Rafzerfeld

Druck der Bevölkerung wurde zu gross

Die Schulpflege des unteren Rafzerfelds hatte bis auf eine Ausnahme zur Wiederwahl antreten wollen. Die Reaktionen darauf fielen so heftig aus, dass am Montag alle fünf Mitglieder ihren Verzicht erklärt haben.

Unter anderem war das Gebiet Schlafapfelbaum lange der präferierte Standort für ein Sekundarschulhaus.

Unter anderem war das Gebiet Schlafapfelbaum lange der präferierte Standort für ein Sekundarschulhaus. Bild: ZU-Archiv/Sibylle Meier

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Das Verdikt war eindeutig: Mit 362 Nein- zu 121 Ja-Stimmen sprachen sich die Stimmberechtigten der Gemeinden Hüntwangen, Wasterkingen und Wil im Oktober 2017 gegen einen Wettbewerbskredit für den Bau eines gemeinsamen Sekundarschulhauses mit der Gemeinde Eglisau aus. Obwohl die Eglisauer gleichzeitig Ja zum Kredit sagten, war ein gemeinsames Schulhaus damit vom Tisch. Kurz darauf gab Eglisau bekannt, aus dem dafür gegründeten Zweckverband aussteigen zu wollen. Damit blieb vom Projekt, an welchem die Behörden über zwei Jahre gearbeitet hatten, nur mehr ein Trümmerhaufen übrig.

Behörde sieht Vertrauen nicht mehr gegeben

Das gescheiterte Projekt bringt nun die Schulpfleger der Schul­gemeinde Unteres Rafzerfeld (SUR) zu Fall. Ursprünglich wollten von den fünf Schulpflegern bis auf Philipp Wieland alle für die nächste Legislaturperiode zur Wiederwahl antreten. So hatte es Präsidentin Anne Rusconi im Wilemer Mitteilungsblatt vom Dezember angekündigt.

Darauf reagierte die Bevölkerung offenbar mit Unmut. Der Druck auf die Schulpflege wurde so gross, dass sie gestern in einer Mitteilung bekannt gab, dass sich nun niemand mehr zur Wiederwahl stellen wird. «Verschiedene Reaktionen auf diesen Entscheid haben uns in den letzten Wochen gezeigt, dass das Vertrauen in uns nicht mehr gegeben ist. Unsere Fähigkeit, den Volkswillen umzusetzen, wird infrage gestellt», schrieb die Behörde in ihrem Communiqué.

«Unter diesen Bedingungen stehen die Chancen schlecht, dass wir die Situation der Schule ändern können», sagte Schulpflegepräsidentin Anne Rusconi auf Anfrage. «Und die Schule muss sich in den nächsten Jahren verändern, um mit den vom Kanton definierten Ressourcen betrieben werden zu können.» Dass ein erneutes Antreten der Bisherigen keine gute Idee wäre, sei nach der Ankündigung der erneuten Kandidatur im Mitteilungsblatt vor allem in persönlichen Gesprächen deutlich geworden.

Mit wem diese Gespräche geführt worden waren, dazu wollte Rusconi allerdings keine genaueren Angaben machen. «Es waren aber nicht nur Mitglieder der Gruppe ‹Aktive Bürger›.» Besagte Gruppe war es, die bei der Abstimmung zum Wettbewerbskredit vor allem mit dem Votum des ehemaligen Schulpräsidenten Ernst Kraft die Meinungsbildung geprägt hatte.

Standortfrage war bei der Abstimmung entscheidend

Waren es also vor allem eigene Fehler, welche zum ungewünschten Abstimmungsergebnis und dadurch letztendlich zum Rücktritt der Schulbehörde geführt hatten? Das will die Präsidentin so nicht unterschreiben. «Vielleicht hätten wir das eine oder andere anders aufgleisen können», sagte Rusconi. «Es war aber schon bei der Gründung des Zweckverbands klar, in welche Richtung ein gemeinsames Schulhausprojekt führen soll. Dies ist in den Statuten festgehalten, auch wenn damals noch kein Standort feststand.»

Im Nachhinein war es unbestritten die Frage, wo ein gemeinsames Sekundarschulhaus mit der Gemeinde Eglisau gebaut werden würde, die nun indirekt zum Rücktritt der Schulpflege führte.

Als es im Mai 2015 noch darum ging, zuerst einmal einen Zweckverband für das Projekt zu gründen, sah der Fahrplan vor, die Standortfrage nach der Gründung im Sommer bis Ende Jahr geklärt zu haben. Doch davon konnte auch 2016 keine Rede sein, im Gegenteil: Im August wurde das Thema an einer Informationsveranstaltung heftig diskutiert. Die Behörden präferierten den Bau des neuen Schulhauses im Gebiet Schlafapfelbaum in Eglisau, weil es zentral gelegen und gut an den Verkehr angeschlossen ist und weil zwei Drittel der Schüler aus Eglisau gekommen wären. Ins Auge gefasst wurde aber auch die Möglichkeit, das Schulhaus Landbüel in Wil umzubauen und mit einem Anbau zu versehen.

Im September 2016 wurde der Standortentscheid erneut verschoben, obwohl sowohl der Zweckverband als auch die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde Eglisau sich für den Standort in Eglisau aussprachen. Doch die SUR wollte zuerst weitere Abklärungen treffen. Unter anderem wollte man prüfen, wie man in Zukunft die Primarschulen in den drei Gemeinden organisiert.

Im März 2017 schlug die SUR dann vor, die Primarschulen im Landbüel zusammenzufassen – was nur möglich gewesen wäre, wenn das Landbüel als möglicher Standort für die Sekundarschule nicht mehr in Frage gekommen wäre. Das kam bei der Bevölkerung nicht gut an. Von einem «Kahlschlag der Schulhäuser» war die Rede und bemängelt wurde ein Fehlen von Alternativen, etwa durch eine Zusammenarbeit mit Rafz. Die Quittung folgte im Oktober an der Gemeindeversammlung.

Erstellt: 12.12.2017, 10:59 Uhr

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