Bassersdorf

Sechseläuten auf grösserer Wiese wäre trotz Nutzungsbeschränkungen möglich

Aus Sicherheitsgründen durften am diesjährigen Jux-Sechseläuten von Bassersdorf keine lauten Böller verwendet werden. Denn der Platz ist angesichts des immer grösseren Zuschaueraufmarsches zu klein geworden. Nun bietet sich eine neue Option.

Das Bassersdorfer Sechseläuten fand bislang auf der kleinen «Sächsilüüte»-Wiese statt. Auf der Mösliwiese gäbe es aber viel mehr Platz (Sicherheitsabstände) hierfür.

Das Bassersdorfer Sechseläuten fand bislang auf der kleinen «Sächsilüüte»-Wiese statt. Auf der Mösliwiese gäbe es aber viel mehr Platz (Sicherheitsabstände) hierfür. Bild: Christian Wüthrich

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Die Bassersdorfer sind ein eigenes Völkchen. Wenn es ums Organisieren von Volksfesten und spassigen Anlässen geht, spielen sie im Unterland in einer eigenen Liga. Alljährlich steigt hier die grösste Fasnacht der Region, früher gabs auch schon «Hochseeregatten» mit selbstgebauten «Schiffen» zum Tragen und da gibt es seit 2004 eine Parodie aufs noble Zürcher Sechseläuten. Nun ist aber plötzlich das Thema Sicherheit dieses an sich lustigen Festes in den Fokus gerückt, als ein kritischer Bürger zufälligerweise auf neue Abstandsvorschriften für Feuerwerkskörper aufmerksam machte.

Bis zu über 1000 Schaulustige hat der Bassersdorfer Böögg zuletzt angelockt. So standen die Leute in den letzten Jahren meist ziemlich nah ums Feuer herum auf dem kleinen Festplatz, wenn sich der symbolhafte Schneemann jeweils mit lautem Getöse in Rauch auflöste. Aufgrund der Bedenken um die Sicherheitsabstände bei diesem Feuerwerkspektakel, gabs in diesem Jahr keine lauten Kracher mehr auf dem Platz, der vom Gemeinderat anfangs Jahr eigens noch in «Sächsilüüte»-Wiese umbenannt wurde. Nach einer Intervention beim Bezirksrat musste der Gemeinderat handeln und die Organisatoren anweisen, nur noch kleine Feuerwerkskörper zu verwenden, um das närrische Sechseläuten überhaupt noch durchführen zu dürfen.

Beschränkungen ja, aber …

Dabei wurde ein gutgemeinter Hinweis des dorfbekannten Kritikers vielleicht etwas vorschnell in den Wind geschlagen, wie sich nun zeigt. Der aufmerksame Bürger hatte nämlich vorgeschlagen die ganze Veranstaltung auf die Mösliwiese zu verlegen. Diese gehört der Gemeinde und ist viel grösser als die kleine «Sächsilüüte-Wiese». So könnten auch wieder ganz legal die grösseren und effektvolleren Böller verwendet werden.

Der Gemeinderat, der jeweils selber als Zunft zur Schwarzen Null am Jux-Anlass mitmacht, winkte jedoch sofort ab. Er sah keine Möglichkeit für einen Umzug auf die Mösliwiese, wie mehrere Mitglieder vor dem diesjährigen Bööggverbrennen erklärten. Das Hauptargument war stets ein sogenanntes Servitut, das auf dem dortigen Grundstück eine strenge Nutzungsbeschränkung vorschreibt.

Eine Anfrage beim Notariat bestätigt die Einschränkung, die seit über 66 Jahren gilt. Im Grundbucheintrag zur Mösliwiese steht: «Die jeweilige Eigentümerin (...) darf den rund 137 Aren grossen Turn-, Spiel- und Sportplatz (...) nicht entfremden». Ausdrücklich verboten sind die Benützung als Fussballplatz, sowie die Bebauung aber auch die Bepflanzung des Platzes, wenn dadurch die «jederzeitige Benutzung der Laufbahn» verhindert wird. Eine solche 400-Meterbahn wurde allerdings nie errichtet.

… wenn man den Nachbarn fragt, gehts trotzdem

Die Mösliwiese wird denn auch selten bis nie für Anlässe benutzt, obwohl sie zentral liegt und viel Raum für allerlei Anlässe bieten würde. Zu klar schien in der Vergangenheit jeweils die Beschränkung durch das grundbuchamtliche Servitut. Was aber im Grundbuch auch steht und was bislang offenbar niemand beachtet hat, ist, dass diese Grunddienstbarkeit zugunsten eines Nachbargrundstückes gilt. Dabei handelt es sich um das angrenzende Land, wo der einstige Gasthof Zum Adler steht. Dessen Besitzer Hans Isler wundert sich denn auch, dass er noch von niemandem betreffend Sechseläuten angesprochen wurde. Denn beim Notariat heisst es auf Anfrage, dass auf dem Grundstück zwar grundsätzlich keine Feste stattfinden dürften, es sei denn, der im Servitut benannte Nachbar würde dies ausdrücklich zulassen.

«An mir soll das nicht scheitern», sagt Isler nun. Er könne sich gut vorstellen, dass das Bassersdorfer Sechseläuten einmal jährlich auf der Mösliwiese nebenan durchgeführt werde. Die Nutzungsbeschränkung habe einst sein Vater veranlasst, der die ganze Wiese einst zu einem Vorzugspreis der Schule verkauft hatte. So erklärt sich auch die Eintragung des Servituts ins Grundbuch am 25. Januar 1951.

Hans Isler gibt sich offen für Neues. «Ich bin immer gesprächsbereit, wenn mich jemand fragt», sagt er und lässt durchblicken, dass er durchaus Sympathien hegt für die von anderen kritisierte «Spassgesellschaft» im Dorf. «Letztes Jahr wurde ich schon einmal angefragt, ob ich eine Weltmeisterschaft für Hornusser auf der Mösliwiese erlauben würde.» Das habe er denn auch getan, sagt Isler. Doch die Organisatoren führten diesen für Bassersdorf so typische Anlass, am Ende doch auf einem lokalen Fussballplatz durch. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.05.2017, 19:14 Uhr

Das Bassersdorfer Sechseläuten fand bislang auf der kleinen «Sächsilüüte»-Wiese statt. Auf der Mösliwiese gibt es aber viel mehr Platz dafür. (Bild: gis.zh.ch)

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