Opfikon

Schulhaus Glattpark hat abgespeckt, wird aber doch nicht billiger

Die neuesten Zahlen zum projektierten Glattparkschulhaus zeigen Merkwürdiges: So kostet das einst als zu teuer kritisierte Bauvorhaben erneut über 70 Millionen Franken – obwohl es verkleinert wurde.

Die neusten Pläne sehen vor, dass bis 2023 im Glattpark diese Schulanlage gebaut werden kann. Ein erstes Projekt war 2014 an der Urne gescheitert. Visualisierung: Stadt Opfikon

Die neusten Pläne sehen vor, dass bis 2023 im Glattpark diese Schulanlage gebaut werden kann. Ein erstes Projekt war 2014 an der Urne gescheitert. Visualisierung: Stadt Opfikon

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Die neusten Erkenntnisse zum seit Jahren heiss diskutierten Schulhausprojekt im Glattpark sind ernüchternd. Vor allem für all jene, die nach der Ablehnung eines 74,4-Millionen-Baukredits für ein neues Schulhaus im Mai 2014 auf einen günstigeren Bau gehofft hatten. Denn die Kosten waren immer schon ein wichtiges Kriterium und letztlich auch der Grund, weshalb es bis heute noch kein Schulhaus gibt im betreffenden Gebiet.

Nun hat der Stadtrat in einer Mitteilung zwischen weiteren Neuigkeiten den momentanen Zwischenstand der Schulhausplanung im Glattpark bekannt gegeben. Es liegt jetzt ein «redimensioniertes Bauprojekt» samt Kostenvoranschlag mit einer Genauigkeite von +/- 10 Prozent vor. Die Kosten belaufen sich dabei auf 71,2 Millionen Franken. Darauf kommt der Stadtrat allerdings nur, weil er die rund 3,3 Millionen Franken für die Planung nicht einrechnet. Diese Summe sei ja schon bewilligt, wird argumentiert. Schliesst man den Planungskredit in die Gesamtrechnung mit ein, dann kommt man auf insgesamt 74,5 Millionen Franken für das aktuell zur Diskussion stehende Schulhausprojekt im Glattpark. Und dies ist sogar ein kleines bisschen mehr, als das stark kritisierte und an der Urne versenkte erste Schulhausprojekt gekostet hätte.

Sumpf ist ein Kostentreiber

Vor fünf Jahren, im Mai 2014, war für ein angeblich zu luxuriöses Schulhaus an selbiger Stelle ein Baukredit über 74,4 Millionen Franken veranschlagt worden – und als zu teuer befunden worden. Dass die neusten Kostenschätzungen nicht deutlich unter der damaligen Summe liegen wirft einige Fragen auf. Ein gemäss Stadtrat stark abgespecktes und deutlich verkleinertes Projekt soll nun also plötzlich gleich teuer sein wie damals ein «Luxusprojekt»? Wie kann das sein? Und was ist da schief gelaufen?

Die 74,5 Millionen teilen sich auf in reine Gebäudekosten über 52,8 Millionen Franken und «übrige Positionen», die 21,7 Millionen ausmachen. Darunter fällt auch der Landwert (17.95 Mio.) des bereits im Besitz der Stadt Opfikon befindlichen Grundstücks am Boulevard Lilienthal.

Stadtrat und Vorsteher der Finanzen, Valentin Perego (FDP), sagt: «Wir leisten uns hier keinen Luxus.» Aber er räumt ein, dass die reinen Zahlen auf den ersten Blick durchaus merkwürdig aussehen und die grosse zeitliche Verzögerung dieses Vorhabens alles andere als wünschenswert sei. Dass die planerische Zusatzrunde die Stadt Opfikon viel Geld koste, sei aber kaum zu belegen. «Insgesamt sind die Einsparungen sogar deutlich höher ausgefallen als erwartet», hält Perego dagegen. Dies vor allem, weil gewisse Kosten ausserhalb des eigentlichen Baus (Nebenkosten, Ausrüstung) nun geringer veranschlagt würden. Man habe 2017 noch ein Sparpotenzial von 5,3 Millionen Franken erwartet. Dies dank räumlichen Anpassungen am Schultrakt und der Turnhalle. Die Streichung der Tiefgarage habe danach noch zusätzliche Einsparungen von rund 700000 Franken ergeben, rechnet der Opfiker Finanzvorsteher vor. Die Krux liegt also anderswo. So gebe es einerseits neue Finanzvorschriften über den Umgang mit dem Grundstückwert, der nun 4,4 Millionen höher liege. Und andererseits liegen neue technische Erkenntnissen zum Untergrund vor, was eine viel aufwändigere Pfählung notwendig macht. Dies verteuert das Projekt ebenfalls um rund 3,7 Millionen, wie Perego betont. Diese vor fünf Jahren noch nicht eingerechneten Kosten zur Stabilisierung des Untergrunds wären damals wohl nachträglich obendrauf gekommen, schätzt er. Dann wäre das ursprüngliche Projekt eben nicht leicht günstiger, sondern klar teurer geworden.

Kritik am Standort bleibt

Einer der grössten Kritiker war stets Opfikons SVP-Präsident Richard Muffler. «Es ist noch immer ein teures Projekt, aber sie haben viel geändert und gestrichen», sagt er. Gut sei, dass das finanzielle Risiko nun enger eingegrenzt ist mit +/-10% Genauigkeit. Was ihn nach wie vor stört, ist der Standort. «Da verlieren wir ein wertvolles Grundstück.» Sein Vorschlag ist noch immer derselbe wie 2014 – das freie städtische Grundstück ennet der Autobahn im Gebiet Fallwiesen. Dass der Stadtrat nicht darauf eingegangen sei, erstaune ihn nicht. «Da gehts um politische Machtspiele und die Wahrung des Gesichts», sagt Muffler. Er habe kein grundsätzliches Problem mehr mit dem neuen Projekt. «Jetzt bewegen wir uns damit in einem ‹Luxusbereich›, den sich die Stadt mit den aktuellen Steuereinnahmen leisten kann.»

Die Verantwortlichen der Stadt Opfikon verfolgen den Bau eines Glattparkschulhauses mit einem gedrängten Terminplan. So hofft man den Neubau dereinst auf Beginn des Schuljahres 2023/24 beziehen zu können. Zunächst hat der Stadtrat dem Gemeinderat (Stadtparlament) beantragt, den jetzigen Baukredit zuhanden der Volksabstimmung zu bewilligen. Die Opfiker Bevölkerung stimmt dann voraussichtlich Anfang 2020 darüber ab.

Erstellt: 17.07.2019, 18:58 Uhr

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