftigen Widerstand stösst. Am Montag lud das Forum 02 Regensdorf die Parteien zu einem Informationsabend.

In Regensdorf will man kein privates Alterswohn- und Pflegezentrum.

In Regensdorf will man kein privates Alterswohn- und Pflegezentrum. Bild: mcp

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Die Gemeindepräsidenten von Buchs und Regensdorf, Thomas Vacchelli und Max Walter, sowie Werner Müller von der Senevita-Geschäftsleitung aus Bern gaben sich im Begegnungszentrum Sonnhalde ein Stelldichein. Gerade mal rund 30 überwiegendältere Personen aus beiden Gemeinden fanden sich dazu ein. Sie zeigten in der Fragerunde dafür umso lebhafteres Interesse.

Moderator Robert Frommenwiler, Co-Präsident des Forums 02, präsentierte kurz die Ausgangslage der Pflegesituation im Bezirk Dielsdorf sowie in den beiden betroffenen Gemeinden: Demnach beteiligen sich alle 22 Gemeinden des Bezirks am Gesundheitszentrum Dielsdorf (GZD). Buchs befürwortet ein privates Alterswohn- und Pflegezentrum. Mit 18 Alterswohnungen und 81 Pflegeplätzen wird es im kommenden Frühjahr eröffnet.

Regensdorf lehnt ein solches ab, die Baubewilligung liegt jedoch beim Kanton, der bis im kommenden Monat entscheiden soll; Senevita möchte in der Furttalmetropole im Jahr 2019 den Bau für 93 Alterswohnungen und 40 Pflegeplätze aufnehmen. Ab Ende 2021 sollen sie bezugsbereit sein. «Dieses gegenteilige Verhalten haben wir nicht verstanden, deshalb der heutige Informationsanlass», schloss Frommenwiler.

Glück und Frustbei Nachbargemeinden

Also präsentierten zunächst Max Walter und anschliessend Thomas Vacchelli die Pflegesituationen in ihren Gemeinden. Walter stösst sich am «Unsinn in der Langzeitpflege» und daran, dass in der Alterspflege der Kanton bewilligt, was die Gemeinden zu 100 Prozent bezahlen. Er kämpfe nicht gegen private Pflegeeinrichtungen, aber gegen Überkapazität und deren Folgekosten.

Worauf er ausführlich die Angebote und die Entwicklung des GZD mit über 400 Pflegeplätzen schildert, die mit Abstand am meisten von Regensdorf belegt werden und dessen Betriebskommission er präsidiert. Der Moderator brach seine Ausführungen ab mit der Frage: «Braucht der Bezirk keine weiteren Pflegeplätze?» «Nein», antwortet Walter, die bis 2030 benötigten gut 100 Zusatzplätze seien in Dielsdorf bereits geschaffen.

Im Gegensatz zu Walter zeigte sich Thomas Vacchelli glücklich über die Lösung mit dem entstehenden Seniorenzentrum, das von Senevita ohne Buchser Beteiligung gebaut wird. Es bestehe eine Leistungsvereinbarung über 30 Pflegeplätze, die den Bedarf der Gemeinde abdecken sollen. «Unsere Einwohner stehen im Vordergrund», sagte Vacchelli. «Wir hätten es lieber näher im Dorfzentrum gehabt, doch das Einzonen der Reservezone im Zentrum hätte bis zu 20 Jahre gebraucht, das ging nicht.» In Dielsdorf habe man frühere Defizite mitgetragen und bleibe vorläufig auch im Zweckverband, der Anschlussvertrag mit dem Heim in Regensdorf werde aber gekündigt.

Werner Müller von der Senevita-Geschäftsleitung sah das Erstellen eines Wohnheims als rein privates Risiko. «Die Pflegekosten werden vom Kanton festgelegt, Hotellerie und Betreuung legen wir fest.» Und er betrachtete Senevita mit einem Tagessatz von 210 Franken gegenüber dem GZD mit einem solchen von 280 Franken als klar günstigere Lösung. Wer eine Wohnung beziehe, bezahle Steuern am Wohnort, wer einen Pflegeplatz beziehe, an seinem Herkunftsort; der Pflegeplatz verursache der Gemeinde keine Kosten, er werde von Krankenkasse, Bewohner und Herkunftsgemeinde gedeckt. Wechsel von einer Wohnung in die Pflege – was die Gemeinde belasten würde – seien mit etwa 15 Prozent relativ gering.

Lebhafte Diskussion da – kaum neue Erkenntnisse dort

Die Podiumsdiskussion um die erwähnten Punkte lief im Wesentlichen zwischen Walter und Müller ab, dieser eher angespannt und kontrovers. Das Publikum zeigte sich in der Fragerunde kritisch, aber gleichermassen interessiert und offen. Fragen, mehrheitlich an Müller, drehten sich etwa um die Mietkosten und deren Anhebung, wenn der Betrieb nicht rentiert, um die Versorgung von schweren Pflegefällen (Demenz) oder ob sich ein Senevita-Zentrum in Regensdorf überhaupt verhindern lässt. Und ein Buchser freut sich über Vacchellis Engagement für Buchs sowohl in Dielsdorf als auch für die eigene Gemeinde.

Und die Schlussfrage lautete: «Hat der Abend neue Erkenntnisse gebracht?» Thomas Vaccellis Antwort lautete: «Eigentlich nein.» Max Walter meinte: «Nicht viele.» Und Werner Müller bemerkte: «Nicht wirklich. Wie wir in Regensdorf empfangen werden, ist schwierig. Neu aber ist für mich, dass eine Einsprache der Gemeinde Regensdorf beim Kanton liegt.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.05.2018, 11:17 Uhr

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