Regensdorf

Sirup aus dem Kräutergarten

Die Watterin Martina Bosshard und ihre Kollegin und Geschäftspartnerin Karin Zoro haben mit ihrem «SunneSirup» beim Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte inDelémont eine Goldmedaille gewonnen. Nun gewähren diebeiden kreativen Köpfe Einblick in ihre Sirup-Produktion.

Martina Bosshard (links) und Karin Zoro treffen mit ihren Sirup-Kreationen den Geschmack vieler Leute.

Martina Bosshard (links) und Karin Zoro treffen mit ihren Sirup-Kreationen den Geschmack vieler Leute. Bild: Balz Murer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Küche von Karin Zoro strahlen die beiden Frauen vor Freude, als sie über ihren Erfolg berichten. «Wir haben ein Muster für den Wettbewerb eingeschickt. Es wurde von Fachleuten blind verkostet und ausgezeichnet. Wir sind auf dem richtigen Weg!», sagt Martina Bosshard, 35-jährige Hausfrau, Mutter von zwei Kindern und ausgebildete Kauffrau aus Watt. «Trotzdem – ich hätte nie gedacht, dass wir Gold gewinnen», ergänzt Karin Zoro, ebenfalls Mutter und Kauffrau.

Die Minze wächst in verschiedenen Sorten im eigenen Garten (Bild: Balz Murer).

Die beiden Geschäftsführerinnen der Einzelfirma Siroperia könnten unterschiedlicher nicht sein. Zoro ist die emsige Gärtnerin, Hausfrau, kreative Bastlerin und Buchhalterin. Bosshard hingegen ist die smarte Kommunikationsfrau, vernetzt in den Sozialen Medien, nie um eine Antwort verlegen, aber mit der Produktion des süssen Saftes lieber auf Distanz. Ein Dream-Team eben, das sich prächtig ergänzt.

Zoro hat’s erfunden

2012 hat Karin Zoro zum ersten Mal Sirup gekocht. «Meine Tochter trank zu wenig und ich suchte einen Weg, ihr den Wassergenuss zu versüssen», erzählt sie. Als sie keinen Sirup ohne Konservierungs- und Farbstoffe fand, holte sie Kräuter aus dem eigenen Biogarten und machte sich im Internet schlau. Das Ergebnis liess sich sehen und schmecken. Karin Zoro ist in Regensdorf aufgewachsen.

Goldmelissenblüten dienen als Farbstoff (Bild: Balz Murer).

«Primarschule Chrüzächer, Sek Ruggi, Banklehre in Regensdorf», sagt die heute 42-Jährige. Seit einigen Jahren lebt sie im Kanton Aargau und dort darf man, anders als im Kanton Zürich, in der eigenen Küche Lebensmittel für den Verkauf produzieren. Für die Bewilligung nahm die Behörde die Küche in Augenschein. «Der Inspektor kann jederzeit ohne Anmeldung kommen», sagt sie.

Karin Zoro begann zu experimentieren. Sie holte mal diese, mal jene Minze aus dem Hochbeet, tüftelte an Kochdauer und Konsistenz. Jedenfalls kam das Töchterchen bald nicht mehr mit dem Trinken nach und Karin Zoro suchte sich notgedrungen externe Vertriebskanäle. «Ich exponiere mich ungern. Lieber wickle ich im Hintergrund die Produktion und Bestellungen ab und mache die Buchhaltung», erzählt sie.

Sirup ist vielseitig einsetzbar

In einer Spielhalle für Kids stiess die Watterin Martina Bosshard 2014 auf den Sirup. Bosshard war gerade auf der Suche nach einer Geschenkidee für die ehrenamtlichen Helfer eines gemeinnützigen Vereins. «Der Sirup erschien mir perfekt und so nahm ich Kontakt mit der Herstellerin auf, welche spontan 50 Flaschen sponserte. «Ich dachte mir: Hinter so einer Grosszügigkeit steckt sicher ein toller Mensch.

Ohne Zucker gibt es keinen Sirup (Bild: Balz Murer).

Der Verdacht bestätigte sich», sagt Bosshard und Karin Zoro lächelt verlegen. Im Herbst 2015 bündelten die beiden Frauen ihre Energien und Talente, gründeten die Firma, verpassten den Produkten den Namen Siroperia, kreierten Stoffhäubchen für die Flaschen, liessen Etiketten designen und drucken. Das Grundsortiment mit unterschiedlichen Minzen ergänzten die beiden beispielsweise mit Kaffee-, Amaretto- oder Vanillesirup. Mittlerweile sind es 22 verschiedene Sorten.

Waren es 2016 noch rund tausend Flaschen, erwartet das Team für 2017 eine Steigerung. «Das hat aber nichts mit der Medaille zu tun. Die Produkte sind momentan immerhin in 16 Vertriebsstätten und im Onlineshop erhältlich. Auf Facebook und Instagram inspirieren wir die Fans, den Sirup in all seinen Variationen vielfältig einzusetzen», sagt Bosshard.

Das Rezept bleibt geheim

Und so kocht Karin Zoro je nach Auftragseingang manchmal täglich. Im Garten gedeihen auf 20 Laufmeter Biokräuter. Die Hochbeete sind mit feinstem Netz vor Schädlingen geschützt. Um die zehn Franken kostet ein Fläschchen mit 3,5 Deziliter Inhalt. «Jeden Franken Gewinn reinvestieren wir in Material und wir sparen für eine BIO-Zertifizierung oder die Gründung einer GmbH», sagt Bosshard.

Ein schmuckes Stoffhäubchen ziert jede Flasche (Bild: Balz Murer).

Ob es denn nicht geradezu fahrlässig sei, Sirup unter die Leute zu bringen, wo doch jedermann weiss, dass Zucker Karies erzeugt? «Unser Sirup ist ein hochwertiges Genussmittel für Erwachsene. In minimaler Dosierung verleiht er Dressings, Marinaden, Kaffee oder Prosecco eine besondere Note», wehrt sich Bosshard. Und auf die Frage, wie genau sie den Sirup herstellen, schweigen sie zunächst. Dann sagt Zoro mit ernster Miene: «Geheim.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.11.2017, 15:38 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Newsletter

Die Woche in der Region.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare