Kloten

Sie haben Männer zum Fressen gern

Ein Frühwerk des Komponisten Jacques Offenbach spielt auf einer Südseeinsel. Welche Komplikationen entstehen, wenn sich zwei Häuptlingsfrauen treffen, zeigte die am Mittwoch im Schluefwegsaal aufgeführte Operette «Häuptling Abendwind».

Vergnüglich turbulent geht es in Jacques Offenbachs Operette «Häuptling Abendwind» zu und her.

Vergnüglich turbulent geht es in Jacques Offenbachs Operette «Häuptling Abendwind» zu und her. Bild: Tanja Dorendorf

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Es gibt sicherlich einfachere Situationen im Leben, als wenn sich zwei Häuptlingsfrauen treffen, die gegenseitig ihre Ehemänner aufgegessen haben. Auf einer Südseeinsel, wo die letzten Kannibalen leben, wollen die beiden Erzfeindinnen, trotz ihrer verspeisten Nebenbuhler, Frieden schliessen. Da kommt ein Fernsehreporter und Naturforscher, der die letzten Kannibalen filmen will, gerade richtig als gefundenes Versöhnungsfressen.

Die Geschichte in Jacques Offenbachs Operette «Häuptling Abendwind», mit dem Zusatztitel «Das gräuliche Festmahl», könnte skurriler nicht sein. Das Theater Kanton Zürich und das Opernhaus Zürich brachten die Operette im letzten Herbst als Koproduktion zur Premiere. Am Mittwochabend ging die musikalische Komödie im Stadtsaal Schluefweg über die Bühne. Felix Koster, er leitet die Projekte des Kulturvereins Szene Kloten, war von einer früheren Aufführung in Winterthur begeistert: «Das Stück übertraf unsere Erwartungen. Seit ein paar Jahren schätzen wir die Zusammenarbeit mit dem Theater Kanton Zürich und dessen professionelle Organisation. Mit dieser Operette wollen wir Kultur und Freude verbreiten.»

Der Publikumsaufmarsch war nicht gewaltig. Aber die rund hundert Besucher erlebten einen sehr vergnüglichen Abend mit einer wunderbar schrägen Geschichte. Der musikalische Leiter, Thomas Barthel, ergänzte die Originalversion von Offenbach mit der «Barcarole» aus «Hoffmanns Erzählungen» und am Schluss mit dem «Galop Infernal», dem Cancan aus «Orpheus in der Unterwelt». Barthel leitete nicht nur das kleine Instrumentalensemble des Opernhauses, er begleitete es auch auf dem Harmonium.

Doch zurück zum Stück: Als ein junger Mann auf der Insel auftaucht, gerät die Geschichte vollends aus dem Ruder. Eine Häuptlingstochter verliebt sich in den Ankömmling. Und die KöchinHo Gu, eine Abkürzung für «haut goût», kann es kaum erwarten, den Jüngling zu schmoren, und bereitete schon Aromat und Ketch­up vor. Beim Festmahl glauben die vier Frauen erst, den Jüngling gegessen zu haben. Aber wie in vielen Operetten kommt alles gut. Der Naturforscher sorgt zusammen mit der Köchin heimlich für eine Überraschung, um sie «in die Pfanne zu hauen».

Die Operette mit dem französischen Titel «Le vent du soir ou L’horrible festin» wurde 1857 in Paris uraufgeführt. Der 1819 in Köln geborene Jacques Offenbach wird oft als Erfinder der Operette bezeichnet. Johan Nestroy erarbeitete eine deutsche Fassung, die 1862 in Wien Premiere feierte. Am 26. März kommt das Werk im Opernhaus Zürich zur Aufführung.

Erstellt: 01.03.2018, 17:36 Uhr

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