Opfikon

Sie singen und spielen trotz Handicap

In der Zwirni-Band und bei den Young Zwirnis musizieren Menschen mit einer geistigen Behinderung. Zum Jahresabschluss laden die Formationen an ihr Weihnachtskonzert vom 10. Dezember in der reformierten Kirche ein.

Die meisten Mitglieder der Zwirni-Band geniessen es, vor vielen Leuten ihr Können zu zeigen.

Die meisten Mitglieder der Zwirni-Band geniessen es, vor vielen Leuten ihr Können zu zeigen. Bild: Johanna Bossart

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Pünktlich um viertel nach fünf Uhr öffnen sich an diesem späten Dienstagnachmittag die Türen des Saals im Zwirni-Träff an der Neugutstrasse in Glattbrugg, dem Freizeittreff für erwachsene Behinderte. Die neun Mitglieder der Formation Young Zwirnis haben ihre Probe beendet.

Szenenwechsel. Nun beginnen sich die gut 20Männer und Frauen, die zur Zwirni-Band gehören, einzurichten. Stühle werden verschoben oder hinzugeholt, Notenständer gerichtet, Instrumente verteilt und gestimmt. Die Blockflötisten bilden eine Einheit, und auch dieXylofonspieler sitzen nebeneinander. Hinzu kommen zwei Gitarristen, ein Schlagzeuger, einSänger und eine Sängerin. Trompete und Querflöte fehlen an diesem Abend.

Neue Stücke werden über das Gehör gelernt

Musiklehrerin Charlotte Wiget am E-Piano und die frühere langjährige Geschäftsführerin des Zwirni-Treffs, Claudia Aschwanden, am Saxofon, leiten die Band gemeinsam seit 22Jahren. Jeden Dienstagnachmittag und -abend proben sie mit den Young Zwirnis und der Zwirni-Band. Nur wenige Bandmitglieder können Noten lesen und nehmen ausserhalb der Band Instrumentalunterricht. Dennoch beherrschen alle ihre Instrumente.

Neue Stücke lernen sie über das Gehör. Sie sind gut vorbereitet und spielen konzentriert. Sängerin Daniela und Sänger Matthias geben der Zwirni-Band ihre Stimme und nehmen damit eine führende Rolle ein. Als die Melodie von «Winterwonderland» erklingt, stimmen die Musizierenden mit ein. «Sie sind so begeistert und motiviert», freut sich Charlotte Wiget.

«Ich merkte, dass viele kein heilpädagogisches Programm wünschten, sondern einfach in einer Band spielen wollten, wie andere auch»Charlotte Wiget, Leiterin Zwirni-Band

Die Zwirni-Band entstand vor über 20 Jahren aus einer Rhythmikgruppe heraus. «Ich merkte, dass viele kein heilpädagogisches Programm wünschten, sondern einfach in einer Band spielen wollten, wie andere auch», erinnert sich Charlotte Wiget an die Anfänge. Wegen der grossen Nachfrage wurde vor einigen Jahren die Formation Young Zwirnis für noch weniger erfahrene Musizierende gegründet.

Bis zu acht öffentliche Auftritte bestreiten die beiden Formationen pro Jahr. Die meisten Bandmitglieder geniessen es, vor vielen Leuten zu zeigen, was sie können. Das Konzert am vergangenen Züri-Fäscht war in diesem Jahr ein Höhepunkt. Auch der Auftritt am Samichlaus-Markt in Opfikon war wieder ein Erfolg. Umso motivierter üben sie nun für das traditionelle Weihnachtskonzert vom Dienstag, 10.Dezember, in der reformierten Kirche Glattbrugg. «Die neuen Stücke proben wir seit Anfang September», erklärt Charlotte Wiget. Altbekannte Lieder wie «Stille Nacht» oder «O du fröhliche» gehören jedoch schon fix zum Repertoire. Charlotte Wiget wird das Weihnachtskonzert in der reformierten Kirche Glattbrugg am Klavier begleiten, und die Keyboard-Schüler des Zwirni-Treffs erhalten Gelegenheit, ein Solo vorzutragen. Bis dahin üben alle noch fleissig weiter.

Erstellt: 02.12.2019, 15:20 Uhr

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