Wallisellen

Schulpräsidentin mit aussergewöhnlichen Rücktrittsforderungen konfrontiert

Eine junge Frau sucht die Schuld für ihre Probleme bei der Walliseller Schulpräsidentin Anita Bruggmann. Trotz breiter Unterstützung dürften ihre Rücktrittsforderungen aber wenig Chancen haben.

Anita Bruggmann, Walliseller Schulpräsidentin, tritt am 15. April an zur Wiederwahl.

Anita Bruggmann, Walliseller Schulpräsidentin, tritt am 15. April an zur Wiederwahl.

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Sieben Jahre sind die Vorfälle her, aber die Betroffene mag sie immer noch nicht ruhen lassen. In den letzten Wochen hat Chiara Siragusa, unterstützt von ihren Eltern und einigen weiteren Personen, am Bahnhof Wallisellen und am Hauptbahnhof Zürich Unterschriften gesammelt. Ihre Forderung: Rücktritt von Schulpräsidentin Anita Bruggmann. Die Vorwürfe sind heftig: «Die Schule bezahlte Weiterbildungen bei zwei sektenhaften Organisationen . . . Anita Bruggmann vertuschte den ganzen Skandal und schaute nicht für den Kinderschutz» ist auf den Petitionsbogen zu lesen. Zudem missbrauche sie ihr Amt.

Verantwortlich gemacht wird die Schulpräsidentin für die Vorkommnisse rund um die ehemalige Walliseller Schulsozialarbeiterin mit esoterischem Hintergrund. Bei ihr suchte die heute 21-Jährige Hilfe aufgrund persönlicher Probleme. Dass sie noch heute unter Depressionen und Schlafstörungen leidet und keine Ausbildung machen konnte, führt sie auf die unprofessionelle Behandlung durch die Schulsozialarbeiterin zurück. Ihre Wut ist gross.

Mit ihrer Geschichte vermochte sie 340 Personen zum Unterschreiben zu überzeugen. Nur ein kleiner Teil davon stammt jedoch aus Wallisellen. Der Rest ist so ziemlich in der ganzen Schweiz wohnhaft und dürfte grösstenteils wenig vertraut sein mit dem Fall. Glaubwürdigkeit versuchte Siragusa dem Anliegen zu verleihen, indem sie den angesprochenen Leuten diverse Artikel zeigte, die im «Tages-Anzeiger», im «Beobachter», im «Zürcher Unterländer» und im Blog des Sektenexperten Hugo Stamm auf dem Onlineportal Watson erschienen waren.

Die Familie hat die Unterschriftenbogen breit gestreut: Neben sämtlichen National- und Kantonsräten sowie dem Regierungsrat hat sie auch die Gemeinde Wallisellen sowie die Ortsparteien damit bedient. Zudem will sie in den nächsten Wochen weitere Aktionen starten, um Druck auf die Schulpräsidentin auszuüben.

Vor Bruggmanns Amtsantritt

Anita Bruggmann (FDP) tritt bei den anstehenden Wahlen vom 15. April wieder an. Da sich bis anhin keine weiteren Kandidaten ins Spiel gebracht haben, dürfte ihre Wiederwahl nicht gefährdet sein. Bruggmann betont, dass die erwähnten Weiterbildungen vor ihrem Amtsantritt bewilligt worden waren und dass sie nichts von der ausserberuflichen esoterischen Betätigung der Schulsozialarbeiterin gewusst hatte. Nachdem eine ausführliche Untersuchung keine weiteren Fehlleistungen zutage gebracht hatte, wurde die Sozialarbeiterin weiterbeschäftigt.

Die Schulpflege hat gemäss Bruggmann nicht nur Schüler vor unzulässigen Praktiken zu schützen, sondern ebenso Angestellte vor unberechtigten Vorwürfen. «Ich kann nachvollziehen, dass dies für die betroffene Familie unbefriedigend war, und bedaure, dass es sie so sehr trifft», teilt die Schulpräsidentin mit. «Die Vorwürfe an meine Person muss ich aber entschieden zurückweisen.» Sie wünsche sich, dass diese Geschichte, die auf allen Seiten nur Verlierer produziert habe, nun endlich abgeschlossen werden könne.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 27.03.2018, 21:44 Uhr

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