Glattfelden

Sie wollen einen Sitz im Gemeinderat von Glattfelden

Eine Frau und drei Männer bewerben sich in Glattfelden für einen Sitz im Gemeinderat. Die wichtigen Themen im Dorf sehen sie zum Teil unterschiedlich.

In Glattfelden soll der Gemeinderat durch eine Ersatzwahl wieder vollzählig werden.

In Glattfelden soll der Gemeinderat durch eine Ersatzwahl wieder vollzählig werden. Bild: Michael Caplazi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Glattfelderinnen und Glattfelder wählen am 9. Februar eine neue Gemeinderätin oder einen neuen Gemeinderat. Dies als Ersatz für Robert Wermelinger (GLP), der vergangenes Jahr aus der Exekutive ausgeschieden ist.

Vier Kandidierende stellen sich für Wermelingers Nachfolge zur Verfügung, eine Frau und drei Männer. Sie zeichnen sich durchaus durch unterschiedliche Hintergründe und Ideen für das Amt aus, es gibt aber auch einige Ähnlichkeiten, insbesondere, was die politische Orientierung betrifft.

Die Wieder-Antretende

Irma Frei gehörte früher zur SVP, ist inzwischen aber parteilos.

Die einzige Frau unter den Kandidierenden ist Irma Frei. Sie ist parteilos, gehörte aber bis vor wenigen Jahren noch zur SVP und war mehrere Jahre Mitglied des Wahlbüros. Sie kandidierte bereits 2014 und 2018 für den Gemeinderat, schied aber jeweils als Überzählige aus. Nun tritt Frei, inzwischen ist sie Präsidentin des Gewerbevereins, erneut an. «Glattfelden braucht eine neue Perspektive und diese würde ich gerne im Interesse der Bevölkerung aufzeigen», erklärt sie. Sicher sei es auch gut, wenn noch eine weitere Frau im Gemeinderat sitzen würde, sagt Frei auch.

Entsprechend ihrer früherer Parteizugehörigkeit verortet sich Frei eher im bürgerlichen Lager. Gefragt, welche Themen es in Glattfelden anzupacken gelte, zählt Frei gleich eine ganze Reihe davon auf: «Die Umfahrung Hardwald, Tempo 30, die öffentliche Verkehrsanbindung, einen behindertengerechten Bahnhof, Sachbeschädigung und Ruhestörung und das Endlager für radioaktiven Abfall.» Frei würde am liebsten das Gesellschaftsressort übernehmen.

Der GLP-Banker

Marc Jäger sah seine Werte schon früher am besten von der GLP verkörpert, die Kandidatur gab aber den Ausschlag, definitiv der Partei beizutreten.

Ein politisch noch unbeschriebenes Blatt ist Marc Jäger. Der Leiter der Raiffeisenbank Regio Frick im Aargau hatte noch nie ein politisches Amt ausgeübt. Er war aber trotzdem von verschiedenen Parteien und Personen angefragt worden, ob er nicht für einen Sitz in der Exekutive kandidieren möchte. Seine Kandidatur habe ihn schliesslich auch dazu veranlasst, der GLP beizutreten, die aus politischer Sicht schon seit längerer Zeit viele seiner Werte verkörpere.

«Ich wohne mit meiner Familie seit rund 20 Jahren in der Gemeinde. Meine Kinder sind hier aufgewachsen und zur Schule gegangen», sagt Jäger. Bisher habe er aber nie genug Zeit für ein politisches Amt gehabt, dies habe sich aber in den letzten Jahren geändert. «Nun möchte ich die Chance nutzen und etwas zurückgeben und mich für die Gemeinde engagieren», erklärt Jäger seinen Entscheid zur Kandidatur.

Jäger sieht vor allem bei der Infrastruktur Handlungsbedarf. «Hier müssen diverse Fragen rasch gelöst werden. Am dringlichsten sind dabei sicher der drohende Platzmangel in der Schule, Fragen bezüglich Verdichtung und Verkehr, sowie die Finanzen. In diesem Zusammenhang steht auch die Herausforderung, Glattfelden für Private und Unternehmen noch attraktiver zu machen.»

Jäger würde gerne das vakante Sicherheitsressort übernehmen, könnte sich aber auch gut vorstellen, im Finanzressort tätig zu werden. «Grundsätzlich bin ich aber für alle Ressorts offen.»

Der Aufsteiger

Heinrich Maag glaubt, dass er durch seine Unabhängigkeit den Gemeinderat wieder zu einer Einheit machen könne.

Während 30 Jahren habe er sich vom Techniker zum Serviceleiter und dann zum Verkaufsleiter weiterentwickelt, sagt der parteilose Heinrich Maag. Nun wolle er diese Erfahrung in den Gemeinderat miteinbringen. Maag hatte bisher noch kein politisches Amt inne und es ist nicht ganz einfach, ihn politisch zu verorten: «Die politische Ausrichtung finde ich auf Gemeindeebene nicht so relevant», erklärt er. «Wichtiger finde ich, den Kontakt zur Bevölkerung zu pflegen und die Bedürfnisse zu verstehen.» Sein Ziel als Gemeinderat wäre, dass Glattfelden, Schachen und Zweidlen ein attraktives Dorfleben hätten, dem Naherholungsgebiet Sorgen getragen würde und die Finanzen im Lot seien. Zudem glaubt er, dass seine Unabhängigkeit von Vorteil sei, wenn es darum geht, den Gemeinderat wieder zu einer Einheit werden zu lassen.

In Bezug auf das Ressort könne er es sich gut vorstellen, das Sicherheitsdossier zu übernehmen. Er habe jedoch auch keine Probleme, einem anderen Ressort vorzustehen.

Der Unternehmer

Franz Stocker sieht beim Steuerfuss nur noch Raum nach unten.

Nachdem die übrigen drei Kandidierenden ihre Ambitionen bereits im Herbst angekündigt hatten, stiess ein paar Wochen später mit Franz Stocker noch ein weiterer Kandidat dazu. Auch er hatte noch kein politisches Amt inne. Er sei parteilos und unabhängig, stehe aber mit beiden Beinen fest auf der rechten Seite der Mitte, sagt der ehemalige Unternehmer, der sich heute im vorzeitigen Ruhestand befindet.

Die vergangene Gemeindeversammlung habe den Eindruck vermittelt, der Konflikt rund um die letztes Jahr freigestellte Gemeindeschreiberin sei noch nicht ganz vom Tisch. Stocker sieht deshalb eine Priorität darin, das Vertrauen in den Gemeinderat wiederherzustellen. «Schwamm drüber und vorwärts schauen ist hier keine ratsame Politik», sagt Stocker. Weitere Themen, die in den nächsten Jahren wichtig werden, sieht er beim Steuerfuss, bei welchem er einzig Raum nach unten sieht, bei möglichen Fusionen mit anderen Gemeinden sowie bei der Ausarbeitung eines Konzepts für eine bessere Wahlbeteiligung an den Gemeindeversammlungen.

In Bezug auf das Ressort könne er sich als selbständiger Unternehmer jedes vorstellen, seine Erfahrung und Stärken könne er aber nebst dem Sicherheitsdossier auch gut in der Infrastruktur, den Finanzen, dem Hochbau oder dem Sozialen einbringen. «Als technisch ausgerichteter Mensch würde ich mich für das Kultur- und Bildungsressort selbst nicht vorschlagen», sagt Stocker aber auch.

Erstellt: 24.01.2020, 16:52 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles