Dietlikon

Regierungsrätin besucht fortschrittliche Schule

Die Sekundarschule Hüenerweid unterrichtet bereits heute weitgehend gemäss Lehrplan 21, der im Sommer kantonsweit eingeführt wird. Was das heisst, demonstrierten die Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen der Bildungsdirektorin Silvia Steiner.

Regierungsrätin Silvia Steiner war am Montag beeindruckt von den neuen Lernformen. Bild: Leo Wyden

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In einem Klassenzimmer des Dietliker Schulhauses Hüenerweid sitzen die Jugendlichen in Gruppen beisammen. «Ich habe mich gefreut, dass meine Noten besser geworden sind», liest Elena aus ihren Notizen vor. Sie habe sich selber schlechter eingeschätzt als die Lehrerin. «Es kann sein, dass ich mich manchmal ablenken lasse», fügt Elena selbstkritisch an. Vor den Sportferien haben sich die Sek-B-Schülerinnen und -Schüler über das vergangene Semester Gedanken gemacht. Auf einem Selbsteinschätzungsbogen haben sie Erfolge und Schwierigkeiten festgehalten. Auch Debora kann stolz auf das letzte Halbjahr zurückschauen: «Mir ist es gelungen, vor der Klasse etwas zu präsentieren, ohne dass ich Angst hatte. Ich habe mich nicht darum herum gedrückt.»

Nicht nur Kopfwissen

Am Montag gewährte die Schule einen Einblick in ihren Alltag. Weil das Hüenerweid als vorbildlich gilt im Bezug auf zeitgemässe Unterrichtsformen und dafür sogar den Schweizer Schulpreis 2017 gewonnen hatte, war hoher Besuch angemeldet: Bildungsdirektorin Silvia Steiner schaute sich das Modell vor Ort an, begleitet von Volksschulamtschefin Marion Völger. «Es interessiert mich, wie die Sekundarschule auf den Lehrplan 21 vorbereitet ist», sagte die CVP-Regierungsrätin.

Das Lernkonzept mit Fokus auf die Förderung von Kompetenzen wurde in den Kindergärten und Primarschulen bis zur fünften Klasse im ganzen Kanton bereits im letzten Sommer eingeführt. Die sechsten Klassen und die Oberstufe folgen im kommenden Schuljahr. «Ich bin beeindruckt, wie selbstständig die Schülerinnen und Schüler arbeiten und was sie alles können», freute sich Steiner. Es sei deutlich geworden, dass die Schule Dietlikon nicht nur kognitive Fähigkeiten fördere, sondern ebenso Kompetenzen wie Selbstreflexion, Teamfähigkeit und Kommunikation. Solche überfachlichen Qualitäten seien von den anderen Bildungsstufen wie etwa Berufsbildung oder Gymnasium sehr gefragt.

Die gesamte Schule Dietlikon hat bereits vor fünf Jahren mit ihrem Projekt Gute Schule begonnen, als Lehrplan 21 und Kompetenzorientierung noch kaum Thema waren. «Wir haben uns überlegt, was unsere Schulabgänger im 21. Jahrhundert brauchen werden», erklärt Sekundarlehrer Ronny Brunner, der an diesem Tag die Schulleitung vertritt. Im Team habe man gesellschaftliche Megatrends analysiert, Studien konsultiert und anschliessend erweiterte Unterrichtsformen entwickelt, mit denen auch überfachliche Kompetenzen gefördert werden können. Also nicht nur Mathematik und Grammatik, sondern zum Beispiel auch die Fähigkeit, sich Informationen selber zu beschaffen, konstruktiv mit Gefühlen umzugehen oder die eigene Meinung zu hinterfragen.

Mix an Lernformen

Im Untergeschoss sind nun zwei Zweitsekundar-Klassen im Lernatelier versammelt, das mit Computern ausgerüstet ist. Jedes Kind arbeitet mindestens zwei Lektionen wöchentlich selbstständig an seinen Lernzielen und beschäftigt sich mit einem selbst gewählten Thema. Nur gelegentlich müssen die Lehrpersonen Vorgaben machen. «Es ist anspruchsvoll, einen Stoff wie Algebra selber zu erarbeiten», sagt Marcel. Doch wenn man nicht klar komme, könne man immer einen Coach fragen.

«Wir halten einen guten Mix zwischen den Lernformen für sinnvoll», erklärt Ronny Brunner. Ein grosser Teil des Unterrichts sei individuell oder kooperativ. «Aber wir stehen auch zu einem gewissen Teil Frontalunterricht.» Alle vier Wochen hat jedes Kind zudem ein Gespräch, bei dem gemeinsam überprüft wird, ob die Lernziele erreicht werden und nächste Schritte vereinbart werden.

Das Hüenerweid führt die drei Niveaustufen A,B und C. Dass auch die schwächsten Schülerinnen und Schüler vom auf mehr Selbstständigkeit ausgerichteten Modell profitieren könnten, sei herausfordernd, räumt Brunner ein. Erschwerend sei zudem, dass die neuen Lehrmittel noch nicht bereit seien und das Zeugnis nicht so angepasst werde, dass auch die neuen Kompetenzen abgebildet werden können.

Hüenerweid ist bereit

In der Drittsekundarklasse A sitzen die Schülerinnen und Schüler unterdessen in einem Kreis. Sie haben sich gut auf den Besuch der Regierungsrätin vorbereitet. «Im Wahlfach Theater habe ich geübt, aufzutreten. Das hat mir auch beim Vorstellungsgespräch genützt», erzählt Lara. Noel musste bei seinem Vorstellungsgespräch sogar eine Powerpoint-Präsentation vorzeigen. Dank guter Vorbereitung in der Schule hat er die Informatiker-Lehrstelle erhalten. Sejla wiederum engagiert sich in der Schülermitwirkung des Schulhauses. «Ich habe gelernt, wie man Anlässe organisiert und mit Autoritätspersonen diskutiert», sagt die Jugendliche stolz. Bis auf zwei haben alle Schülerinnen und Schüler dieser Klasse bereits eine Lehrstelle gefunden. Zwei werden ins Gymnasium gehen.

Die Bildungsdirektorin zeigte sich sehr angetan von ihrem Einblick. «Die Lehrpersonen sind extrem engagiert», attestierte Silvia Steiner dem Hüenerweid-Team. Es habe die Idee des Lehrplans 21 bereits jetzt vorbildlich umgesetzt. «Dieses Schulhaus wird im nächsten Sommer nicht viel ändern müssen.»

Erstellt: 25.02.2019, 18:12 Uhr

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