Rorbas

Rorbas baute die erste Kirche nach der Zürcher Reformation

Vor 433 Jahren machte eine zu klein gewordene Kapelle von 1188 der Kirche Rorbas Platz. Noch heute gibt der steinerne Zeitzeuge einiges von seiner baulichen Geschichte preis, welche Ueli Wirth die letzten 20 Jahre als Liegenschaftsverwalter der Kirchenpflege eng begleitet hat.

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Die Kirche Rorbas ist der erste sakrale Neubau des reformierten Zürich, neben der zeitgleich errichteten Kirche Rafz. Hoch über der Töss thronend, steht die nach Osten ausgerichtete, nachgotische Saalkirche mit markantem Chorturm noch in der Tra­dition vorreformatorischer Kirchenbauten.

«Heutigen Nutzungsansprüchen genügt sie nur bedingt», meint Ueli Wirth bei der Führung durch das Gotteshaus. Bis zum Juli dieses Jahres war er 20 Jahre als Kirchenpfleger für die Liegenschaftsverwaltung verantwortlich. «Es gibt weder Wasser- noch Abwasserleitung und keine Verkehrsfläche zum Abstellen von Kinderwagen oder für das gesel­lige Beisammenstehen nach dem Gottesdienst», beschreibt er die Situation.

Fehlender Platz war wohl auch einer der Gründe, der vor 433 Jahren zum Bau der Kirche führte. Ihr Vorgänger war eine vor 1188 errichtete, vermutlich von den Freiherren von Teufen gestiftete Kapelle, welche dem Hl. Johannes dem Täufer gewidmet war. Einst der Urpfarrei Embrach zugehörig, bildet Rorbas mit Teufen und Freienstein seit 1513 eine eigene Pfarrei. Mit zunehmend eifrigem Kirchenbesuch als «erste sichtbare Frucht der Reformation» wurde die Kapelle schliesslich zu klein. «Es gab Sonntage, an welchen eine Menge Leute aus­­ser dem Gebäude stehen musste», wusste der Historiker und Rorbaser Pfarrerssohn Karl Dändliker 1870 in seiner Dorfchronik zu berich­ten. Hinzu kam, dass der Kirchturm «ganz baufällig und schadhaft erschien».

Im Juli 1585 wurde der vollständige Neubau von der Zürcher Obrigkeit beschlossen, bereits im Oktober 1586 das erste Kind dort getauft.

Verlängert, bemalt, verziert

Zur Verschönerung erhielt die Kirche 1677 eine im Renaissancestil geschnitzte Kanzel, 1951 wurde diese anlässlich einer umfassenden Innenrenovation samt Auf­gang versetzt. «Den zugehörigen Schalldeckel hat man 1974 wieder montiert, bis dahin lagerte er auf dem Estrich», weiss Wirth zu erzählen. Den auf der anderen Seite des Chorbogens prangenden Bibelspruch habe damals seine Schwester Vreni Traub-Wirth neu in moderner Schriftart gemalt, bemerkt der 65-Jährige nicht ohne Stolz.

Ein Jahrhundert nach der Erbau­ung wurde der Kirchenraum wiederum zu klein, weshalb man das Langhaus 1686 um 2,20 Meter nach Westen verlängerte. Gleichzeitig erhielt die Kirchenfassade eine Bemalung, welche die grauen Eckquader mit schwarzen Konturen nachzeichnete und mit einer entsprechenden Fenstereinfassung verbunden war. Diese wurde im Zug der Aussenrenovation von 1990 teilweise freigelegt und rekonstruiert. Ursprünglich schmückten mit Masswerk ausgestattete Spitzbogenfenster das Langhaus, 1831 gestaltete man diese zu Rundbogenfenstern um. Die in filigraner Steinmetzarbeit entstandenen geometrischen Verzie­rungen sind somit nur noch an den Turmfenstern zu bewun­dern.

Glocken und Fledermäuse

Hinauf in den Turm gelangt man durch das mit neugotischem Vordach versehene Emporenportal, neben dem die Grabplatte des 1628 verstorbenen Gerichtsherren zu Teuffen Hans Meiss ein­gelassen ist. «Pläne, den Estrich in einen modernen Begegnungsraum umzubauen, hat der Denkmalschutz leider durchkreuzt», bedauert Wirth, doch hellt sich seine Miene beim Anblick des Turmuhrwerks von 1886 wieder auf. «Als gelernter Mechaniker fasziniert mich die präzise Technik, auch wenn heute natürlich alles elektronisch gesteuert wird.»

Steile Stufen führen ins Glockengeschoss. 1843 liess die Kirchgemeinde die beiden alten Glocken umgiessen und kaufte eine dritte von Glockengiesser C. Bodmer in Neftenbach hinzu. «Bis 1964 läutete man noch von Hand», berichtet Wirth und zeigt auf die nicht mehr benötigten Seilrollen im Boden. Unter seiner Leitung wurden Schlagwerke, Steuerung und Lager renoviert. Die ausrangierten, vom permanenten Läuten hart gewordenen Klöppel stehen anschaulich im Eck.

Ein schmales Treppchen höher lockt der weite Blick zum Irchel durch eine von altem Mauerwerk gefasste Fensterscharte; währenddessen schwirren Fledermäuse ob des ungewohnten Besuches aufgeregt umher. Zurück auf der Empore, welche 1951 für die neue, seitlich angeordnete Orgel vergrössert wurde, räumt der ehemalige Kirchenpfleger ein: «Im Gottesdienst spielen heute meist ein Piano oder Bands.»

Von Bänken und Gebeinen

Während sich oben noch die Bänke reihen, ist das Schiff seit 1974 frei bestuhlt. Diesen «Deal» konnte Wirths Vater durchsetzen, der 24 Jahre als Kirchen­pflegepräsident amtete. Im Gegenzug führte die Denkmalpflege archäologisch-bauanalytische Untersuchungen durch, stiess dabei auf Mauerreste der Kapelle und hob drei mittelalterliche Gräber aus.

Der Hanglehm, auf dem die Fundamente erstellt wurden, dürfte bereits den alten Baumeistern zu schaffen gemacht haben. «Das Erdreich ist auch schlecht für die Verwesung, weshalb man den umliegenden Friedhof 2017 nach Ablauf aller Ruhefristen aufgehoben hat», weiss Wirth auch von Berufs wegen, er ist Vorsteher des vor 20 Jahren in Betrieb genommenen Friedhofs der Gemeinden Rorbas-Freienstein-Teufen. Zum Schutz des Kirchengebäudes vor Feuchtigkeit zog man vor etlichen Jahren Belüftungskanäle ein: «Die Kinder des damaligen Pfarrers haben darin mit ihren Freunden Verstecken gespielt.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.09.2018, 20:36 Uhr

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