Rümlang

Rümlanger Heimspiel für musikalischen Grenzgänger

Bereits als Bub suchte Dodo Leo das Rampenlicht. Um von seiner Leidenschaft leben zu können, kehrte er der Heimat den Rücken. Anlässlich der «Tour de Suisse» mit seiner Band Carlini, Dodo Leo & Martin findet der Musiker nach zwei Jahrzehnten zu seinen Wurzeln zurück.

Erste Bühnenerfahrungen sammelte Dodo Leo an den Feiern des Gruppo Sportivo Italiano. Amelia Mazzone hielt 1977 für ihn das Mikrofon.

Erste Bühnenerfahrungen sammelte Dodo Leo an den Feiern des Gruppo Sportivo Italiano. Amelia Mazzone hielt 1977 für ihn das Mikrofon. Bild: PD

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Rümlang. Eigentlich besuche er seine ­Eltern sonst nur an Weihnachten, erzählt Dodo Leo, der 1973 in Bülach geboren, in Rümlang aufgewachsen und vor 19 Jahren nach Hannover ausgewandert ist. «Die Musik hat immer meinen Weg bestimmt», sagt er, und sie führt ihn auch am 22. März in seine Heimat zurück – das bereits ausverkaufte Konzert in ­Vögi’s Chäller ist für ihn der emotionale Höhepunkt der «Tour de Suisse» seiner Combo Carlini, Dodo Leo & Martin.

In die Wiege gelegt wurde ihm seine Passion nicht, wie der 45-Jährige am Telefon erzählt. Keiner in der Familie sei besonders musikalisch; sein Vater Antonio, ganz Italiener, sei vor allem fussballverrückt. «An Vereinsfesten stand ich schon als Vierjähriger mit der Plastikgitarre auf der Bühne und schmetterte Lieder von Toto Cutugno.»

Den Jugendkeller gerockt

Mit neun Jahren durfte Dodo, den seit dem Kindergarten niemand mehr Salvatore nennt, zum ersehnten Klavierunterricht, mit zwölf stieg er beim Jugend­blasorchester als Schlagzeuger ein, noch bevor er spielen konnte. Bald gründete er seine eigene Hardrock-Band. «Als sich ein besserer Drummer fand, durfte ich als Frontmann und Sänger die Fans im Jugendkeller mit Eigenkompositionen beglücken.»

Eine fünfjährige Gesangsausbildung stärkte seine musikalischen Ambitionen, beruflich absolvierte er die Lehre als Lastwagenfahrer – seine Eltern bestanden auf einer soliden Aus­bildung. «Dafür bin ich ihnen dankbar, auch wenn ich damals schon den Plan hatte, von der Musik zu leben.» Inspiration fand er im lebensfrohen Seattle, wo er Gitarre spielen lernte. Zurück in Rümlang, rief er die nächste Hardrock-Band ins Leben, tourte durch die Schweiz, Italien und Tschechien. «Wir waren mit dem VW-Bus oft wochenlang unterwegs und traten auf, wo man uns liess.»

Mit Genres jonglieren

Unstimmigkeiten führten 1998 zum Bruch, Dodo Leo sah für sich kaum noch Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Schweiz: «Die kulturellen Grenzen sind eng gesteckt, weniger ­bekannte Künstler haben es extrem schwer.» Für Studioaufnahmen reiste er 1999 ins norddeutsche Hannover. Statt mit dem Demo-Tape in der Tasche den Heimweg anzutreten, entschied er sich, zu bleiben. «Ich glaubte nicht mehr ­daran, in der Schweiz mit meiner Musik etwas zu erreichen.»

Als Roadie begleitete Dodo Leo verschiedene Bands auf Tournee, war ab 2001 selbst als Musiker unterwegs, leitet seit 2004 seine eigene Musikschule: «Als finanzielles Standbein, vor allem aber macht es Freude, ­Erfahrung weiterzugeben.» Von Montag bis Mittwoch unterrichtet er, den Rest der Woche widmet er sich eigenen Projekten oder komponiert für andere Künstler. Längst hat er sich vom Rocker zum Singer-Songwriter entwickelt, experimentiert mit Instrumenten, jongliert mit Genres von Pop, Soul, Blues und Folk bis zum italienischen Canzone.

Harmonie und Humor

Gekannt haben sich die Vollblutmusiker Dodo Leo, Marino Carlini und Thomas Martin schon lange. Ein Konzert, an dem sie nacheinander spielten, entfachte die Idee, es zusammen zu versuchen. Bereits bei der ersten Probe sprang der Funke über, inzwischen feiert das Trio Carlini, Dodo Leo & Martin drei Jahre «verwegene Unterhaltung mit Saiteninstrumenten, Perkussion und Gesang», wie es auf der Website heisst. Jeder bringt eigene ­Kompositionen ein, gemeinsam wird für wechselnde Instrumentalisierung und drei Stimmen arrangiert. Ebenso wie sie musikalisch harmonieren, teilen die drei auch ihren Sinn für Humor.

«Wir bieten keine Konzerte im klassischen Sinne, sondern haben grossen Spass am spielerischen Austausch mit dem Publikum. Der Wortanteil ist hoch, es wird viel gelacht, viel improvisiert – kein Auftritt ist wie der andere.» Auf Anregung seiner Bandmitglieder führt die dritte Tour nun in die Schweiz. «Die Resonanz auf unsere Anfragen war überraschend positiv.» Neben Clubs in Basel, Winterthur und Bern steht Rümlang auf dem Plan. «Ich hätte nie gedacht, noch einmal hier zu spielen – nun freue ich mich wahnsinnig darauf.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.03.2018, 14:35 Uhr

Auftritt in Vögi’s Chäller: Dodo Leo (Mitte) geht mit seinen Hannoveraner ­Bandkollegen Marino Carlini (links) und Thomas Martin auf «Tour de Suisse». (Bild: PD)

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Alle Tourdaten sind zu finden unter www.martin.dodoleo.carlini.de

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