Bülach

Seele der ehemaligen Giesserei lebt weiter

Längst stehen sie nicht mehr, die grossen Industriebauten auf dem Guss Areal in Bülach Nord. Als Zeitzeugen leben sie nun im neuen Bilderband und als Bilder des Künstlers Thierry Andreoli weiter.

Mischa Klaus stellt in seinem Café in der Altstadt die Fotografien vom Guss Areal aus.

Mischa Klaus stellt in seinem Café in der Altstadt die Fotografien vom Guss Areal aus. Bild: Sibylle Meier

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Gross war der Aufmarsch zur Vernissage des Autors und Fotografen Thierry Andreoli. So gross, dass aus der gemütlichen Runde im Foyer des Café Klaus ein Alfresco Event in beschwingter Atmosphäre wurde. Rund 50 geladene Gäste machten sich vorgestern Donnerstagabend sozusagen ein Bild von den 15 ausgestellten Fotografien, die allesamt Gebäude und Details der ehemaligen Giesserei dokumentieren.

Als Gastgeber amtete – routiniert und stilsicher – der Café-Inhaber und Veranstalter der Ausstellung «Queens and Kings», Mischa Klaus. Diese Frühlingsausstellung hatte über 3500 Personen angelockt. Dort, in einer Halle der ehemaligen Giesserei, hatten sich die beiden Künstler Andreoli und Klaus sozusagen gegenseitig entdeckt. Daraus entstand die Idee, Andreolis neuen Bilderband und eine Auswahl eingerahmter Bilder im Cafe Klaus auszustellen.

Geschichte dank Zeitzeugen

Während zwei Jahren durfte sich Thierry Andreoli frei auf dem Gelände der ehemaligen Giesserei bewegen. Aus über 2000 Bildern wählte er 150 Stück für seinen Bilderband. «Dank des Kleinbild-Vollformats lassen sich in den Bildern feinste Details ausmachen», erklärte der dreisprachig aufgewachsene, in Frankreich geborene Künstler Andreoli.

Bis zum 6. Oktober stehen jeweils maximum fünf Stück der Bilder sowie das Buch zum Verkauf im Cafe Klaus an der Marktgasse. Die Bilder wirkten für das Publikum zum Teil so gelungen, dass Andreoli in seiner kurzen Rede schmunzelnd betonte, ohne Bearbeitungsprogramm gearbeitet zu haben.

Micha Klaus, der in vielen kulturellen Kommissionen zu Hause ist, legte den Fokus seiner Worte auf eine Art geschichtlicher Bühne. «Die Bülacher lassen sich von Bülach Nord bewegen», erklärte Klaus. Die Neubauten schafften Emotionen, deshalb sei es wichtig, die Seelen der alten Gebäude, dieser einst mächtigen Zeitzeugen, in Form von Bildern am Leben zu erhalten.

Jedem sein Lieblingsbild

Das Publikum auf ein herausstechendes Motiv angesprochen, wirkten auf eine Mehrzahl offenbar die Schwarz-Weiss Aufnahmen besonders anziehend. «Dieses Bild mit dem alten Stromschalter gefällt mir ausserordentlich», sagte etwa die Waster-kinger Malkünstlerin Susanne Meierhofer und gesellte sich gleich zu Lucca Andreoli, dem Sohn des Künstlers.

Letzterer ist in die Fussstapfen des Vaters geschlüpft und begleitet den Vater während Fotoexkursionen zu verborgenen Wasserfällen im Bregenzerwald. Auf der anderen Seite des Foyers begutachtete die Besucherin Annette Wobmann mit luzernischen Wurzeln das Bild «2. Stock Sandturm» und kommentierte es. «Mir gefällt dieser lichtdurchflutete Raum, der früher wohl voller Leben gewesen sein muss», sprach sie laut vor sich hin.

Beim Bild eines mit «Stadtwasser» beschrifteten Rohrs fiel dem Künstler Andreoli eine spannende Anekdote ein: «Zur Reinigung der Maschinen verwendete man damals das sogenannte Brauchwasser, doch zur Erfrischung der Arbeiter wurde das saubere Stadtwasser angezapft».

Nicht nur im künstlerischen Bereich sei nun mit dem Bilderband ein kleiner Meilenstein geschafft, auch das «Neue», wie es Café-Inhaber Mischa Klaus nannte, dürfe Einzug halten. Was sich neben Bildern der ehemaligen Giesserei gut verkaufen lasse, seien Wohnungen. Auf Anfrage des Zürcher Unterländers erklärte nämlich Nicole Baer von der Früh Immobilien AG, dass der Baubereich «8» per 1. Oktober fertiggestellt werde und zwei Drittel aller Eigentumswohnungen, die im Herbst 2019 bezogen werden können, bereits verkauft worden seien.

Erstellt: 29.06.2018, 16:52 Uhr

Thierry Andreoli, Fotograf

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